Star Wars und die Diversität

Das Embargo, vor dem zumindest in Dland nicht berichtet werden durfte, ist gefallen und euer Newsfeed garantiert voll von Star Wars. Wir haben auch jetzt erstmal dieses Video, in dem ich sogar halbwegs kohärent erzähle, wie der Film sich denn in der Pressevorführung gemacht hat – und heute Abend wird auch noch erstmal ab 20:00 und dann später tiefnachts nach der Mitternachtspremiere auch nochmal auf dem Orkenspalter-Twitch-Channel geredet.

Daher ansonsten hier nur ein kleiner Text zu etwas, bei dem ich oft eher still bin, das mich aber dennoch in der Regel umtreibt. Die Medien und die Diversität. Ich feiere jede Figur in Film, Fernsehen und Büchern, die vom Standarderfolgsrezept des weißen, männlichen Heterohelden abweicht. Was nicht heißt, dass es nicht genügend weiße, männliche Heterohelden gibt, die mir zusagen – ich war gerade in Star Wars und habe mich wie ein Schulmädchen darüber gefreut, dass wieder ein Han Solo dabei ist.

Warum denn dann überhaupt auf Teufel komm raus “andere” Charaktere in Filme und Co. einbringen, heißt es dann oft, wird hier ein Krieg gegen weiße, männliche Heteros geführt? Kommt mal runter, falls das euer erster Gedanke war, es gibt noch genug Rollenvorbilder dieser Art und wird es auch ewig geben, selbst wenn wir jetzt sofort solche Hauptcharaktere abschaffen, weil seit der Antike davon genug für einige Jahrtausende produziert wurden. Und nein, es ist auch kein “auf Teufel komm raus”, mehr ein “hier ist auch noch Platz für andere, rückt mal”. Und warum? Am besten lässt sich das vor Augen führen, wenn man einmal auf einer Genre-Convention ist. Und dann sieht man ältere Frauen, die Carol aus The Walking Dead cosplayen, weil es endlich mal eine grauhaarige Frau gibt, die total badass ist. Oder ein kleines Mädchen mit ‘locks, das als Miniatur-Michonne herumläuft und sich darüber freut, dass so eine coole Figur aussieht wie sie selber. Leute aller Hautfarben, aller Geschlechter, allen Alters und aller Körperformen sollen exakt dieses Gefühl ebenfalls genießen können, dass da jemand ist WIE SIE.

Und wir sind eben nicht alle weiß, (cis-)männlich und hetero.

Wenn nun eine Marke kommt wie Star Wars, der an Zugkraft und internationaler Beliebtheit kaum etwas gleichkommen kann, dann ist es ein aufmunterndes und positives Zeichen, wenn sie eben das im Gedächtnis behält. Es ist eine bunte Galaxis und warum soll es dann nicht so sein, dass die Protagonisten verschiedenste Hautfarben, verschiedenstes Alter und verschiedenstes Aussehen mitbringen?

Das Wichtigste und Schönste daran ist: Diese Figuren sind in erster Linie einfach sie selbst. Keine ist ein “Token”, eine Quoten-Minderheit. Jede neue wie alte Person würde auch mit anderem Geschlecht oder anderem Aussehen genauso gut als Charakter funktionieren, niemand wird als hübsche oder exotische Deko benutzt. Die Figuren SIND einfach.

Natürlich ginge immer noch mehr. Aber Beziehungen, egal welcher Sexualität … äh … nach dem Autounfall Padme und Anakin bin ich froh, wenn wir sowas weiterhin vermeiden können und wegen mir können Han und Leia weiter das einzige richtige Pärchen der Galaxis bleiben. Und es sind auch alle Figuren mehr oder minder dünn und durchtrainiert. Luft bleibt halt immer nach oben bei einer so für die Masse aufgestellten Produktion. Trotzdem: Star Wars ist für uns alle, egal wie wir aussehen und wer wir sind. Und es ist schön, dass das sich auf der Leinwand zusehends mehr wiederspiegelt.


Avengers: Age of Ultron

Age of Ultron, meine Damen und Herren und alle anderen!

 

TL;DR: Ich habe mich unterhalten gefühlt, aber alles war etwas gehetzt und es ist nicht der stärkste Film des aktuellen MCU. Aber tolle Trailer kann er.

Lange Version:

Der Name des Films sagt es ja schon: Es geht um Ultron. Eine künstliche Intelligenz, die wie viele ihrer großen Vorbilder gerne der Menschheit einen Tritt in den Allerwertesten verpassen will und im Original von Hank Pym, dem Ant-Man, erschaffen wurde. Es gab vorab einiges Gemaule, dass im Film nun wohl Tony Stark derjenige ist, der Ultron das Startsignal gibt, aber Ant-Man ist einfach zu spät dran und wir haben schon einen etablierten Charakter, der mit künstlicher Intelligenz herummacht.

Kein großer Fan von zu kleinen Sitzmöbeln.

Kein großer Fan von zu kleinen Sitzmöbeln.

Abgesehen stimmt auch das nicht so ganz, den im Grunde entsteht Ultron durch eine Montage von netten Szenen mit Holografien, die irgendetwas darstellen sollen, sowie etwas Technobabble, das vermutlich für Menschen mit mehr Ahnung noch deutlich weniger Sinn macht als für mich. So richtig schöpferisch sollte sich da keiner fühlen.

Was Ultron als Bösewicht mitbringt ist ein wirklich guter Look und mir gefällt, dass sie ihn übermenschengroß gemacht haben, was seine künstliche Natur hervorhebt. Außerdem kopiert er sich begeistert in zahllose weitere Körper und liefert so eine gesichtslose Armee von Gegnerdrohnen, quasi metallische Pseudo-Chitauri, denn gegen so etwas kämpft es sich gut als Held.

Sie hatten einen gesichtslosen Massengegner bestellt?

Sie hatten einen gesichtslosen Massengegner bestellt?

Allerdings krankt er ansonsten an denselben Problemchen vieler MCU-Gegner. Seine Motivation ist so vage, dass sie auch durch längere Monologe nicht klarer wird, außer “weil halt”. Vielleicht daraus entstanden, dass er einerseits eine gute Wahl als namensgebender Gegenspieler ist (siehe gesichtslose Armee, cooles Design, was nicht jeder bekannte Evil Overlord mitbringt, an dem Marvel aktuell selbst die Filmrechte hat), andererseits aber die Böse-KI-Nummer inzwischen doch wieder etwas altbacken wirkt.

Auch seine Umsetzung abgesehen vom Look ist teils echt irritierend. Ich muss dazu anmerken, den Film erstmal auf Deutsch gesehen zu haben und daher James Spaders Performance nicht ganz einschätzen zu können, aber irgendwie wirkt das neben der Spur. Die supermächtige künstliche Intelligenz, die Menschen ineffektiv findet, verhält sich wie ein genervter Stand-Up-Comedian. Die Körpersprache und lässige Ausdrucksweise könnten ja durchaus als nette Abweichung von einem Roboter-Klischee gedacht sein, aber da nie erklärt wird, warum Ultron so drauf ist, ist es eher ein WTF.

Gegen diesen metallenen, herablassenden Schurken geht es also und als grobes Skelett ist die Handlung dabei recht geradlinig: Team wird nochmal vorgestellt, Bösewicht wird etabliert, es gibt einen Tiefpunkt und dann einen langen, epischen Endkampf mit großer Bedrohung. Zwischendrin kommen kleinere Ausflüge, Abschweifungen und sehr vorhersehbare und nicht ganz so offensichtliche nette Twists. Vielleicht hätte etwas weniger Drumherum zur Grundformel aber auch nicht geschadet, dazu später aber mehr. Im Grunde ist das alles recht klare, routinierte Superhelden-Action-Filmkost ohne immenses WoW aber auch ohne ganz schlimme No-Gos.

Kommen wir zu den Charakteren ab vom bisher festen Avengers-Kreis. Wanda und Pietro Maximoff, die Scarlet Witch und Quicksilver, kommen mit ins Spiel, auch wenn diese Alter-Ego-Namen keine Rolle spielen. Auch haben sie keine Beziehung zu ihrem Comic-Universums-Papa Magneto, der gehört nämlich lizenztechnisch noch anderen.

Achtung, Speedster!

Achtung, Speedster!

Pietro kann man dabei ja direkt mit der anderen Version des Charakters aus Days of Future Past vergleichen. Ich mochte den albernen Quicksilver bei den X-Men durchaus, muss aber sagen, dass für meinen Geschmack die Avengers-Version cooler ist. Es werden keine großen Kamerafahrt-Shenanigans mit seiner Geschwindigkeit gemacht wie bei Fassbender und Co., aber die Möglichkeiten und Grenzen seiner Fähigkeiten sehr schön aufgezeigt und eingesetzt. Speedster sind eine schwierige “Klasse” in jeder Hinsicht und die Umsetzung ist sehr ansprechend und passt vom Tonfall her sehr gut in das restliche MCU.

Junghexe, angepisst.

Junghexe, angepisst.

Auch bei der Scarlet Witch habe ich ansich nichts zu meckern, sie dröseln ihre Original-Chaosmagie für das Universum in besser verdaubare Mischungen aus Telekinese und Telepathie sowie Geisteskontrolle auf und bleiben bei ihren “hexigen” Gesten zum Zerlegen von Gegnern genau auf der richtigen Seite von cool, noch nicht in albern, zollen dabei aber dennoch ausreichend der Vorlage Respekt.

Einzig allein die Dauersünde von Charakteren, die als Muttersprache nicht Englisch haben und daher stets einen übertriebenen Akzent haben müssen und auch in Abwesenheit aller anderen Charaktere untereinander nicht ihre eigene Sprache, sondern weiter Fremdsprache mit Akzent sprechen, nervt. Aber das ist ein genereller pet peeve von mir. Kommt schon, jeder verkraftet es, ein paar Zeilen Untertitel zu lesen. Und wir werden schon nicht vergessen, dass die Osteuropäer sind, nur weil sie nicht ständig ihre Rrrrrrrs rollen.

Dass die Scarlet Witch hier in den Hirnen anderer rumrührt, sorgt auch für einige tatsächlich recht coole, wenn teils auch übertrieben plakative Szenen, die die Hauptfiguren etwas vertiefen (sollen). Stark bekommt nochmal seine schon bekannte Problematik mit Panik vor außerirdischen Angreifern verstärkt (obwohl, ist es Paranoia, wenn Thanos wirklich hinter dir her ist?) und Cap hat auch eigene Filme, deswegen muss bei ihm nicht viel gemacht werden. Thor bringt tolle Kostümideen mit ein. Hawkeye wird auf andere Art und Weise mit mehr Hintergrund ausgestattet, die mir tatsächlich gut gefallen hat, und Banners Probleme sind auch so mehr als offensichtlich.

Die Frau kann halt auch was, außer nur gut aussehen.

Die Frau kann halt auch was, außer nur gut aussehen.

Am besten und eindringlichsten sind tatsächlich hier die Einblicke in die Vergangenheit und den Hintergrund der Black Widow. Die unnahbare Figur wird weiter aufgebrochen und eine der darauf aufbauenden Szenen, wo sie mit einer sehr schönen Balance zwischen Nonchalance und Emotionalität von ihrer “Abschlusszeremonie” erzählt, ist trotz ihrer Ruhe eindringlich und stark.

Daran sieht man, was die Schauspieler, Charaktere und das ganze Team liefern, wenn es Zeit für so einen Moment gibt. Leider ist die knapp bemessen. Sobald alles ins Rollen kommt, muss sich vieles mit einer Abhandlung unter einer Minute zufrieden geben, ob Thor spontan Besuche zu nicht erklärten Orten mit besonderen Eigenschaften macht oder Stark mal eben um die halbe Welt fliegt, um etwas Technobabbel abzusondern. In vielen Momenten fragt man sich, ob man Exposition einfach verpasst hat oder ob sie geschnitten werden musste – manches Wissen scheint den Leuten aus dem Nichts zuzufliegen oder wird höchstens mit etwas gezwungenem “es heißt, dass Blah Blah blah blah macht, achduje” abgehandelt.

Da purzeln die Avengers schön gestaffelt ins Bild.

Da purzeln die Avengers schön gestaffelt ins Bild.

Das liegt durchaus auch am Team. Das ist nämlich in vielerlei Hinsicht in seiner Größe und Diversität ein zweischneidiges Schwert. Ja, wir bekommen teils sehr schöne ineinandergreifende Actionszenen mit all ihren Fähigkeiten geliefert und der Film steigt direkt mit einer Whedon-Pseudo-Schnittlosen-Sequenz ein wie wir sie für die Schlacht um New York geliefert bekommen haben. Zuweilen wird es da aber auch zu viel des Guten. Und in manchen Kämpfen sorgen die verschiedenen Schauplätze, über die man aber angenehmerweise eigentlich immer einen guten Überblick behält, für komische Zeitdehnungs-Effekte. Coole Dinge passieren eben nur, wenn die Kamera zuschaut, deswegen scheinen alle Kämpfer während der Passagen ihrer Kollegen irgendwie ins Standby zu schalten und genau an derselben Stelle wieder einzusetzen.

Das mag bei der generell sehr hohen Qualität von Action, Stunts und CGI, die hier ineinandergreifen, Gemaule auf hohem Niveau zu sein, aber es ist ein grundlegendes Timing-Problem, das den Film durchzieht und an der Dramatik zehrt. Genau wie die badass-Fairy Godmother Nick Fury, der im richtigen Moment eine Lösung aus dem Hut zaubern kann, wenn der Plot ihn braucht.

Aber es ist auch ein cooles Team, die Interaktionen sind runder, die Figuren funktionieren gut miteinander. Und es ist vor allem schön zu sehen, dass das die Guten sind. Auch in wilder Action passen die auf, möglichst keine zivilen Opfer mit reinzuziehen. Evakuierung eines Kampfgebietes ist fester und wichtigster Part eines Einsatzplans. Ein schöner Einzeiler beschäftigt sich sogar damit, dass man als Milliardär auch mal einfach etwas kaufen kann, bevor man es im Rahmen einer Prügelei leider kaputtmacht.

Diese Verantwortlichkeit der “Helden” ist auf ihre altmodische Art und Weise ja fast schon wieder erfrischend bei so viel grim und gritty überall und der im Trailer angekündigte Kampf zwischen Hulk und Hulkbuster ist erstens eine der besten Auf-die-Fresse-Sequenzen des Films und zweitens wieder ein Beispiel für diese tatsächliche Beschützer-Mentalität, für die man dem Trupp einiges verzeiht. Denn wenn man ein großes grünes Rage-Monster als Waffe hat? Geht man am besten sicher, in Zusammenarbeit mit dem großen grünen Rage-Monster, dass man es im Notfall daran hindern kann, eine Stadt einzuäschern. Oder es zu versuchen.

Gebt es zu, ihr wolltet es doch auch sehen.

Gebt es zu, ihr wolltet es doch auch sehen.

Superman kann sich da mal ne Scheibe von abschneiden, wenn er das nächste mal eine Skyline demoliert.

Schön ist auch, dass rings um das Kernteam viele der Nebenfiguren der einzelnen Filmreihen einen Auftritt haben. Von Stark-Kumpel Rhodey alias Warmachine über den frisch von Cap rekrutierten Falcon und natürlich Maria Hill (whoop) bis hin zu noch kleineren, schrägeren Rollen. Das ist rund und vor allem sympathisch. Keine Pepper, aber auch keine Jane Foster, was vollkommen okay ist, aber immerhin wird deren Existenz nicht unter den Teppich gekehrt. Auch gibt es weitere Anbindungen zum größeren Marvel-Universum, so wird Black Panthers Land Wakanda immerhin schon erwähnt.

Kommen wir zur leichten Spoiler-Zone. In Gedenken an Stephanie Brown (jaja, DC) in lila gehalten, damit man sie auf dem Weg zum Fazit überspringen kann.

 

The Vision durfte im Trailer schon mal die Augen aufschlagen. Der pinke Android ist ein Design, was in seiner Buntheit quasi eine visuelle Brücke zwischen dem Großteil des MCU und dem knackebunten Guardians of the Galaxy schlägt. Das gelingt nicht immer ganz elegant. Einige Szenen mit der künstlichen Intelligenz sind wirklich gut, andere etwas befremdlich in der restlichen Umgebung. Und so sehr ich mich für Paul Bettany freue, der bisher nur stimmlich beitrug, dass er auch mal mit Gesicht zu sehen ist – irgendwas an der ganzen Figur wirkt in einigen Szenen seltsam unstimmig. Die Figur ist noch zu vage, ihr Auftreten zu sehr Comic-Original (das MCU hat nunmal seinen eigenen Grundton). Insgesamt mochte ich The Vision, aber einiges war auch einfach … fehl am Platz. Mal sehen was noch kommen wird.

 

Fazit: Ein zweiter Teil geht nun mal mehr auf die Charaktere ein und muss in erster Linie auf einen weiteren Teil hinarbeiten. Das führt nahezu unweigerlich zu Schwächen, die dieser Film auch hat. Zudem ist der Bösewicht dafür, dass er sogar den Untertitel tragen darf, eher enttäuschend. Das Timing ist irgendwie kaputt. Das war das Nörgelige.

Aber: Der Film sieht natürlich hervorragend aus, die Action macht Laune, die Figuren sind inzwischen für ihre Darsteller sehr vertraut und werden unterhaltsam und oft auch angenehm natürlich gespielt. Iron Man bekommt, sicher auch wegen der Beliebtheit des Charakters und von RDJ, etwas viel Kram auf den Teller, aber der ist auch in den Comics einer DER Heavy Hitter der Avengers. Viele der Probleme des Films könnten durchaus durch eine längere Schnittfassung abgeschwächt (oder unter Umständen verstärkt) werden. Die Kinoversion ist auf jeden Fall unterhaltsam, toll für’s Auge in jeder Hinsicht und vor allen Dingen ein solider weiterer Trittstein für den Großen Plan hinter dem MCU.

Aber ein Winter Soldier war intensiver, ein Guardians of the Galaxy lustiger und ein Iron Man 3 charmanter. Ja, ich gehöre zu den Leuten, die den “Twist” in Iron Man 3 großartig fanden. Speziell in Verbindung mit dem empfehlenswerten Kurzfilm “All Hail the King“.

Mögt ihr das MCU? Geht rein. Gerade Lust auf Hochglanz-Krabumm? Auch gut. Aber total Wow und Hui und geflasht sein? Nope. Ich bin zufrieden. Ist doch auch was ;)

P.S.: Der Score ist diesmal von Danny Elfman, das erahnt man aber nur in wenigen Momenten.

 

 


Von LARP, Hüten, Schlagfertigkeit und fröhlichen Unfällen

Ich bin in den seltensten Fällen schlagfertig. Was sich super damit kurzschließt, dass ich auch dazu neige, Situationen im Kopf immer und immer wieder durchzugehen, was man nicht Schlaueres, Sinnigeres hätte sagen können und wie blöd ich vielleicht aussah. Und das ist auch eine stete Quelle von nachträglichen Facepalm-Momenten im LARP für mich. Warum habe ich gerade diesen Unsinn von mir gegeben? Oder warum habe ich gar nichts gesagt? Ich als ich selber laber schon zuweilen den letzten Unsinn, wenn ich dann noch so tue, als wäre ich jemand anders, wird meine Reaktionszeit gefühlt auf Gletscher-Niveau gesenkt.

Und deswegen ist Gewandung für mich so wichtig im LARP. Also wirklich für mich und an mir, wie andere sich kleiden ist ihre Sache und obwohl ich tierisch gerne schöne Kostüme anschaue, finde ich ein sich immer mehr einschleichendes Naserümpfen gegenüber sparsameren Leuten oder solchen, denen das einfach nicht wichtig ist, unangebracht. Inzwischen. Ich war auch mal jünger und ätzend. Ich würde mich ja bei allen entschuldigen, die mich zum Ende meiner Teenager-Jahre/Anfang zwanzig kannten, aber wir waren damals alle ein bisschen grässlich.

Und ja, Dinge ausblenden ist für LARP auch wichtig. Die Kacheln sind mit im Spiel gar nicht aufgefallen. Meh.

Und ja, Dinge ausblenden ist für LARP auch wichtig. Die Kacheln sind mit im Spiel gar nicht aufgefallen. Meh.

Aber um die Verbindung zu erklären: Wenn ich das Gefühl habe, mein Kostüm oder meine Gewandung sieht gut aus, schneidet das schon mal den Teil der kontinuierlichen Nachdenkspirale ab, der sich damit beschäftigt, ob ich gerade dämlich aussehe oder ob das alles nicht zur Rolle passt.

Aber es geht immer besser. Immerhin gibt es bei Kleidung jedoch die Chance, es auch besser zu machen, auf die nächste Con einfach was anderes, mehr oder dasselbe mit Nachbearbeitung mitzubringen. Noch ein paar Mal mit der schon einmal beschriebenen LARP-Brille umherzuziehen und Dinge zu finden, die  genau dazu passen, was man spielen oder für die Rolle basteln möchte.

Und deswegen ist auch die Rahjani, mein aktueller Lieblingscharakter, ein stetes work in progress. Und damit, meine Damen und Herren: Mein übertriebener Stolz darauf, aus einem alten Fächer, Worbla, Stoffresten, Glöckchen und Citadel-Miniaturenfarben einen Hut gebastelt zu haben.

Der Hut. Der auf den meisten Fotos irgendwie abgeschnitten wurde, weil zu hoch.

Der Hut. Der auf den meisten Fotos irgendwie abgeschnitten wurde, weil zu hoch.

Nur um den Stolz zu erklären – dafür habe ich die “Schale” des Hutes geformt, beklebt und die Perlen-Borte angenäht. Den Fächer auseinander genommen, gold besprüht und dann in den Farben “Screamer Pink”, “Emperor’s Children” und “Changeling Pink” 27 kleine Rosen darauf gemalt. Und jetzt muss ich noch ein neues Bemalschema für meine Tyraniden finden, damit ich das noch anderweitig mal verwenden kann. Anschließend Stickgarn hineingeflochten und spontan die Glöckchen daran befestigt, die wirklich schön bimmeln, aber es damit auch echt schwer machen, sich an eine geheime Besprechung anzuschleichen und an der Tür zu lauschen. Schlussendlich lag in meinem Schmuckkästchen noch die wunderschöne zartrosa Perle als Anhänger und da ich keine feine Silberkette hatte, hat sie vorerst einen Platz als Stirnschmuck am Hut bekommen.

Nur wenn der Schirm und das Weinglas mit drauf müssen, passt der Hut auch.

Nur wenn der Schirm und das Weinglas mit drauf müssen, passt der Hut auch.

Das Endergebnis sieht anders aus als alles, was ich mal geplant hatte, und ich könnte vermutlich nie nach genauer Anleitung basteln wie die Cosplay-Diven, die einem in Büchern geduldig Schritt für Schritt erklären, wie genau man ihren geilen Scheiß designt, baut und an sich selbst festnietet. Aber es ist meins und vollkommen in Ordnung so. Was ich für den mal geplanten Hut eingekauft habe, wurde nahezu nicht verwendet, dafür Krims und Krams aus fünf verschiedenen Läden, den ich einfach mal gehortet hatte. Und wo ich früher bei Misserfolgen wie ein wütendes Kleinkind reagiert und alles hingeschmissen habe, wohnt inzwischen offenbar ein kleiner Bastel-Bob Ross in meinem Hinterkopf und erklärt mir, dass es keine Fehler, sondern nur “Happy little accidents” gäbe.

Danke Bob.

Außerdem habe ich fast drei Wochen jeden Tag ein bisschen von Hand an einem Mantel mit Kunstfellkragenfutter genäht, dabei Binge-Watching von Walking Dead betrieben und es zu meiner Überraschung dann doch zunehmen interessant gefunden und ihn dann fast nie angehabt.

Und zu guter letzt: Wusstet ihr, dass kleine Läden auf Etsy und anderen Plattformen Temporary Tattoos von nahezu allem anbieten? Auch von vintage Rosen-Ornamenten? Jetzt wisst ihr es. Dank Tattoorary aus den Niederlanden hat die Rahja-Geweihte nun auch endlich ihr Weihe-Hautbild, das eigentlich schon von Anfang an dazu gehört hätte. Nachbessern halt. Beständig.

Nicht zu groß und nicht zu knallig und im passenden Stil. Danke, Internet.

Nicht zu groß und nicht zu knallig und im passenden Stil. Danke, Internet. Und tatsächlich nochmal der Hut, ganz.

Das nächste Mal werde ich die Dame voraussichtlich erst im Sommer wieder einpacken. Es bleibt also viel Zeit zum Nähen und für fröhliche Bastel-Unfälle! Ein Lob darauf, dass mit diesem seltsamen Hobby es immer etwas zu tun gibt. Wenn man nicht schlagfertig ist und deswegen mehr Hüte braucht.

 


Lebenszeichen mit Kalender

Entschuldigt die Sendepause! Allerdings wird auch die heutige Meldung eher kurz, während ich mal wieder daran kaue, was alles Sinn macht, drüber zu schreiben oder nicht. Immerhin, das heutige Thema kommt weitgehend ohne Text aus. Schon direkt als wir unseren Aprilscherz mit den Heinz- und Mháire-Bildern als Kalender tatsächlich umgesetzt haben, wurde gefragt, ob man das Ergebnis auch noch anderweitig mal sehen wird. Und da nun das Kalenderjahr schon unterwegs ist, gibt es hier die Monate (meine, nicht die von Heinz, der kann seine auch selber online stellen) mal so zum Anschauen. Die Bilder sind in unterschiedlichen Sessions und bei unterschiedlichen Fotografen entstanden und unterschiedlich nachbearbeitet worden, weswegen Look etc. schwankt. Aber hey, es war ja auch unser erster Kalender ;).

Mal sehen, ob und wenn ja wie wir das dieses Jahr nochmal machen ^^.

Cover

Das Covermotiv. Fotografin Gestiefelte Katze hat von einem Steg über dem Wasser aus fotografiert. Spaziergänger waren verwirrt.

Januar

 

Leicht an X-23 orientiert mit den Krallen. Bei denen ich überraschend zufrieden war, wie gut sie am Ende aussahen, nachdem ich sie eiligst aus Worbla zusammengebastelt und angemalt hatte.

März

Ich weiß nicht … Steampunk-Ingenieur? Sepia ist immer gut.

Mai

Wilder Asien-Mix. Ich habe nunmal nur Kimono und kein hanfu, dafür aber ein jian und kein Katana ;).

Juni

 

Eher spontan entstandene Kombo mit drapiertem Stoff und Schmuck, rahjanisch angehaucht.

Juli

Der Kopfschmuck mit Korallenzweigen (Worbla) und Perlen ist leicht von Wassergeistern in Elder Scrolls Online inspiriert.

August

Aber den Hut aufbehalten …

September

Meine erste Twi’lek mit korrekten Öhrchen. Meine Airbrushpistole ist bei der Farbe leider verstorben.

Oktober

Schwarze Spitze und Schädel geht immer. Auch bekannt als “Die Brabakerin”.

Dezember

Okay, doch noch eins mit Heinz (und neuem Eulenkörper als Vergleichsmodell). Inoffizieller Titel “Eulen nach Athen tragen”.


Der Hobbit ist vorbei

Und damit haben wir es hinter uns. Smaug weg, Ork weg, alles weg, Bilbo heim – und zurück bleibt nach dem dritten Film irgendwie das Gefühl, zwei Liter lauwarmen Grießbrei gegessen zu haben. Ich bin ordentlich mit Bildern gefüttert, aber irgendwie ist die Sättigung schal, langweilig und ohne Würze. Ein wenig mag dazu HFR und hohe Auflösung beigetragen haben, die irgendwie durch die höhere Tiefenschärfe auch einem noch so teuren Film den Charme einer Fernsehdoku verleihen können. Der Film hat mir nicht so recht gefallen, wie man vielleicht herauslesen kann, aber so richtig aufregen konnte ich mich auch nicht. In erster Linie schien er mir wie eine lange Liste verpasster Gelegenheiten – und immer denkt man kurz bei einer Szene ah! Jetzt! Ja! Da kommt Elan und etwas Epik! Und dann bügelt der nächste holprige Abschnitt direkt wieder drüber.

Ich denke, die meisten hier werden wissen, was in so einer Schlacht der Fünf Heere vorzukommen hat, und genau das ist drin, plus Darstellung der Austreibung Saurons und dem Extra-Elben-Content mit zwergischer Liebelei. Einige Zeilen sind direkt so aus dem Buch übernommen, was ja auch immer ein schöner Bonus ist für alle, die es kürzlich noch gelesen haben. Und es ist begrüßenswert, dass bei dem doch etwas komplexeren hin und her tatsächlich nie die Übersicht verloren geht. Man weiß immer, wer wo kämpft. Teils vage wird es bei der Frage danach, wo jemand gerade herkommt, um da zu sein, und warum die Leute überhaupt gerade kämpfen.

Der Coolness-Faktor ist auch ausreichend gegeben und auf Jahre hinaus werden die Cosplayer zu tun haben. Allein das neue Outfit von Thranduil wird, so denke ich, auf den nächsten Ring- und Hobbit-Cons gleich dutzendfach einherschreiten, so schick ist das. Heldencharaktere können ganz klar auch nur von besonderen Schurken verletzt werden und hundert Orks ohne tollen Namen sind kein Problem. Elben betreiben allesamt Extrem-Legolassing, wobei Legolas sich inzwischen zum Ultra-Legolassing hochgearbeitet hat und nicht auf Schilden surft, sondern gleich auf Türmen, und dabei auch auf herabfallenden Steinen laufen kann wie ein Kampfsport-Anime-Held. Vieles von dem oft überzogenen und epischen Tamtam hat mir auch sehr gefallen wie effiziente Zwergenphalanxen mit Elben im Huckepack und eine ganzen Reihe echt toller Reittiere, von Thranduils Megaloceros über das Reitschwein von Dáin bis hin zu gesattelten Steinböcken, die ihr eigenes klippenkletterndes Tier-Legolassing betreiben. Das gehört schon irgendwie dazu, wenn Peter Jackson Mittelerde verfilmt, und dafür geht man ja auch ins Kino.

Wofür ich nicht ins Kino gehen muss, ist absolut sinnloser, vorhersehbarer und ausgesprochen unlustiger Comic Relief. Auch willenlos inszenierte, hölzerne Szenen, wo Leute im Hintergrund auf die Bühne ploppen, zwei Zeilen Exposition sagen und damit ein “Oh, dann müssen wir XY tun” auslösen, gehören nicht in die Kategorie leinwandwürdig. Eine hilflose Aneinanderreihung von Szenenschnippseln, die sich auf keine einheitliche Stimmung einigen können, kann ich mir auch auf dem heimischen Fernseher anschauen.

Aber vielleicht sind die hölzernen Szenen und seltsamen Stimmungswechsel eine Folge davon, dass offenbar den Schauspielern zu wenig an eigener Leistung zugetraut wurde. In den meisten Fällen, wo so etwas wie Intensität aufgebaut werden soll, wird direkt mit ominösen Schatten, seltsamen Schnitten und Stimmfiltern nachgeholfen, damit wir auch ja verstehen, dass die Person gerade komisch drauf ist. Als wäre der Schauspieler nicht vielleicht selber in der Lage gewesen, uns dass durch seine Leistung zu vermitteln. Überhaupt wirkt es, als wären die Darsteller, egal wie hochkarätig sie teils sein mögen, in erster Linie Staffage auf der großen Bühne der Special Effects. Das mag mittlerweile ja auf nahezu alle großen Filme zutreffen, schade ist es aber dennoch. Martin Freeman und Ian McKellen bekommen ein paar Momente zugestanden, in denen sie tatsächlich einfach etwas selber vermitteln dürfen, ohne dass mit groß Brimbamborium drumherum gefuhrwerkt wird, und das gibt einem ein paar Momente zum Durchatmen und wieder so etwas wie Emotionen mit dem Film verbinden, aber dann rennt der nächste Troll lustig-slapstick-mäßig durch eine Wand. Nichtmal mit Musik kann das noch gerettet werden, die tatsächlich überraschend in den Hintergrund tritt und zwar da ist, aber keine großen Momente hat.

Ich frage mich akut ein wenig, wie es zu dem für mich so deutlichen Unterschied zwischen Hobbit und Herr der Ringe kommt. Bin ich mit der Zeit zynisch und genervt geworden oder war die HdR-Trilogie tatsächlich bei allem Bombast immer auch viel emotionaler, eingängiger und menschlicher? Sind es die vielen geradezu überzähligen Stränge, Figuren und Schauplätze, die dem Hobbit am Ende nicht gut tun? Das mangelnde Vertrauen darin, ein Publikum zu fesseln, ohne es mit allem zuzuwerfen, was die Nachbearbeitung hergibt? Oder der Versuch, möglichst Verbindungen herzustellen, die keinen Sinn machen, nur damit der Herr der Ringe und verschiedene Schauplätze  irgendwie mit der Haupthandlung verknüpft werden?

Es sind nicht kleine, aber eher amüsante Unstimmigkeiten wie Dinge, die aus dem Nichts auftauchen und sich wieder dahin begeben, ob das nun Pfeile, Reittiere oder ganze Familien sind. Das ist Futter für kommende Persiflagen und vollkommen verzeihbar. Es sind auch nicht angeklebte Bärte, die man im gestochen scharfen Bild einfach zu deutlich sieht.

Es ist vielleicht einfach, dass niemand so recht wusste, was dieser Film liefern will. Episch dort ansetzen, wo Smaug so bedrohlich gen Seestadt geflogen ist? Nope, Smaug wird eher zu einer Randnotiz, die man auch noch ans Ende des zweiten Films hätte packen können. Eine Sammlung lustiger Eskapaden von Alfrid, dem feigen Sidekick von Stephen Frys Bürgermeister von Seestadt? GEHT MIR WEG MIT ALFRID!!

… *durchatmen*

ES IST FAST 2015 UND WIR SOLLEN IMMER NOCH LACHEN, WENN  EIN MANN FRAUENKLEIDER TRÄGT? DAS IST DER HÖHEPUNKT DES HUMORS FÜR EUCH??

*nochmal durchatmen*

Eindringlich zeigen, wie die Figuren der Gier verfallen, um sich dann von ihr zu befreien? Ja, hätte es mal werden können, wenn man das nicht mit der Subtilität eines Vorschlaghammers angegangen wäre.

Einfach eine coole Schlachtplatte liefern? Jopp, okay, dann hätte man aber bitte viel des motivationslosen Drumherums streichen können.

… einen tollen Showdown zwischen Thorin und Ober-Ork Azog inszenieren? DAS ist gelungen. Eine der wenigen schönen, starken, stimmigen Szenen. Während dann nebenan Legolas und Co. gefühlte 30 Minuten brauchen, um die Ober-Ork-Zweitbesetzung Bolg mit immer unsinnigeren Moves zu zerschnetzeln, was das ein klein wenig wieder schmälert. Mehr von dieser weniger überzogenen, gut inszenierten und tatsächlich spannenden Dramatik – und das, wo vermutlich jeder weiß, wie es ausgehen wird – genau das hätte ich mir gewünscht.

Aber nicht reingehen, das wäre auch nicht gegangen. Also: Ich war im Hobbit. Jetzt ist er vorbei. Und ich bin nicht traurig. Was wiederum traurig genug ist.


Von Übersetzungen und Gruppenfinanzierung

numeIch übersetze tierisch gerne. Ich kann gar nicht mal wirklich sagen warum, aber es kitzelt genau die richtigen Regionen in meinem Hirn, um mich beim Arbeiten zufrieden dahintippseln zu lassen. Vielleicht ist es einfach eine gewisse Begeisterung für Redewendungen und ungewöhnliche Vokabeln in allen Sprachen oder irgendeine tolle Verkabelung im menschlichen Hirn, die zufällig den Effekt hat, aber wenn ich übersetze, geht es mir meistens gut. Und es geht deutlich schneller und zufriedenstellender von der Hand als etwas Eigenes zu schreiben, bei dem ich endlos auf den Knöcheln beiße und mich frage, ob die Texte überhaupt etwas taugen.

Außerdem hat es etwas mit Begeisterung zu tun. Nicht jeder kann super Englisch, hat vielleicht kein Interesse daran oder mehr Zeit in andere Fremdsprachen oder noch ganz andere Gebiete investiert. Dadurch sind dann ganze Buchreihen, Filme, Comics etc. immer erst mit Zeitabstand oder zuweilen gar nicht mit anderen zu teilen, um sich wie Fangirls kichernd über Plot und Charaktere auszutauschen. Zugegeben, Serien oder Filme simultan zu übersetzen habe ich dann doch auch wegen des Nerv-Faktors für alle Beteiligten und der vielen Ähs nicht gemacht, aber PC-Spiele, gerade aus der noch nicht vollvertonten Zeit, oder einzelne Wendungen und Zitate: Aber sowas von. Und Kapitel von Romanen, um andere anzufixen. Geld habe ich für so etwas schon in der siebten Klasse bekommen, entweder bar als ein paar Pfennig oder in Form von Space (eine am Schulkiosk erstehbare Süßigkeit, seither nie wieder angetroffen) für das Übertragen von Songtexten ins Deutsche. Damals gab es halt noch nicht wirklich ein Internet …

Aber weg von der Nostalgie (hey, meine Schulzeit war nicht nur ätzend! Eine späte Erkenntnis ;) ) zum aktuellen Anlass: Es sieht so aus, als würde das Crowdfunding auf Startnext zum Rollenspiel Numenera funktionieren, bei dem ich den Taktstock als Redakteurin und Übersetzerin schwingen würde. Zwei Tage, fast 10.000 Euro. Ich bekomme also die Chance, eines meiner Fangirl-Objekte zu übersetzen. Es zu teilen, mit anderen. Und auf eben diese seltsam zufriedenstellende Art und Weise über Neologismen, ungewöhnlichen Wendungen und Systembegriffen zu brüten. Effort, Edge und Pool – übersetzen oder wie Shadowrun einfach die Schultern zucken und so lassen? Wie die Foki für die Charaktere übertragen, so dass sie in deutscher Grammatik nicht klingen wie von Google? Was mit dem Begriff des “Cypher” machen (bei dem auch einige für das Belassen des englischen Begriffs plädieren …)? Ich bin normalerweise eher ein etwas problemscheuer Mensch, aber das liebe ich. Und wer mitreden will, kann das schon für einen Euro, weil wir über vieles auch abstimmen und Anregungen einholen werden. Mein aktueller Favorit (auch wenn nicht ganz ernstgemeint und vermutlich durch den Ursprung meiner Comic-Begeisterung in den Neunzigern gefärbt) ist der Vorschlag vom Mini-mini-Workshop auf der Dreieichcon, aus dem Jack (-of-all-trades) als Charakter-Archetyp “Robin” zu machen. Multigeschlechtertauglicher Vorname mit Assoziationen zu verschiedenen Helden … ^^. Numenera hat genau den Umgang mit Sprache, den ich liebe und vor allem irrsinnig gerne übertrage und in einer anderen Sprache zu rekonstruieren versuche. Wie Schokolade für das Sprachzentrum.

Also, langer Rede kurzer Sinn: Danke an alle, die sich beteiligen! Ihr kriegt ein Buch/eine Box/alle Zusätze, die wir noch finanziert bekommen – ich bekomme die Gelegenheit, dieses Rollenspiel in meiner Arbeitszeit zu übersetzen und nicht spätabends nach allen anderen Aufträgen. Denn übersetzen würde ich es ohnehin – in meiner eigenen Spielrunde sind nicht alle flüssig im Englischen ;).

Und wie es mit dem Plan steht, während ihr das hier lest, könnt ihr hier feststellen: Numenera auf Startnext.


Star Wars Rebels: Mit geschlossenen Augen ein tolles Gefühl

Im Rahmen der Kino-Tour, die derzeit mit dem Pilotfilm zur neuen Star Wars-Animationsserie Rebels läuft, konnten wir uns den Einstieg zu der Geschichte in den “Dark Times” zwischen den Trilogien schon letztes Wochenende ansehen. Ich war etwas übernächtigt, aber es gibt trotzdem in der aktuellen Holonet-Show ein Statement dazu.

Wie vielleicht zu erwarten bin ich nicht mehr so übernächtigt und habe noch ein bisschen gegrübelt und Gedanken ausgetauscht und mich endlich ans Tippen gesetzt. Denn Rebels könnte wirklich toll werden und ich würde mich tierisch drüber freuen, aber es gibt da so eine imaginäre Szene, mit der ich mir das Endprodukt erkläre, das wir zu sehen bekamen.

Jemand schlägt begeistert und vom Produkt überzeugt ein Serienkonzept vor. Von mir aus Dave Filoni. Er erzählt: “Und es wird eine zusammengewürfelte Crew, alle mit unterschiedlichen Hintergründen und Absichten. Das Schiff gehört einer Twi’lek, aber keine so sexy alberne Twi’lek, sondern eine, die eben ihr eigenes Schiff hat, super fliegen kann und der verantwortungsvolle, entschlossene Charakter ist und sowas wie das moralische Gewissen. Und dann haben wir so einen großen, lauten, etwas gewalttätigen … so einen Jayne Cobb halt. Und dann als zweite Frau eine Kopfgeldjägerin, aber die ist nicht nur taugh und sprengt Dinge in die Luft, sie ist auch feminin und etwas extravagant, das heißt aber nicht, dass sie nicht in voller Rüstung in die Schlacht zieht. Und zum Schluss einen Ex-Padawan, der vor seiner Berufung als Jedi flieht und zwischen Ich-will-was-Gutes-tun und Das-Universum-kann-mich-mal schwankt. Und dazu kommt das coole Schiff, ein super Droide mit genervtem Verhalten und improvisierten Teilen und wir verwenden ganz viele Originalentwürfe von damals während der Preproduction von Episode 4 und Originalsounds und Musik, die zur alten Trilogie passt und werden sehr viel mehr Original als Prequel vom Stil her.”

Und dann sagt jemand: “Klingt cool! Aber es soll für Kinder sein, also packt noch ein Kind als Identifikationsfigur rein, am besten ist der auch ein Jedi-Kandidat, denn wir wollen alle mehr Lichtschwertkämpfe. Und alberne Sprüche. Und weil Kinder das sonst nicht kapieren, müsst ihr positive Lebensbotschaften extrem offensichtlich da reinstopfen und immer und immer wieder in die Dialoge packen.”

Argh! Es ist einfach so, die Idee hinter Rebels ist toll, die Charaktere könnten super sein, aber dann ist jemand mit einem Bügeleisen drüber gegangen, hat alle interessanten Details geglättet und dann noch ein bisschen Strass draufgepackt, damit die “Kids” das interessant finden. Was für alle Beteiligten unfair ist, denn dass man großartige Action-Serien für Kinder machen kann OHNE sie für dumme Würstchen zu verkaufen, haben doch zum Beispiel Last Airbender oder Legend of Korra gezeigt. Warum müssen da furchtbar plumpe Dialoge und extrem gekünstelte Konflikte rein? Warum dieses Kind, das einfach nur etwas nervig ist und keinen weiteren Sinn macht?

Natürlich werde ich Rebels wenn möglich weiter verfolgen (aber Pay-TV, juhu). Ich habe auch Clone Wars geschaut und Kinder, schlimmer wird’s nicht mehr. Immerhin haben wir keine dämlich Ah-Oh-Roger-Roger-Droiden mehr. Aber für mich gibt es wohl keine Hoffnung mehr, was die Marke Star Wars angeht. Doch, eine: Dass Rebels sich mausert und wirklich noch zu einem coolen Produkt wird. Und die neuen Filme keine Katastrophe werden. Fügt hier das Leidenslied eines jeden Fans der alten Trilogie an, der den Wandel der Zeiten und die eigene fortschreitende Hirnarthritis beklagt. Dabei versucht sich Rebels sogar bei einem anzubiedern und bringt die ganze Zeit optisch oder im Text anleihen an die alte Trilogie und verwendet die richtige Musik und die richtigen Soundeffekte. Das heißt aber nur, dass mit geschlossenen Augen und ohne Dialoge ein tolles Gefühl aufkommt, aber sobald wieder jemand blödes Zeug von sich gibt oder man kurz auf die Leinwand spitzt, geht das dann doch wieder kaputt.

Eins noch zum Aussehen der Serie: Animationen sind so lala, Modelle zwischen okay und echt gut, aber die Texturen! Vielleicht springt es einem im Kino deutlicher in die Netzhaut, aber manches war einfach furchtbar pixelig-hässlich, so als habe man als Quellenmaterial einen Shooter der Jahrtausendwende verwendet.

So. Habe fertig. Warte auf weitere Folgen …

 

P.S.: Die Wookies waren mal kacke. In jeder Hinsicht. Schlechte Modelle, schlechte Texturen, schlechte Animationen, schlechte Einbindung in die Story.


Guardians of the Galaxy: Review

hr_Guardians_of_the_Galaxy_9Gerade hier in Deutschland waren die Guardians of the Galaxy in Comicform nicht gerade die größte Nummer. Dann hat Marvel einfach mal einen Film zu der schrägen Truppe gemacht und plötzlich kann man sich vor Kommentaren, die schlicht nur “I am Groot” sind nicht mehr retten. Hype! Macht nix, ich mag die Guardians, bin aber verblüfft, dass ein knallbuntes Sci-Fi-Fantasy-Abenteuer so gut bei der Masse ankommt. Das Timing ein Jahr vor Star Wars-Nachschub war für die Sammlung an Aliens und Raumschiffen sicher auch keine schlechte Entscheidung, Mutterkonzern Disney weiß wohl schon, was man da tut. Also bin ich guten Mutes in eine Vorführung mit englischem Originalton gegangen, die noch im Rahmen der Gamescom stattfand.

Für alle, die bislang vielleicht nur einen Trailer gesehen haben – worum geht es eigentlich? Es geht um die Dimensionen des Marvel-Universums, die die Filme bisher nur angekratzt haben. Da ist nämlich ein riesiges All voller schräger und häufig sehr unangenehmer Figuren, die abseits der Erde fröhlich riesige Zivilisationen aufbauen oder zerstören. Bisher durften Chitauri auf New York losgehen, aber mit den Guardians bekommen wir die volle Packung Aliens und Weltall und der Metaplot um Abspannszenen-Fiesling Thanos, den verrückten Titan, läuft weiter an.

Und wie es sich laut Comic-Hintergrund gehört, haben Thanos und alle, die für ihn arbeiten, großes Interesse an mächtigen Artefakten, die allgemein als die Infinity Stones gehandelt werden. Der Tesserakt und der Aether, beide schon durch Thor und Avengers bekannt, gehören zu dieser Sammlung, Guardians dreht sich um eine weitere solche Macht. Als Bösewicht-Vertretung darf Ronan the Accuser, Angehöriger der militaristischen Kree und auf einem rassistisch-religiös motivierten Feldzug unterwegs, zusammen mit einer Ziehtochter von Thanos den Hammer schwingen. Weil man als abtrünnige moralische Instanz eines Imperiums keine kleinen Sachen macht, will Ronan auch direkt einen ganzen Planeten vernichten, weitere sind sicher optional.

Wer kann da was unternehmen? Durch einige schicksalshafte Verstrickungen ist es ausgerechnet eine Truppe aus einem Erdenmenschen, einer weiteren Tochter von Thanos, einem Berserker auf der Suche nach Rache, einem hochintelligenten Alien im Waschbärenlook und einem laufenden Baum, die sich in der Retterposition wiederfindet. Das sind alles, bis auf den Menschen Peter Quill/Starlord gar nicht mal die ältesten, aber die beliebtesten der Guardian-Comicfiguren. Die dürfen sich hier zusammenraufen und für das Filmuniversum die erste Iteration des interstellaren Teams bilden.

Laufende Bäume, Waschbären und ein 80er-Soundtrack dank des Erdenmenschen haben schon vorab meine Begeisterung geweckt, aber es gab da noch ein kleines Problemchen beim Hype. Der Film ist von James Gunn, dem ich etwas zwiespältig gegenüber stehe. Der Mensch hat einen sehr abgefahrenen Humor in seinen Filmen, trifft dabei aber nicht immer meinen (vielleicht zu zimperlichen) Geschmack. Super habe ich zum Beispiel gar nicht so viel Sympathie entgegenbringen können – und das trotz der teils großartigen Besetzung. Wie inszeniert der Mann, der als Nebenprojekt schlechte Pornos ohne Sex dreht, eine Marvel-Space-Fantasy?

Das beantworte ich für Lesefaule zusammen mit Nico auch anderweitig nochmal in der Late Nerd Show, wobei wir darin vor allem auch die Schwächen des Films diskutieren:

Aber weiter im (geschriebenen) Text: James Gunn, Marvel-Space-Fantasy, wie sieht das aus? Nie langweilig auf jeden Fall. Das Timing ist immer flott, die Dialoge purzeln gekonnt und albern daher und bei den Actionszenen bekommen wir ein anständiges Tempo geliefert, ohne den Überblick zu verlieren. Vor allem aber hält sich der Film brav an ein paar Grundregeln, deren Missachtung mich regelmäßig bei anderen Genre-Blockbustern auf die Palme bringt. So weiß man nach den ersten fünf Minuten, welchen Tonfall der Film haben wird, und es gibt keine unangenehmen Umschwünge. Es wird episch, immer rechtzeitig gebrochen durch Humor und eine sympathische Aufsässigkeit der Figuren.

Mindestens ebensowichtig ist das gekonnte Vorauszeigen von Dingen, die in dem Universum möglich sind. Waffen, Eigenheiten der Umgebung, Fähigkeiten der Figuren – was Welt und Gadgets können, wird beiläufig oder als Ausstaffierung einer anderen Szene gezeigt, bevor es dann wirklich plotrelevant wird. Niemand holt hier den Deus ex Machina 2000 ™ aus der Tasche, um in letzter Sekunde alles zu retten. Danke für die Einhaltung dieser simplen, aber für die Glaubwürdigkeit der Welt wichtigen Regel.

Kommen wir zu den Charakteren. Chris Pratt als Starlord ist hervorragend, das komödiantische Timing sitzt und spontane Tanzeinlagen geben Bonuspunkte. Groot und Rocket (Raccoon) sind mit ihrer Stimmbesetzung von Vin Diesel und Bradley Cooper vielleicht etwas schräg, aber beides passt einfach nur perfekt. Der rotzfreche und betrunken-weinerliche Bomben bauende Alien Rocket wird wunderbar schnodderig gesprochen – und Vin Diesels grummelnder Bass verleiht den Varianten von “I am Groot” (mehr kann der Baum nicht sagen) eine erstaunliche Bandbreite. Ansonsten kommen beide Figuren direkt aus dem Computer und auch wenn ich nicht immer ein Freund von CGI-Figuren bin – es funktioniert. Ein wenig ahnt man immer, dass das plüschige Fell von Rocket nicht echt ist, aber die Modelle sind ausreichend nichtmenschlich, als dass man das alles akzeptiert. Sogar der mit Tattoos beklebte Drax ist wirklich überzeugend, Bautista nimmt man eben auch den körperlichen Part der Rolle problemlos ab – und trotzdem spielt er den Klotz herrlich auf den Punkt.

Mit Gamora habe ich allerdings ein Problem. Nicht unbedingt wegen des Looks, auch wenn Zoe Saldana mir ein bisschen zu dünne Arme hat für die aus den Comics bekannte muskulöse Kampfmaschine. Sondern eher, weil der starke, sture und selbstbewusste Charakter weite Strecken eher den Eindruck einer Damsel in Distress macht. Die anderen Charaktere sind vielleicht etwas eindimensional, aber bei Gamora ist der Versuch, ihr mehrere Ebenen zu verleihen – Krieger, Mädchen, Verzweifelte auf der Suche nach einem neuen Leben – einfach nicht aufgegangen. Auch will nicht wirklich einleuchten, warum zur Hölle Starlord im Laufe des Films sein Leben für sie riskiert.

Und damit wären wir beim Hauptproblem des Films. Man bekommt nicht wirklich mit, warum die Charaktere aus einem Zweckverband gewalttätiger Chaoten zu Leuten werden, die in fast schon Anime-mäßiger Aufdringlichkeit ihre Freundschaft zueinander betonen. Hier fühlt es sich sehr deutlich so an, als wäre der Film noch einmal deutlich gekürzt worden – und zwar um die Charakterentwicklung. Eben schießen sie noch aufeinander, dann retten sie sich gegenseitig, eine Zwischenphase gibt es nicht wirklich. So bekommen wir als Interaktion haufenweise wirklich sehr gut geschriebene und gespielte schräg-humoristische Zeilen, aber wann immer es hätte mehr werden können, wirkt es bemüht. Schade.

Das soll nicht heißen, dass Guardians nicht insgesamt ein großartiger und absolut unterhaltsamer Film ist. Er liefert einfach nur nicht mehr als Unterhaltung (was auch vollkommen okay ist), hat aber immer wieder mal Momente, wo man so tut als ob es noch sowas wie Charakterentwicklung gäbe – aber nix dahinter ist. Ich werde trotzdem auf jeden Fall nochmal in den Film gehen, seinen Look und seine tollen Einzeiler feiern und ich empfehle auch jedem anderen, der Lust auf ein buntes Weltall hat, dasselbe zu tun.

Hoogachaka.


Monty Python Live (mostly): London Calling

Titel

Es wurde noch sehr viel voller – und ich habe noch die zwei Stunden bis Start gehibbelt.

Meinen Eltern habe ich unter anderem dafür zu danken, dass ich mit Monty Python aufgewachsen bin. Ich verfechte hiermit, dass eine frühe Prägung mit skurrilem Humor mich vor einem langweiligen Dasein bewahrt hat, in dem ich noch unlustiger wäre als jetzt.

Aufgewachsen heißt leider, neben einem mit Zitaten angereicherten Kindheitsumfeld, auch, dass Monty Python für mich etwas der fernen Vergangenheit ist. Okay, wenn wir mal objektiv drauf schauen, sind vierzig Jahre plus minus ne Handvoll je nach Staffel oder Film auch schon echt viel und die gemeinsame Arbeit der Herren war beendet, bevor ich geboren wurde.

Applaus

Da stehen sie.

Umso geiler, sie live zu sehen. Mit ein paar Freunden (und meinem Partner) war ich diese Woche im brütend heißen und trotzdem immer noch großartigen London, um eine kulinarische Stadtführung zu erhalten, das obligatorische Dr Who-Mitbringsel zu erstehen, in meiner liebsten Touristenfalle in Camden herumzulungern, natürlich auch was Kleines zu drehen und dann in die O2-Arena zu stöckeln, um mir die Show anzuschauen. Die letzte (vermutlich).

Da saß ich also, jünger als die gemeinsame Auftrittspause dieser Truppe, und schaute mir fünf alte Säcke an, die vierzig Jahre alte Witze erzählten. Viel Neues ist nämlich nicht in der Show, fast alles sind liebgewonnene Klassiker, die aber nahezu alle um einige Zeilen erweitert und aktualisiert wurden. Und dann in erster Linie, um sich über sich selbst lustig zu machen. So diskutieren die Richter in Strapse die Scheidungen von John Cleese und die Hausfrauen vorm Fernseher kommentieren Michael Palins Reisedokus. Zwischendurch werden Szenenwechsel auch von vollkommen unveränderten Clips aus dem Flying Circus begleitet, die flimmerig und in 4:3 auf die Leinwand projiziert werden.

Sperma

Every Sperm is Saaaacreeeeed …

Scheißegal! Ich fand’s super. Ich musste trotzdem wieder lachen über dieselben Sketche und ein wenig mit der Rührung kämpfen, wenn Archivmaterial von Graham Chapman eingeblendet wurde – in dessen Ehre die Show ja auch Live (mostly) heißt und vom Untertitel One Down – Five to Go! begleitet wird. Die Pythons wissen, dass sie alte Säcke sind und alte Witze erzählen, aber das tun sie mit einem grandiosen, augenzwinkernden Charme. Terry Jones braucht dabei bei längeren Texten wie zu ekelhaften Pralinenkreationen auch schon mal einen Zettel als Gedächtnisstütze, aber das Timing sitzt immer noch perfekt. Terry Gilliam scheint sich fast noch am wenigsten verändert zu haben und schneidet dieselben überzogenen Grimassen als Inquisitor oder Hilfsconstable. Eric Idle … naja der lebt ja ohnehin in der Python-glücklichen Vergangenheit mit Gralsmusicals. Die meiste Freude hatte ich aber an Michael Palin und John Cleese, die immer noch genauso unglaublich unterhaltsam sind wie zu Flying Circus-Zeiten (und in allem anderen, was sie seither so gemacht haben).

Die versammelte Altherrenmannschaft hat dann mit Selbstironie, Falsett, schrecklichen Kostümen und altbekanntem Unsinn regiert – und sich dabei Hilfe von einer Truppe knackiger Tänzer und Tänzerinnen geholt, die in herrlich bescheuerten Choregraphien heiliges Sperma, den Silly Walk und den Besitz von Geschlechtsteilen betanzten. Dazu kam eine Bühnenshow mit Landung in der “RETARDIS” (höhö… Dr Who Kalauer … höhö), riesigen Peniskanonen, und einzelnen Sets, die für die Sketche passend nach vorne gefahren wurden.

Und wer dann nicht mit einem breiten Grinsen und einem Tränchen im Auge zum Abschluss “Bright Side of Life” mitgesungen hat? Den gab’s nicht. Wer sowas nicht tut, geht zu so einer Show schließlich auch nicht hin.

Collage

Kleine Zusammenstellung von Sketchbildern

Es war toll, diesen fünf alten Säcken zuzusehen. In meinem Kopf zusammen zu bekommen, dass das dieselben Typen sind, die ich von klein auf auf der Mattscheibe hab flimmern sehen. Dass die immer noch Spaß an ihrem Job haben und Eric Idle zwischenzeitlich in einem Sketch Probleme hat, angesichts von John Cleese in Perücke und mit Falsetthüsteln ernst zu bleiben.

Dieser London-Ausflug hat glücklich gemacht. Und ich werd’ noch ewig davon erzählen, dass ich die live gesehen habe! Dafür sind “Letzte Touren” schließlich da, oder?

 

P.S.: Mann bin ich im Hintertreffen. Ich hab noch die Horasia-Con und anderes auf der Halde, über das es sich zu schreiben lohnen könnte. Man sieht sich also bald wieder!

P.P.S.: Ihr habt nicht das Glück, Monty Python reichlich in eurem Leben zu haben? Ändert dies! Klassiker finden sich auf Youtube, Arte Concert überträgt während ich dies tippe eine Aufzeichnung der Liveshow. Viel Spaß!

http://concert.arte.tv/de/montypython


Rollenspiel – und die Regeln

Heute mal ein kurzer Beitrag zu Rollenspielphilosophien – da gibt es vermutlich mindestens so viele von wie Rollenspieler, aber ein paar große Strömungen ziehen sich doch durch den weiten Ozean der Hobbyhelden. Nämlich das akkurate Spiel, bei dem man sich an die Regeln hält und dabei natürlich auch die Schwächen und Stärken des jeweiligen Systems genau kennt und auslotet. Und das erzählerische Spiel, dem Regeln meist ziemlich egal sind und das sich auf die Welt, die Charaktere und die Handlung konzentriert und zuweilen sogar reines Telling, also Spielen ohne auch  nur eine Würfelprobe, heißen kann. Die  meisten Runden liegen natürlich irgendwo dazwischen, aber gestern wurde mir mal wieder klar, dass ich in diesem weiten Feld doch eher auf der regelarmen Seite wachse.

Die Werte-Apokalypse

Dieser Eintrag ist inspiriert von unserer gestrigen Runde Apocalypse World. Wem das nichts sagt – das ist ein Indie-Spiel, in dem man wenig überraschend nach einer Apokalypse spielt, wobei die meisten Details des Settings vom Spielleiter selbst bestimmt werden können. Die Charakterwahl ist dabei auf gewisse überzogene Archetypen beschränkt, wie dem “Chopper”, der als Endzeit-Biker direkt eine Gang mitbringt, oder dem “Battlebabe”, das um so mehr Rüstung hat, je weniger es trägt.

Das System ist sehr schmal, setzt vor allem auf komische Bezeichnungen und coole Aktionen, die an die Klasse gekoppelt sind, und Balancing ist mit Sicherheit auch keine Stärke der Sache. Was mir KOMPLETT egal ist.

Es kam gestern ein neues Rundenmitglied dazu, das mit solchen erzählerischen Rollenspielen noch nicht viel – oder besser gar nichts – am Hut hatte. Und das heillos verloren war. Es gab kein Min-Maxing, keine genauen Werte für die Waffen, die Attribute waren “unlogisch” verteilt. Es wurde mir wieder akut der Unterschied zwischen möglichen Rollenspielphilosophien bewusst, während die Meisterin nach den richtigen Formulierungen suchte und der Spieler wissen wollte, ob Cool oder Hard für ihn der effektivere Wert wäre. Ich erinnerte mich an Shadowrun-Runden mit langen Regeldiskussionen, Nachschlageorgien bei Editionswechseln verschiedener Systeme. Oder wie Numenéra von verschiedenen Leuten drastisch unterschiedliche Bewertungen bekam, das eine großartige Welt und ein kaum vorhandenes System besitzt.

Darauf dachte ich mir, ich sollte mal klarstellen, wie ich Rollenspiel betreibe und betrachte und wie sich das mit Sicherheit auch stark auf Rezensionen auswirkt. Ich habe durchaus Respekt vor einem guten System, bei dem Arbeit ins Balancing gesteckt wurde, das schön skaliert und dabei auch übersichtlich bleibt. Aber es wird für mich immer nur ein Vehikel sein, um Erzählungen zu tragen, und auf keinen Fall über dramaturgische Entscheidungen erhaben sein.

Mir geht es beim Rollenspiel als Hobby nämlich um die gemeinsam erzählte Geschichte. Als Meister  versuche ich, auf alle Spieler einzugehen und ihnen Erfolgserlebnisse und idealerweise auch andere emotionale Momente zu bescheren, als Spieler erwarte ich eben das vom Leiter. Rollenspiel, so wie ich es meist genieße, ist sehr viel mehr eine Anforderung an die Menschenkenntnis und Empathie des Meisters als an seine Regelkenntnisse.

Aber die Fairness!!

Ich habe früher des Öfteren mal über die verschiedenen Ansätze diskutiert und ein Gegenargument gegen zum Beispiel reines Telling oder meisterliches “Mogeln” bei Proben war, dass damit die Fairness doch flöten geht. Meine Überzeugung ist allerdings, dass Fairness am Spieltisch vor allem bedeutet, dafür zu sorgen, dass alle Mitspieler gleich viel Spaß haben. Labertaschen mal einzudämmen, stille Spieler zu fördern, sie in gemeinsame Erlebnisse zu werfen und allen ihre Glanzmomente zu ermöglichen. Also eine Mischung aus Märchenerzähler und Kindergärtner zu sein. Und wenn ein Würfelwurf nur zu Frust und einer Unterbrechung des erzählerischen Flusses führen würde, dann kann er mich mal. Dabei habe ich mit Sicherheit schon ebenso oft zu Gunsten der Spieler wie gegen sie gemogelt, wahrscheinlich sogar deutlich öfter für sie. Fehlschläge dürfen sein, sie können das Spiel extrem bereichern, aber es gehört als Spielleiter dazu, einzuschätzen, ob das nun der Fall wäre – oder eben nicht.

Dein Freund Zufall

Ebenfalls ein Argument gegen das regelarme oder Regeln-ignorierende Spiel ist, dass dann doch alles Meisterwillkür sei und der Zufall nicht mehr ins Spiel käme. Ich kann mich natürlich dennoch für die Spannung beim Würfeln begeistern, wenn alles von einer letzten Zahl abhängt. Wenn das Geschehnis ohne Zutun von mir oder den Spielern in eine andere Richtung gelenkt wird und dadurch auch mehr Dynamik bekommen kann. Das ist bei reinem Telling eher nicht gegeben, aber bei extrem regellastigem Spiel auch nicht. Dann gehen solche Momente unter den hunderten Würfen und Berechnungen unter. Die Balance macht’s.

Aber auch ansonsten heißt das nicht Meisterwillkür, wenn nicht immer oder nur sehr selten der Würfel entscheidet. Das solle vielmehr Dialog mit den Spielern heißen, Rollenspiel ist schließlich ein Mannschaftssport.

Fazit

Ich habe auch schon mehrere Tage in die Erstellung einer Deckerin für Shadowrun gesteckt (sie starb vollkommen regelkonform schon auf dem ersten Run, was vielleicht sauber gewürfelt, aber irgendwie frustrierend war). Ich entspanne mich auch manchmal gerne bei einem simplen Dungeoncrawl, wo ich einfach Zahlen und Bewegungen auf Bodenplänen umsetze. Aber die besten, die mit Abstand denkwürdigsten und schönsten Momente beim Rollenspiel habe ich in den regelarmen, teilweise rein durch Telling laufenden Runden erlebt.

Wie schaut’s bei euch aus? Hoffentlich anders und bunt gestreut. Ich bin ein Freund der Vielfalt (aber wenn ihr mit mir spielen wollen solltet, solltet ihr euch an meinen Stil dennoch gewöhnen ;))