Iron Man 3 – Besser spät als nie

Ja, Iron Man 3 jetzt erst – ich war zwar in einer Premiere, aber mitten in einer etwas chaotischen Woche Urlaub, Familienbesuchen und nur sporadischem Internet. Allerdings wurde ich jetzt ein paar mal gefragt, was ich als Besitzerin einer ansehnlichen Marvel-Comics-Sammlung von dem Film halte und habe das hier nach Genuss eines zweiten Kinoganges ins englische Original zusammengetippt. Auf geht’s.

Es ist irgendwie gerade in Mode, die potentiellen Kino-Gänger in Trailern in die Irre zu führen. Star Trek macht es (arrrrgh darf nicht spoilern) und Iron Man 3 hat es auch gemacht, nur im Grunde genau anders herum. Daher hatte ich zwar viel Spaß mit meiner Traileranalyse, die ich tatsächlich auch für meinen Job basteln durfte, aber handlungstechnisch war ich zugegeben ein gutes Stück ab von der Wahrheit. Reingelegt worden. So ging es vermutlich jedem im Kino, der ungespoilert reinging und gewisse Erwartungshaltungen mitbrachte.

Die wichtigste Frage hier ist: Reagiert man erbost oder kriegt man einen etwas hysterischen Lachanfall? Ich gehöre zur zweiten Kategorie und das, obwohl ich ein mindestens ebenso hysterischer Fan des Franchises bin und missionarisch jedem halbwegs Interessierten die nicht mehr ganz aktuelle Serie von Fraction und Larrocca in die Hand drücke (Brace yourself, Marvel Now is coming), um zu zeigen, wie Superhelden in der Moderne geschrieben werden können.

Filmuniversen können und sollen neu interpretieren. Wir Comic-Leser sind an Multiversen, parallele Welten und Reboots ohnehin ausreichend gewöhnt. Wenn sich die Macher des Films einem schwierigen Thema oder Charakter aus den Comics so ungewöhnlich wie möglich nähern wollen: Sollen sie! So lange sie es gut machen. Und ich finde das tun sie, auch wenn dieser Film sich nicht nur von den Comics teilweise ein gutes Stück entfernt, sondern auch von den beiden vorhergehenden Kino-Versionen.

Das ist mit Sicherheit auch zu einem guten Teil Shane Black zuzuschreiben, der die Regie von Jon Favreau übernommen und auch das Drehbuch mitgeschrieben hat. Am Besten dürfte man seine Handschrift aus den ersten drei Lethal Weapon Filmen kennen – und auch ohne dass es hier irgendwelche direkten Zitate gibt, erinnert doch das Tempo und der etwas durchgedrehte Witz der Dialoge an dieses Erbe.

Dass es hier anders zugeht, erfährt man schon (etwas schmerzhaft) dank des ersten Musikstücks. Wie vermutlich jeder andere auch hatte ich AC/DC erwartet. Statt dessen dröhnt dann auf einmal Europop aus den Kinolautsprechern – denn wir beginnen unsere Story in der Schweiz 1999 und offenbar sagt nichts mehr ‘Neunziger in Europa’ als Blue von Eiffel 65. *schauder* Die Nachricht dieses ersten Schocks: Hey, es könnte kurz ein bisschen wehtun, aber danach wird es spaßig. Nimmt man die Hürde, dass der Film in vielerlei Hinsicht so einiges anders macht als erwartet, wird man dann auch exzellent unterhalten.

Worum geht es? Umschiffen wir mal wieder die Klippen der Spoiler. Tony Stark kämpft mit den Nachwehen von Avengers, arbeitet wie ein Wahnsinniger, macht sich selbst ziemlich verrückt und würde gerne die Beziehung mit Ex-Sekretärin und Lebensorganisatorin Pepper Potts nicht in den Sand setzen. Da scheinen ungewöhnliche Bombenattentate, zu denen sich der mysteriöse Terrorist ‘Mandarin’ bekennt, eine gute Ablenkung – wäre Tony nicht genau der Mensch, der nie lange genug nachdenkt, um nicht Kopf voran wütend in eine Vendetta zu springen, wenn ihn jemand persönlich trifft.

Und dann geht es darum, dass Tony Stark wiederentdeckt, was ihn eigentlich zu Iron Man macht. Nämlich all das, was er auch noch ist, wenn er seinen Anzug ablegt – und das ist nicht einfach nur mit ‘genius playboy billionaire philanthropist’ zusammenzufassen. Es geht um Einfallsreichtum, Entschlossenheit, Integrität und nicht zuletzt auch einen gewissen Witz und Charme.

Daher bleibt es weiterhin dabei: Robert Downey Jr ist eine perfekte Besetzung für diese Version von Tony Stark oder besser, er hat sie nahezu im Alleingang so definiert und wäre jetzt nicht mehr ersetzbar. Er bringt den Swagger, den Humor und das perfekte ironische Timing mit und inzwischen auch eine überzeugende Fitness und Eleganz, die er sich durchaus auch wegen der Filme antrainiert hat. (Kleine Trivia am Rande: Für Film eins überlegte er, zu trainieren. Jon Favreau sagte damals, es wäre nicht nötig, Mr Downey tat es trotzdem. Als sie dann die Szene mit dem Schmieden der Maske schnitten – angeblich mit allen weiblichen Arbeitskräften des Studios im Raum – war Favreau sehr dankbar, dass sein Hauptdarsteller nicht auf ihn gehört hatte. Seither ist Rober Downey JR im Training geblieben und macht Kampfsport und dürfte davon auch für andere Rollen profitiert haben, siehe Sherlock Holmes.) Das und ein fließender Übergang zwischen dem Darsteller und sehr gut ausgewählten Stuntmen sorgt auch für sehr ansprechende Action, die irgendwie immer noch glaubwürdig bleibt, aber schön mit den Möglichkeiten des Charakters spielt, wie in einer Kampfszene unterstützt nur von einem Repulsorhandschuh und einem Stiefel. Schöne Choreographie!

Auch ansonsten habe ich an der Besetzung nichts zu meckern. Gwyneth Paltrow gibt erneut die entschlossene Powerfrau mit trockenem Humor, deren Superkraft in erster Linie die Fähigkeit ist, das Ego von Tony Stark zu ertragen – und die ihn in jeder Hinsicht positiv beeinflusst. Gerade in Comics neigen die Damen dazu, reiner Antriebsgrund für männliche Helden zu sein. Das ist schon eine ganze Weile nicht mehr so in der Iron Man Comicserie und im Film auch nicht. Klischeehafter Weise wird versucht,sie so zu benutzen, aber Pepper ist tough und auch wenn ich erst dachte ‘oh nö, Fräulein in Nöten’ ist das Fazit in der Hinsicht doch positiv: Nicht jedes Fräulein in Nöten muss auch vom Helden gerettet werden.

Don Cheadle hat Warmachine inzwischen so souverän übernommen, dass es mir ein wenig schwerfällt, mich noch an den Vorgänger zu erinnern, ohne Bilder zu googlen. Er verkörpert die Antithesis zum sprunghaften, genialen Tony Stark – ein verantwortungsvoller, geradliniger Offizier mit soliden Fähigkeiten, aber auch mit seinem eigenen Humor.

Guy Pearce gibt einen unterhaltsamen, schleimigen Gegenspieler mit der richtigen Menge an Übertreibung und Bösewichtverhalten, die an das Klischee denken lässt, dabei aber nicht unfreiwillig komisch wird.

Und Mandarin Ben Kingsley – Argh! Ich war sehr skeptisch und ihr müsst mir einfach glauben – man muss den Film sehen um zu verstehen, warum Ben Kingsley auf jeder (Meta-)Ebene die perfekte Besetzung für die Rolle war.

Und zu guter Letzt: Jon Favreau. Der ist als Happy Hogan erneut ein unterhaltsamer Comic Relief und das durchaus auch aufgrund der Tatsache, dass er die Serie als Regisseur erschaffen hat und jetzt als Produzent fungiert. Das hat Stil.

Was den Plot angeht – er ist ganz klar darum gestrickt, die angepeilten Szenen mit Action und Humor zu liefern. Wirklich fette Plotlöcher gibt es dabei nicht, aber für manche Sachen wird auch tatsächlich nur kurz ein Satz als Erklärung fallen gelassen oder es wird einem selbst überlassen, sich das warum zu erklären. Das nimmt man dem Film aber nicht übel, weil er unglaublich viel Charme hat. Das funktioniert in vielerlei Hinsicht – auch mit den finsteren Themen wird eher leichtfüßig umgegangen. Das erinnert mich durchaus an Interviews zum ersten der Iron Man Filme. Darin sagte Jon Favreau sie hätten gewusst, dass sie im selben Jahr rauskommen würden wie The Dark Knight und dass sie den nie in Sachen Ernst und Düsternis würden schlagen können und sich deswegen für den leichten Tonfall entschieden hätte. Ich schätze, dass da dieses Jahr auch ein kommender Man of Steel mit reingespielt haben könnte …

Das muss man akzeptieren. Es wird nicht so düster, wie die Trailer angedeutet haben. Selbst die Dinge, die ganz offensichtlich finster sind – Attentate, Stress-Störungen und Terror – bekommen vielleicht auch nicht ganz passenderweise ein Augenzwinkern verpasst.

Mir hat der Film unglaublich Spaß gemacht. Ich nehme lieber etwas, bei dem Leute sich selber ihrer Komik bewusst sind und sie als Stärke ausspielen als ein Unterhaltungsprodukt – egal welcher Art – das sich in seiner Dramatik sehr ernst nimmt und dann unfreiwillig komisch wirkt oder sich nicht sicher ist, welcher Tonfall nun getroffen werden soll. Ich will von ‘Blockbuster-Kino’ unterhalten werden und das wurde ich hier auch. Ich mag die Charaktere, ich mag den Humor und für’s Auge gab es auch was.

Zugegeben, man merkt hie und da, dass sehr viele verschiedene Firmen an den Tricks gearbeitet haben und ILM offenbar für Star Trek ausgebucht war, aber in der Regel ist das, was man sieht, überzeugend – und vor allen Dingen wurden die Ressourcen so verteilt, dass die starken Szenen auch stark wirken und vielleicht eher unwichtige Tricks entsprechend unten auf der Prioritätenliste gelandet sind. Das 3D ist dabei immer gut, wird nicht für aufdringliche Effekte genutzt, sondern nur für eine überzeugende Bildtiefe. Ich brauche es nicht, aber es war angenehm und keineswegs störend.

Fazit: Ein schönes, kurzweiliges Spektakel, tolle Darsteller und ein paar schöne Wendungen im Plot, ohne die Glaubwürdigkeit zu sehr zu strapazieren. Und ja, das ist ein Seitenhieb auf den Storywust von Star Trek, der so tut als wäre er schlau und überraschend, es aber nicht ist.

Also, sollte euch das Thema ansprechen, geht rein und habt Spaß. Bringt aber etwas Gelassenheit und Humor mit, der Film tut es ja auch.

Star Trek: Into Darkness – Review mit gemischten Gefühlen

Kurz vorab: Ich bin ein ziemlich kritischer Mensch und vermutlich stehe ich mit meiner nicht einhellig positiven Meinung ziemlich alleine da. Aber irgendwer muss eben immer nörgeln …

Mit einem ganzen Haufen Trekkies in einen Star Trek Film zu gehen ist schon ein Erlebnis für sich. Die Truppe lacht einfach noch an anderen Stellen und freut sich über andere Auftritte als der Standard-Kinobesucher. Insofern war der Ausflug in die Vorpremiere von Star Trek: Into Darkness extrem vergnüglich inklusive wilder Spekulationen im Anschluss. Der Film war es leider nicht so.

Vielleicht lag das auch daran, dass wir in der zweiten Vorstellung waren und die Besucher aus dem ersten Durchlauf mit strahlenden Mienen und Begeisterung strömten und Lobeshymnen von sich gaben. ‚Der ist besser als der erste!‘, wurde dem Film mehrfach attestiert. Ich ging rein und wollte mich tierisch freuen, wollte den Film, toll und umwerfend und lustig und tragisch und stimmig finden. Es geht ja auch durchaus gut los. Schauspieler und Regie beweisen, dass sie Timing drauf haben, Humor und Dramatik beherrschen und vor allem auch ohne viel Worte Handlung und Stimmung transportieren können. Aber dann knickt der Film irgendwann ein.

Darüber zu reden wie und wo und warum genau ist gar nicht so einfach, ohne zu spoilern – denn die Trailer und vorab erhältlichen Informationen verraten praktisch nichts über die eigentliche Handlung. Aber eines war ja klar: Benedict Cumberbatch spielt den Bösewicht. Dank Sherlock wurde dessen Karriere auf Warp 9 beschleunigt (was? Star Trek Review ohne einen echt blöden Warp-Witz geht nicht) und jetzt darf er Smaug im Hobbit und eben ‚Agent Harrison‘ spielen. Obwohl ich nach Sherlock Cumberbatch eigentlich für einen richtig guten Schauspieler halte, kam ich hier etwas zu zweifeln – aber nach etwas Grübeln bin ich mir sicher, dass auch niemand anderes mehr aus seinen Textzeilen und Szenen hätte rausholen können. Ca. nach einem Drittel des Films hat ihm jemand einen Monolog direkt aus der Hölle in den Mund gelegt, der so hölzerne und verworrene Exposition darstellt, dass es im Vergleich zu den wirklich gut gelungenen Szenen mit namenlosen Nebenfiguren nur eine halbe Stunde vorher fast beleidigend wirkt. Mann! Hat das keiner mehr gegengelesen, bevor die gedreht haben? Hat niemand am Set gesagt: Hey, das klingt alles irgendwie unlogisch. Und doof. Wollen wir den Benedict nicht einfach was Besseres hier stante pede improvisieren lassen?

Ja, es gibt also diesen Monolog des Grauens. Und mit dem nimmt der Film irgendwie eine seltsame Wendung. Ab hier schien es Abrams und Drehbuchschreiber Lindelof (danke nochmal für den geballten Unsinn zum Ende von Lost hin, den Wirrwarr in Prometheus und den mangelnden Humor in Cowboys and Aliens) vor allem darum zu gehen, parallel zu schon bekannten Stories zu arbeiten. Ob das logisch ist? Scheißegal. Relativ schnell weiß man nicht mehr, wer was warum macht – und das vor allem bei den Bösen. ‚Weil‘ als Begründung für Missetaten ist einfach ein bisschen dünn und es ein wenig mit ‚aber wenn wir nicht, dann‘ und ‚aber er hat!‘ zu garnieren, hilft auch nicht. Das Ergebnis ist eine Reihe von bescheuerten Plänen mehrerer Personen, die irgendwie zu einem Kuddelmuddel zusammengerührt werden, bei dem es am Ende auf jeden Fall einen Bösen zu viel gibt, um eine mitreißende Handlung zu ergeben.

Normalerweise bin ich auch ziemlich gelassen, was technologischen Unsinn angeht, und wären Telefonanrufe durch den halben Alpha-Quadranten und Sperenzchen wie nebensächliches Trans-Warp-Beamen Erscheinungen eines anderen Universums – wäre mir das alles egal. Aber Star Trek ist nun mal Science Fiction und nicht mystische Science Fantasy wie Star Wars. Was die Technik kann ist eigentlich mit entscheidend für das gesamte Franchise und daher stößt es mir irgendwie sauer auf, wenn mit Krams herumgetüddelt wird, den frühestens die nächste Generation anfassen sollte. Nörgelei am Rande.

Kurz ein paar Worte zu Aliens: Die waren an Bord eines Sternenflottenschiffes traditionell eigentlich immer etwas Besonderes. Ob der einzige unter Menschen aufgewachsene Klingone, logischer und hochbegabter Vulkanier, Empathin oder von mir aus auch Borg mit Individualbewusstsein – diese Figuren waren wichtig und hoben sich von einer eher langweiligen größtenteils menschlichen Menge von Restbesatzung ab. Auf dieser Enterprise allerdings wimmelt es nur so von seltsamen Figuren, die teils nur einen Satz sagen oder schlicht im Hintergrund stehen – so als habe jemand eine Star Wars Cantina in Uniformen gepackt und über der Brücke ausgekippt. Seltsam. Oh und man bekommt kurz einen Klingonen zu sehen und ich bin mir nicht sicher, ob ich das Redesign okay finde oder nicht. Oder ob ich es überhaupt gut finde, Klingonen neu zu designen. Immerhin haben sie die Stirnhöcker nicht wieder entfernt. (Worf: Wir sprechen nicht darüber.)

Okay. Was war gut an dem Film?

Ich mag das Bild, das von der Erde der Zukunft gezeichnet wird. Das Design der futuristischen Städte erinnert teils ein bisschen an Mass Effect, teils an Blade Runner allerdings ohne dessen Düsternis. Dank Budget und Technologie bekommen wir hier doch deutlich mehr zu sehen als die Akademiegärten und umfunktionierten Paramount-Kantinen vergangener Zeiten. Die Tricks sind generell hervorragend (ILM eben) und es ist schwer zu sagen, wo jeweils reales Set und Illusion ineinandergreifen könnten. Noch viel besser: Man denkt während des Films darüber gar nicht erst nach, weil alles stimmig wirkt.

Bis auf eine Sache: Die Dimensionen. Irgendwie muss die Enterprise eigentlich eine TARDIS sein, denn was da an Innenräumen gezeigt wird, da würde selbst Picard noch erstaunt die Backen aufblasen. Oder sie nur auf dem Holodeck rekonstruieren. Das INNERE eines Warp-Kerns (ja, das was normalerweise als leuchtende Säule irgendwo rumsteht und brummt) ist hier größer als jeder bisher gesehene Maschinenraum. Das ist alles schick, kratzt aber schon am suspension of disbelief.

Auch die Besetzung ist natürlich erneut sehr gut gelungen, wobei mir wieder einmal Karl Urbans Pille am besten gefallen hat (allein schon weil er eine so unglaublich gute todernste DeForest Kelley-Imitation drauf hat), Simon Pegg als Scotty hart am Slapstick vorbeischrammt, während der neue Chekov mitten drin landet, Quinto-Spock überzeugt und Kirk … naja Kirk ist. Vielleicht liegt es an der nicht so gelungenen Synchronisation des Charakters oder an dem etwas kantenlosen Blondschopf Chris Pine, aber ich kann mit diesem Kirk einfach nicht mitfühlen. Shatner hat immerhin extrem unterhaltsam Overacting betrieben und sich die Rolle lange und ausdauernd … erarbeitet nennen wir es mal und außerdem war er Kirk, als ich ihn mit staunenden Kinderaugen das erste Mal mit VHS-Schlingern im Einsatz sah, deswegen konnte ich mit seiner Figur immer mitfiebern. Aber bei Pine lässt es mich leider einfach kalt, was mit Neo-Kirk passiert, und da er diesmal ganz klar die Hauptfigur ist, leidet darunter schon irgendwie mein Filmgenuss.

Wer als Fan reingeht, hat natürlich die übliche Menge an Anspielungen, Easter Eggs und für Neulinge undurchsichtigen Verbindungen, über die man sich freuen kann. Auch wenn sie vielleicht einmal weniger auf Rote Hemden hätten anspielen können.

Fassen wir mal zusammen, am besten immer noch ohne zu spoilern:

Der Film ist technisch gut (3D überflüssig aber okay), durchaus gut besetzt und bietet genügend Parallelen und Anspielungen für die langjährigen Anhänger des Franchises. Allerdings darf man keine wirklich durchdachte Story erwarten, muss sich durch ein paar weniger tolle Szenen und Dialoge kämpfen und mutig über klaffende Logiklöcher springen, um ihn bei guter Laune zu Ende zu schauen. Es ist kein schlechter Film – aber er hätte ein sehr viel besserer sein können bei den gegebenen Voraussetzungen.

Immerhin, bei Star Wars wird Lindelof nicht mitschreiben. Um mich drauf freuen zu können, schiebe ich dem jetzt ohne wirkliche Beweisführung den schwarzen Peter für alles zu, was mich am Drehbuch gestört hat.

Die Horde Trekkies war übrigens höchst zufrieden. Es muss also wohl nicht jeder so ein Miesepeter sein wie ich, was den Film angeht. Ich allerdings würde sagen: Wenn ihr einen unterhaltsamen, schnellen und coolen Actionfilm sucht, Franchise egal, empfehle ich statt dessen Iron Man 3. Der hat auch praktisch nichts im Trailer verraten, nimmt sich technologische Freiheiten, ist aber in sich viel schlüssiger und hat eine deutlich charismatischere Hauptfigur.

P.S.: Ist es nicht seltsam, zu Star Trek ‚unterhaltsamer, schneller und cooler Actionfilm‘ zu schreiben? Von Gene Roddenberrys Vision einer gereifteren Menschheit der Zukunft merkt man wenig. Und Grundsätze wie die Erste Direktive taugen im Grunde nur noch als Aufhänger für eine bitch-session von Kirk und Spock. Pantha rei – und auch Star Trek ist heute natürlich nicht mehr das, was es früher einmal war. Zum Guten oder zum Schlechten.

 

Und jetzt für alle, die so lange durchgehalten haben und neugierig sind: Spoiler. Einfach markieren zum Lesen. Ihr seid gewarnt.

 

Es steht schon auf imdb und der Fascho-Scheitel weist drauf hin: Benedict Cumberbatch spielt Khan. DEN Khan. Khan Noonien Singh, auch bekannt als KHAAAAAAAAAAAAAAN! Supermensch und Erzfeind. Was ist das Problem daran? Man wollte es offenbar partout vorher nicht sagen und deswegen wird an der Story seltsam herumgedoktort, damit man es nicht sofort erfährt. Und für alle, die nicht wissen, wer Khan ist, wird eben der Dialog aus der Hölle als Exposition reingeworfen.

Mit diesem dann etablierten Bösen wird der Film ab der Mitte 1:1 Zorn des Khan auf Steroiden, nur dass als TWIST! Kirk im Reaktorraum verrecken darf und der Abschied von Spock George Takei sicher sehr gut gefallen hätte, wenn ihr wisst, was ich meine *nudge nudge*. Außerdem darf so diesmal Spock KHAAAAAAAAAAAN! brüllen, was aber als Gag besser funktioniert hätte als in einer Tränendrüsenszene.

Hinzu kommt, dass Robocop Peter Weller noch einen anderen Bösen spielt, der irgendwie einen Krieg mit den Klingonen vom Zaun brechen will. Bevor die noch auf die Idee kommen, das selber zu tun! Und Khan will sich an Robocop rächen, weil der … irgendwas mit seiner Crew gemacht hat … weswegen jetzt alle in Torpedos versteckt wurden … die aber bescheuerterweise immer noch scharfe Waffen sind … äh … Die Motivation der Beteiligten entzieht sich der Nachvollziehbarkeit. Vermutlich findet sie sich in einem anderen, parallelen Universum.

Und das Tollste: Wer Zorn des Khan kennt, weiß im Grund ab einer gewissen Stelle genau, was weiter passieren wird und kennt damit den Rest des Films schon. Spannend. Not.