The LEGO Movie

Franchise-LEGO und historische Persönlichkeiten - alle an einem Set

Franchise-LEGO und historische Persönlichkeiten – alle an einem Set

Schräg, wenn man aus einem Film kommt und dessen Song trällert. Vor allem, wenn der Song eigentlich nahezu unerträglich albern ist. Bei der Vorab-Präsentation von The LEGO Movie ist mir allerdings genau das passiert und das a) weil “Everything Is Awesome!” bzw. “Hier ist alles super!” grauenvolle Ohrwurmeigenschaften hat und b) weil Song wie Film genau wissen, wie albern sie sind und wie aufdringlich pinke Einhörner sein können. Oder eben das Klangäquivalent pinker Einhörner.

Im Film selber gibt es nur ein pinkes Einhornkätzchen. Das zusammen mit Wonder Woman, Superman, Batman, Gandalf, Dumbledore, Kleopatra, Abraham Lincoln, Shakespeare und einem Achtziger-Raumfahrer-Legomännchen zu einer Geheimloge in einem Land aus Klötzchen gehört. Soweit noch alles klar? Außer LEGO kriegt vermutlich niemand so viele Figuren und Franchises alle unter einen Hut, für einen kurzen Zwischenstopp gesellt sich sogar ein Millennium Falcon samt Herrenbesatzung auf Junggesellenausflug zum Cast dazu.

Wer? Was? Wie? Wo?

Das wirkt erstmal anarchisch und zugegeben auch etwas seltsam. Dabei geht es im Lego-Land des Films sehr strikt zu. Nach einer kurzen, düsteren Einführung zum Bösewicht und der Superwaffe “Kragle” finden wir uns mit Protagonist Emmet in einer beschaulichen urbanen Landschaft mit freundlichen Nachbarn und lauter kleinen Seitenhieben auf den realen Alltag und seinem Wahnsinn wieder. Emmet arbeitet auf dem Bau, reißt nonkonforme Häuser ab und baut neue exakt nach Anleitung und ist irgendwie nicht besonders genug, um bei den coolen anderen Legomännchen mitzumachen. Dabei ist Durchschnittlichkeit und braves Regelbefolgen in der Stadt des “Lord Business” doch erwünscht, nein sogar Pflicht! Wie jeder brave Bürger aus einer LEGO-Anleitung für das perfekte Leben erfahren kann …

Allerdings läuft Emmet dann die mysteriöse Wildstyle über den Weg, gleich darauf heftet sich ein zuvor unbekannter Stein an seinen Rücken und auf einmal soll er ein Auserwählter sein, der mit der oben erwähnten Riege von speziellen Persönlichkeiten die Klötzchenwelt – oder besser -welten – retten soll. Denn es gibt mehrere Zonen wie die brave Regelkonforme Stadt, ein Fantasyreich namens Middle-Zealand oder den Wilden Westen, alle säuberlich getrennt.

Allerdings sind Gandalf, Shakespeare und Co. Meisterbauer – sie können allen Legoteilen ihre möglichen Eigenschaften ansehen und spontan mal aus der Deko einer Gasse ein monströses Trike zusammenschrauben oder aus einem Garten ein U-Boot. Emmet kommt gerade mal auf die Idee, ein Sofa mit einem zweiten Stockwerk zu versehen. Damit ist der Enttäuschung nicht genug, die coole Wildstyle hat nämlich obendrein auch noch einen festen Freund – und der ist Batman. Wer kommt denn bitte gegen Batman an? Der zwar Arkham-Spiele-mäßig eine Reihe Anläufe mit Batarangs und Schaltknöpfen braucht, aber einen coolen Schlitten hat und düstere Metalmusik über seine einsame Kindheit schreibt?

Sicher nicht Emmet. Es sei denn, er wird kreativ.

Und darum geht es. Überraschenderweise ist The LEGO Movie, wie man hätte befürchten können, keine (reine) Revue von kaufbaren Sets. Stattdessen wird die Fantasie hochgehalten, die Fähigkeit alles aus den kleinen bunten Plastiksteinchen zu bauen, die Anleitung beiseite zu legen und alles zu mischen, wie man lustig ist. Kind zu sein eben. Das wird in knallbunten LEGO-Bildern rübergebracht, aber auch in einer zweiten, fast Matrix-artigen Ebene, die ich nicht spoilern will. Dabei bleibt die Handlung aber immer unterhaltsam, schnell, schräg und humorvoll und streift das Rührige nur so weit, wie es für die Botschaft nötig ist. Daumen hoch dafür! Hier können auch Erwachsene eine Menge aus dem Film mitnehmen und sich über zahlreiche nerdige Anspielungen freuen, von den genannten Batman-Arkham-Anleihen bis hin zu Star Wars-Figuren, die auf die Schippe genommen werden.

Die Animation stammt vom selben Team, das Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen auf die Leinwand gebracht hat – und das merkt man am knackigen Timing und den liebevollen Details. Darüber hinaus hat der Film den Look einer handgemachten Stop-Motion-Animation verpasst bekommen, die Männchen laufen eckig, alle Wolken, Wasser und anderen “Partikeleffekte” werden aus Legosteinen gebaut. Das geht bis hin zu Daumenabdrücken auf den Plastikmännchen, dem abgewetzten Look einer Achtziger-Jahre-Figur oder der Tatsache, dass immer mal wieder Nicht-Lego verbaut wurde. So trägt der weise Magier Vitruvius einen Zauberstab, der sich beim genaueren Hinsehen als fast abgelutschter Lolli entpuppt. Fast in jedem Frame gibt es etwas zu entdecken oder wenigstens kann man sich dafür begeistern, wie kreativ das rigide Material LEGO zu allen möglichen Modellen und Formen zusammengeklippst wurde.

Als Bonus ist die deutsche Synchro auch noch ziemlich gut und kann vor allem von den Franchise-Figürchen jeweils die passenden deutschen Stimmen auftreiben. So übt sich Batman in der bekannten Dark-Knight-Kehlkopfkrebsstimme und Han Solo klingt genau so, wie er klingen sollte.

Fazit

Everything Is Awesome! Der Film macht lächerlich gute Laune. Er ist nie langweilig, immer unterhaltsam, schräg, süß, bunt und bringt sogar eine angenehme Botschaft mit. Von mir gibt es eine Empfehlung für alle Altersklassen, vor allem wenn man als Kind kleine gelbe Männchen abgewetzt hat, um sie Abenteuer erleben zu lassen. Oder am besten, wenn man es immer noch tut. So wie sich auf meinem Schreibtisch spontan Leute aus anderen Sets im Wolkenkuckucksheim von Prinzessin Einhornkitty versammelt haben …