Avengers: Age of Ultron

Age of Ultron, meine Damen und Herren und alle anderen!

 

TL;DR: Ich habe mich unterhalten gefühlt, aber alles war etwas gehetzt und es ist nicht der stärkste Film des aktuellen MCU. Aber tolle Trailer kann er.

Lange Version:

Der Name des Films sagt es ja schon: Es geht um Ultron. Eine künstliche Intelligenz, die wie viele ihrer großen Vorbilder gerne der Menschheit einen Tritt in den Allerwertesten verpassen will und im Original von Hank Pym, dem Ant-Man, erschaffen wurde. Es gab vorab einiges Gemaule, dass im Film nun wohl Tony Stark derjenige ist, der Ultron das Startsignal gibt, aber Ant-Man ist einfach zu spät dran und wir haben schon einen etablierten Charakter, der mit künstlicher Intelligenz herummacht.

Kein großer Fan von zu kleinen Sitzmöbeln.

Kein großer Fan von zu kleinen Sitzmöbeln.

Abgesehen stimmt auch das nicht so ganz, den im Grunde entsteht Ultron durch eine Montage von netten Szenen mit Holografien, die irgendetwas darstellen sollen, sowie etwas Technobabble, das vermutlich für Menschen mit mehr Ahnung noch deutlich weniger Sinn macht als für mich. So richtig schöpferisch sollte sich da keiner fühlen.

Was Ultron als Bösewicht mitbringt ist ein wirklich guter Look und mir gefällt, dass sie ihn übermenschengroß gemacht haben, was seine künstliche Natur hervorhebt. Außerdem kopiert er sich begeistert in zahllose weitere Körper und liefert so eine gesichtslose Armee von Gegnerdrohnen, quasi metallische Pseudo-Chitauri, denn gegen so etwas kämpft es sich gut als Held.

Sie hatten einen gesichtslosen Massengegner bestellt?

Sie hatten einen gesichtslosen Massengegner bestellt?

Allerdings krankt er ansonsten an denselben Problemchen vieler MCU-Gegner. Seine Motivation ist so vage, dass sie auch durch längere Monologe nicht klarer wird, außer “weil halt”. Vielleicht daraus entstanden, dass er einerseits eine gute Wahl als namensgebender Gegenspieler ist (siehe gesichtslose Armee, cooles Design, was nicht jeder bekannte Evil Overlord mitbringt, an dem Marvel aktuell selbst die Filmrechte hat), andererseits aber die Böse-KI-Nummer inzwischen doch wieder etwas altbacken wirkt.

Auch seine Umsetzung abgesehen vom Look ist teils echt irritierend. Ich muss dazu anmerken, den Film erstmal auf Deutsch gesehen zu haben und daher James Spaders Performance nicht ganz einschätzen zu können, aber irgendwie wirkt das neben der Spur. Die supermächtige künstliche Intelligenz, die Menschen ineffektiv findet, verhält sich wie ein genervter Stand-Up-Comedian. Die Körpersprache und lässige Ausdrucksweise könnten ja durchaus als nette Abweichung von einem Roboter-Klischee gedacht sein, aber da nie erklärt wird, warum Ultron so drauf ist, ist es eher ein WTF.

Gegen diesen metallenen, herablassenden Schurken geht es also und als grobes Skelett ist die Handlung dabei recht geradlinig: Team wird nochmal vorgestellt, Bösewicht wird etabliert, es gibt einen Tiefpunkt und dann einen langen, epischen Endkampf mit großer Bedrohung. Zwischendrin kommen kleinere Ausflüge, Abschweifungen und sehr vorhersehbare und nicht ganz so offensichtliche nette Twists. Vielleicht hätte etwas weniger Drumherum zur Grundformel aber auch nicht geschadet, dazu später aber mehr. Im Grunde ist das alles recht klare, routinierte Superhelden-Action-Filmkost ohne immenses WoW aber auch ohne ganz schlimme No-Gos.

Kommen wir zu den Charakteren ab vom bisher festen Avengers-Kreis. Wanda und Pietro Maximoff, die Scarlet Witch und Quicksilver, kommen mit ins Spiel, auch wenn diese Alter-Ego-Namen keine Rolle spielen. Auch haben sie keine Beziehung zu ihrem Comic-Universums-Papa Magneto, der gehört nämlich lizenztechnisch noch anderen.

Achtung, Speedster!

Achtung, Speedster!

Pietro kann man dabei ja direkt mit der anderen Version des Charakters aus Days of Future Past vergleichen. Ich mochte den albernen Quicksilver bei den X-Men durchaus, muss aber sagen, dass für meinen Geschmack die Avengers-Version cooler ist. Es werden keine großen Kamerafahrt-Shenanigans mit seiner Geschwindigkeit gemacht wie bei Fassbender und Co., aber die Möglichkeiten und Grenzen seiner Fähigkeiten sehr schön aufgezeigt und eingesetzt. Speedster sind eine schwierige “Klasse” in jeder Hinsicht und die Umsetzung ist sehr ansprechend und passt vom Tonfall her sehr gut in das restliche MCU.

Junghexe, angepisst.

Junghexe, angepisst.

Auch bei der Scarlet Witch habe ich ansich nichts zu meckern, sie dröseln ihre Original-Chaosmagie für das Universum in besser verdaubare Mischungen aus Telekinese und Telepathie sowie Geisteskontrolle auf und bleiben bei ihren “hexigen” Gesten zum Zerlegen von Gegnern genau auf der richtigen Seite von cool, noch nicht in albern, zollen dabei aber dennoch ausreichend der Vorlage Respekt.

Einzig allein die Dauersünde von Charakteren, die als Muttersprache nicht Englisch haben und daher stets einen übertriebenen Akzent haben müssen und auch in Abwesenheit aller anderen Charaktere untereinander nicht ihre eigene Sprache, sondern weiter Fremdsprache mit Akzent sprechen, nervt. Aber das ist ein genereller pet peeve von mir. Kommt schon, jeder verkraftet es, ein paar Zeilen Untertitel zu lesen. Und wir werden schon nicht vergessen, dass die Osteuropäer sind, nur weil sie nicht ständig ihre Rrrrrrrs rollen.

Dass die Scarlet Witch hier in den Hirnen anderer rumrührt, sorgt auch für einige tatsächlich recht coole, wenn teils auch übertrieben plakative Szenen, die die Hauptfiguren etwas vertiefen (sollen). Stark bekommt nochmal seine schon bekannte Problematik mit Panik vor außerirdischen Angreifern verstärkt (obwohl, ist es Paranoia, wenn Thanos wirklich hinter dir her ist?) und Cap hat auch eigene Filme, deswegen muss bei ihm nicht viel gemacht werden. Thor bringt tolle Kostümideen mit ein. Hawkeye wird auf andere Art und Weise mit mehr Hintergrund ausgestattet, die mir tatsächlich gut gefallen hat, und Banners Probleme sind auch so mehr als offensichtlich.

Die Frau kann halt auch was, außer nur gut aussehen.

Die Frau kann halt auch was, außer nur gut aussehen.

Am besten und eindringlichsten sind tatsächlich hier die Einblicke in die Vergangenheit und den Hintergrund der Black Widow. Die unnahbare Figur wird weiter aufgebrochen und eine der darauf aufbauenden Szenen, wo sie mit einer sehr schönen Balance zwischen Nonchalance und Emotionalität von ihrer “Abschlusszeremonie” erzählt, ist trotz ihrer Ruhe eindringlich und stark.

Daran sieht man, was die Schauspieler, Charaktere und das ganze Team liefern, wenn es Zeit für so einen Moment gibt. Leider ist die knapp bemessen. Sobald alles ins Rollen kommt, muss sich vieles mit einer Abhandlung unter einer Minute zufrieden geben, ob Thor spontan Besuche zu nicht erklärten Orten mit besonderen Eigenschaften macht oder Stark mal eben um die halbe Welt fliegt, um etwas Technobabbel abzusondern. In vielen Momenten fragt man sich, ob man Exposition einfach verpasst hat oder ob sie geschnitten werden musste – manches Wissen scheint den Leuten aus dem Nichts zuzufliegen oder wird höchstens mit etwas gezwungenem “es heißt, dass Blah Blah blah blah macht, achduje” abgehandelt.

Da purzeln die Avengers schön gestaffelt ins Bild.

Da purzeln die Avengers schön gestaffelt ins Bild.

Das liegt durchaus auch am Team. Das ist nämlich in vielerlei Hinsicht in seiner Größe und Diversität ein zweischneidiges Schwert. Ja, wir bekommen teils sehr schöne ineinandergreifende Actionszenen mit all ihren Fähigkeiten geliefert und der Film steigt direkt mit einer Whedon-Pseudo-Schnittlosen-Sequenz ein wie wir sie für die Schlacht um New York geliefert bekommen haben. Zuweilen wird es da aber auch zu viel des Guten. Und in manchen Kämpfen sorgen die verschiedenen Schauplätze, über die man aber angenehmerweise eigentlich immer einen guten Überblick behält, für komische Zeitdehnungs-Effekte. Coole Dinge passieren eben nur, wenn die Kamera zuschaut, deswegen scheinen alle Kämpfer während der Passagen ihrer Kollegen irgendwie ins Standby zu schalten und genau an derselben Stelle wieder einzusetzen.

Das mag bei der generell sehr hohen Qualität von Action, Stunts und CGI, die hier ineinandergreifen, Gemaule auf hohem Niveau zu sein, aber es ist ein grundlegendes Timing-Problem, das den Film durchzieht und an der Dramatik zehrt. Genau wie die badass-Fairy Godmother Nick Fury, der im richtigen Moment eine Lösung aus dem Hut zaubern kann, wenn der Plot ihn braucht.

Aber es ist auch ein cooles Team, die Interaktionen sind runder, die Figuren funktionieren gut miteinander. Und es ist vor allem schön zu sehen, dass das die Guten sind. Auch in wilder Action passen die auf, möglichst keine zivilen Opfer mit reinzuziehen. Evakuierung eines Kampfgebietes ist fester und wichtigster Part eines Einsatzplans. Ein schöner Einzeiler beschäftigt sich sogar damit, dass man als Milliardär auch mal einfach etwas kaufen kann, bevor man es im Rahmen einer Prügelei leider kaputtmacht.

Diese Verantwortlichkeit der “Helden” ist auf ihre altmodische Art und Weise ja fast schon wieder erfrischend bei so viel grim und gritty überall und der im Trailer angekündigte Kampf zwischen Hulk und Hulkbuster ist erstens eine der besten Auf-die-Fresse-Sequenzen des Films und zweitens wieder ein Beispiel für diese tatsächliche Beschützer-Mentalität, für die man dem Trupp einiges verzeiht. Denn wenn man ein großes grünes Rage-Monster als Waffe hat? Geht man am besten sicher, in Zusammenarbeit mit dem großen grünen Rage-Monster, dass man es im Notfall daran hindern kann, eine Stadt einzuäschern. Oder es zu versuchen.

Gebt es zu, ihr wolltet es doch auch sehen.

Gebt es zu, ihr wolltet es doch auch sehen.

Superman kann sich da mal ne Scheibe von abschneiden, wenn er das nächste mal eine Skyline demoliert.

Schön ist auch, dass rings um das Kernteam viele der Nebenfiguren der einzelnen Filmreihen einen Auftritt haben. Von Stark-Kumpel Rhodey alias Warmachine über den frisch von Cap rekrutierten Falcon und natürlich Maria Hill (whoop) bis hin zu noch kleineren, schrägeren Rollen. Das ist rund und vor allem sympathisch. Keine Pepper, aber auch keine Jane Foster, was vollkommen okay ist, aber immerhin wird deren Existenz nicht unter den Teppich gekehrt. Auch gibt es weitere Anbindungen zum größeren Marvel-Universum, so wird Black Panthers Land Wakanda immerhin schon erwähnt.

Kommen wir zur leichten Spoiler-Zone. In Gedenken an Stephanie Brown (jaja, DC) in lila gehalten, damit man sie auf dem Weg zum Fazit überspringen kann.

 

The Vision durfte im Trailer schon mal die Augen aufschlagen. Der pinke Android ist ein Design, was in seiner Buntheit quasi eine visuelle Brücke zwischen dem Großteil des MCU und dem knackebunten Guardians of the Galaxy schlägt. Das gelingt nicht immer ganz elegant. Einige Szenen mit der künstlichen Intelligenz sind wirklich gut, andere etwas befremdlich in der restlichen Umgebung. Und so sehr ich mich für Paul Bettany freue, der bisher nur stimmlich beitrug, dass er auch mal mit Gesicht zu sehen ist – irgendwas an der ganzen Figur wirkt in einigen Szenen seltsam unstimmig. Die Figur ist noch zu vage, ihr Auftreten zu sehr Comic-Original (das MCU hat nunmal seinen eigenen Grundton). Insgesamt mochte ich The Vision, aber einiges war auch einfach … fehl am Platz. Mal sehen was noch kommen wird.

 

Fazit: Ein zweiter Teil geht nun mal mehr auf die Charaktere ein und muss in erster Linie auf einen weiteren Teil hinarbeiten. Das führt nahezu unweigerlich zu Schwächen, die dieser Film auch hat. Zudem ist der Bösewicht dafür, dass er sogar den Untertitel tragen darf, eher enttäuschend. Das Timing ist irgendwie kaputt. Das war das Nörgelige.

Aber: Der Film sieht natürlich hervorragend aus, die Action macht Laune, die Figuren sind inzwischen für ihre Darsteller sehr vertraut und werden unterhaltsam und oft auch angenehm natürlich gespielt. Iron Man bekommt, sicher auch wegen der Beliebtheit des Charakters und von RDJ, etwas viel Kram auf den Teller, aber der ist auch in den Comics einer DER Heavy Hitter der Avengers. Viele der Probleme des Films könnten durchaus durch eine längere Schnittfassung abgeschwächt (oder unter Umständen verstärkt) werden. Die Kinoversion ist auf jeden Fall unterhaltsam, toll für’s Auge in jeder Hinsicht und vor allen Dingen ein solider weiterer Trittstein für den Großen Plan hinter dem MCU.

Aber ein Winter Soldier war intensiver, ein Guardians of the Galaxy lustiger und ein Iron Man 3 charmanter. Ja, ich gehöre zu den Leuten, die den “Twist” in Iron Man 3 großartig fanden. Speziell in Verbindung mit dem empfehlenswerten Kurzfilm “All Hail the King“.

Mögt ihr das MCU? Geht rein. Gerade Lust auf Hochglanz-Krabumm? Auch gut. Aber total Wow und Hui und geflasht sein? Nope. Ich bin zufrieden. Ist doch auch was ;)

P.S.: Der Score ist diesmal von Danny Elfman, das erahnt man aber nur in wenigen Momenten.