Star Trek: Into Darkness – Review mit gemischten Gefühlen

Kurz vorab: Ich bin ein ziemlich kritischer Mensch und vermutlich stehe ich mit meiner nicht einhellig positiven Meinung ziemlich alleine da. Aber irgendwer muss eben immer nörgeln …

Mit einem ganzen Haufen Trekkies in einen Star Trek Film zu gehen ist schon ein Erlebnis für sich. Die Truppe lacht einfach noch an anderen Stellen und freut sich über andere Auftritte als der Standard-Kinobesucher. Insofern war der Ausflug in die Vorpremiere von Star Trek: Into Darkness extrem vergnüglich inklusive wilder Spekulationen im Anschluss. Der Film war es leider nicht so.

Vielleicht lag das auch daran, dass wir in der zweiten Vorstellung waren und die Besucher aus dem ersten Durchlauf mit strahlenden Mienen und Begeisterung strömten und Lobeshymnen von sich gaben. ‚Der ist besser als der erste!‘, wurde dem Film mehrfach attestiert. Ich ging rein und wollte mich tierisch freuen, wollte den Film, toll und umwerfend und lustig und tragisch und stimmig finden. Es geht ja auch durchaus gut los. Schauspieler und Regie beweisen, dass sie Timing drauf haben, Humor und Dramatik beherrschen und vor allem auch ohne viel Worte Handlung und Stimmung transportieren können. Aber dann knickt der Film irgendwann ein.

Darüber zu reden wie und wo und warum genau ist gar nicht so einfach, ohne zu spoilern – denn die Trailer und vorab erhältlichen Informationen verraten praktisch nichts über die eigentliche Handlung. Aber eines war ja klar: Benedict Cumberbatch spielt den Bösewicht. Dank Sherlock wurde dessen Karriere auf Warp 9 beschleunigt (was? Star Trek Review ohne einen echt blöden Warp-Witz geht nicht) und jetzt darf er Smaug im Hobbit und eben ‚Agent Harrison‘ spielen. Obwohl ich nach Sherlock Cumberbatch eigentlich für einen richtig guten Schauspieler halte, kam ich hier etwas zu zweifeln – aber nach etwas Grübeln bin ich mir sicher, dass auch niemand anderes mehr aus seinen Textzeilen und Szenen hätte rausholen können. Ca. nach einem Drittel des Films hat ihm jemand einen Monolog direkt aus der Hölle in den Mund gelegt, der so hölzerne und verworrene Exposition darstellt, dass es im Vergleich zu den wirklich gut gelungenen Szenen mit namenlosen Nebenfiguren nur eine halbe Stunde vorher fast beleidigend wirkt. Mann! Hat das keiner mehr gegengelesen, bevor die gedreht haben? Hat niemand am Set gesagt: Hey, das klingt alles irgendwie unlogisch. Und doof. Wollen wir den Benedict nicht einfach was Besseres hier stante pede improvisieren lassen?

Ja, es gibt also diesen Monolog des Grauens. Und mit dem nimmt der Film irgendwie eine seltsame Wendung. Ab hier schien es Abrams und Drehbuchschreiber Lindelof (danke nochmal für den geballten Unsinn zum Ende von Lost hin, den Wirrwarr in Prometheus und den mangelnden Humor in Cowboys and Aliens) vor allem darum zu gehen, parallel zu schon bekannten Stories zu arbeiten. Ob das logisch ist? Scheißegal. Relativ schnell weiß man nicht mehr, wer was warum macht – und das vor allem bei den Bösen. ‚Weil‘ als Begründung für Missetaten ist einfach ein bisschen dünn und es ein wenig mit ‚aber wenn wir nicht, dann‘ und ‚aber er hat!‘ zu garnieren, hilft auch nicht. Das Ergebnis ist eine Reihe von bescheuerten Plänen mehrerer Personen, die irgendwie zu einem Kuddelmuddel zusammengerührt werden, bei dem es am Ende auf jeden Fall einen Bösen zu viel gibt, um eine mitreißende Handlung zu ergeben.

Normalerweise bin ich auch ziemlich gelassen, was technologischen Unsinn angeht, und wären Telefonanrufe durch den halben Alpha-Quadranten und Sperenzchen wie nebensächliches Trans-Warp-Beamen Erscheinungen eines anderen Universums – wäre mir das alles egal. Aber Star Trek ist nun mal Science Fiction und nicht mystische Science Fantasy wie Star Wars. Was die Technik kann ist eigentlich mit entscheidend für das gesamte Franchise und daher stößt es mir irgendwie sauer auf, wenn mit Krams herumgetüddelt wird, den frühestens die nächste Generation anfassen sollte. Nörgelei am Rande.

Kurz ein paar Worte zu Aliens: Die waren an Bord eines Sternenflottenschiffes traditionell eigentlich immer etwas Besonderes. Ob der einzige unter Menschen aufgewachsene Klingone, logischer und hochbegabter Vulkanier, Empathin oder von mir aus auch Borg mit Individualbewusstsein – diese Figuren waren wichtig und hoben sich von einer eher langweiligen größtenteils menschlichen Menge von Restbesatzung ab. Auf dieser Enterprise allerdings wimmelt es nur so von seltsamen Figuren, die teils nur einen Satz sagen oder schlicht im Hintergrund stehen – so als habe jemand eine Star Wars Cantina in Uniformen gepackt und über der Brücke ausgekippt. Seltsam. Oh und man bekommt kurz einen Klingonen zu sehen und ich bin mir nicht sicher, ob ich das Redesign okay finde oder nicht. Oder ob ich es überhaupt gut finde, Klingonen neu zu designen. Immerhin haben sie die Stirnhöcker nicht wieder entfernt. (Worf: Wir sprechen nicht darüber.)

Okay. Was war gut an dem Film?

Ich mag das Bild, das von der Erde der Zukunft gezeichnet wird. Das Design der futuristischen Städte erinnert teils ein bisschen an Mass Effect, teils an Blade Runner allerdings ohne dessen Düsternis. Dank Budget und Technologie bekommen wir hier doch deutlich mehr zu sehen als die Akademiegärten und umfunktionierten Paramount-Kantinen vergangener Zeiten. Die Tricks sind generell hervorragend (ILM eben) und es ist schwer zu sagen, wo jeweils reales Set und Illusion ineinandergreifen könnten. Noch viel besser: Man denkt während des Films darüber gar nicht erst nach, weil alles stimmig wirkt.

Bis auf eine Sache: Die Dimensionen. Irgendwie muss die Enterprise eigentlich eine TARDIS sein, denn was da an Innenräumen gezeigt wird, da würde selbst Picard noch erstaunt die Backen aufblasen. Oder sie nur auf dem Holodeck rekonstruieren. Das INNERE eines Warp-Kerns (ja, das was normalerweise als leuchtende Säule irgendwo rumsteht und brummt) ist hier größer als jeder bisher gesehene Maschinenraum. Das ist alles schick, kratzt aber schon am suspension of disbelief.

Auch die Besetzung ist natürlich erneut sehr gut gelungen, wobei mir wieder einmal Karl Urbans Pille am besten gefallen hat (allein schon weil er eine so unglaublich gute todernste DeForest Kelley-Imitation drauf hat), Simon Pegg als Scotty hart am Slapstick vorbeischrammt, während der neue Chekov mitten drin landet, Quinto-Spock überzeugt und Kirk … naja Kirk ist. Vielleicht liegt es an der nicht so gelungenen Synchronisation des Charakters oder an dem etwas kantenlosen Blondschopf Chris Pine, aber ich kann mit diesem Kirk einfach nicht mitfühlen. Shatner hat immerhin extrem unterhaltsam Overacting betrieben und sich die Rolle lange und ausdauernd … erarbeitet nennen wir es mal und außerdem war er Kirk, als ich ihn mit staunenden Kinderaugen das erste Mal mit VHS-Schlingern im Einsatz sah, deswegen konnte ich mit seiner Figur immer mitfiebern. Aber bei Pine lässt es mich leider einfach kalt, was mit Neo-Kirk passiert, und da er diesmal ganz klar die Hauptfigur ist, leidet darunter schon irgendwie mein Filmgenuss.

Wer als Fan reingeht, hat natürlich die übliche Menge an Anspielungen, Easter Eggs und für Neulinge undurchsichtigen Verbindungen, über die man sich freuen kann. Auch wenn sie vielleicht einmal weniger auf Rote Hemden hätten anspielen können.

Fassen wir mal zusammen, am besten immer noch ohne zu spoilern:

Der Film ist technisch gut (3D überflüssig aber okay), durchaus gut besetzt und bietet genügend Parallelen und Anspielungen für die langjährigen Anhänger des Franchises. Allerdings darf man keine wirklich durchdachte Story erwarten, muss sich durch ein paar weniger tolle Szenen und Dialoge kämpfen und mutig über klaffende Logiklöcher springen, um ihn bei guter Laune zu Ende zu schauen. Es ist kein schlechter Film – aber er hätte ein sehr viel besserer sein können bei den gegebenen Voraussetzungen.

Immerhin, bei Star Wars wird Lindelof nicht mitschreiben. Um mich drauf freuen zu können, schiebe ich dem jetzt ohne wirkliche Beweisführung den schwarzen Peter für alles zu, was mich am Drehbuch gestört hat.

Die Horde Trekkies war übrigens höchst zufrieden. Es muss also wohl nicht jeder so ein Miesepeter sein wie ich, was den Film angeht. Ich allerdings würde sagen: Wenn ihr einen unterhaltsamen, schnellen und coolen Actionfilm sucht, Franchise egal, empfehle ich statt dessen Iron Man 3. Der hat auch praktisch nichts im Trailer verraten, nimmt sich technologische Freiheiten, ist aber in sich viel schlüssiger und hat eine deutlich charismatischere Hauptfigur.

P.S.: Ist es nicht seltsam, zu Star Trek ‚unterhaltsamer, schneller und cooler Actionfilm‘ zu schreiben? Von Gene Roddenberrys Vision einer gereifteren Menschheit der Zukunft merkt man wenig. Und Grundsätze wie die Erste Direktive taugen im Grunde nur noch als Aufhänger für eine bitch-session von Kirk und Spock. Pantha rei – und auch Star Trek ist heute natürlich nicht mehr das, was es früher einmal war. Zum Guten oder zum Schlechten.

 

Und jetzt für alle, die so lange durchgehalten haben und neugierig sind: Spoiler. Einfach markieren zum Lesen. Ihr seid gewarnt.

 

Es steht schon auf imdb und der Fascho-Scheitel weist drauf hin: Benedict Cumberbatch spielt Khan. DEN Khan. Khan Noonien Singh, auch bekannt als KHAAAAAAAAAAAAAAN! Supermensch und Erzfeind. Was ist das Problem daran? Man wollte es offenbar partout vorher nicht sagen und deswegen wird an der Story seltsam herumgedoktort, damit man es nicht sofort erfährt. Und für alle, die nicht wissen, wer Khan ist, wird eben der Dialog aus der Hölle als Exposition reingeworfen.

Mit diesem dann etablierten Bösen wird der Film ab der Mitte 1:1 Zorn des Khan auf Steroiden, nur dass als TWIST! Kirk im Reaktorraum verrecken darf und der Abschied von Spock George Takei sicher sehr gut gefallen hätte, wenn ihr wisst, was ich meine *nudge nudge*. Außerdem darf so diesmal Spock KHAAAAAAAAAAAN! brüllen, was aber als Gag besser funktioniert hätte als in einer Tränendrüsenszene.

Hinzu kommt, dass Robocop Peter Weller noch einen anderen Bösen spielt, der irgendwie einen Krieg mit den Klingonen vom Zaun brechen will. Bevor die noch auf die Idee kommen, das selber zu tun! Und Khan will sich an Robocop rächen, weil der … irgendwas mit seiner Crew gemacht hat … weswegen jetzt alle in Torpedos versteckt wurden … die aber bescheuerterweise immer noch scharfe Waffen sind … äh … Die Motivation der Beteiligten entzieht sich der Nachvollziehbarkeit. Vermutlich findet sie sich in einem anderen, parallelen Universum.

Und das Tollste: Wer Zorn des Khan kennt, weiß im Grund ab einer gewissen Stelle genau, was weiter passieren wird und kennt damit den Rest des Films schon. Spannend. Not.

 

7 Gedanken zu “Star Trek: Into Darkness – Review mit gemischten Gefühlen

  1. What shall I say… radiation exposure… it’s bigger on the inside… a scotsman running the hell out of himself… a villain to exterminate every being lesser to himself…must be…. STAR TREK! :P What else would you expect? ^^

  2. Danke, danke, danke, Mháire!!! Du sprichst mir aus der Seele. Ich habe den Film genau so empfunden wie Du es hier schreibst.
    Ich bekomme bei Dieser Art des Filmemachens immer mehr den Eindruck Szenen mit Schauspielern und Dialogen sind nur noch lästiges Beiwerk um zur nächsten Effekt-Szene überzuleiten und eine Art Alibi damit der Film nicht nur als Tech-Demo durchgeht. So behäbig die Erzählweise des “alten” Star Trek Universums war. So nachvollziehbar und einigermaßen logisch waren doch die Charaktere und deren Handlungsweise.
    Ich kann Lindelof auch nichts abgewinnen und bin nach diesem verkorksten Drehbuch und den von Dir schon genannten Beispielen noch weniger motiviert mir noch mehr von ihm anzusehen.

    • Bin auch froh jemanden zu finden, der mir zustimmt. Die ganze Welt scheint den Film zu lieben. Er ist ja auch nett und lustig, aber eben kein Meisterwerk oder Geniestreich, nur eher plumpe Unterhaltung (und jetzt gibt es gar kein Sci Fi mehr mit ‘utopischen’ Gedanken wie einer netteren Menschheit …).

  3. Ju’lan’tru,

    ich fand es auch nur so einigermaßen durchschnittlich, würde daher nur höchstens 7 von 10 Punkten geben.

    Im Grunde ist es für mich eine bereits bekannte, alte Geschichte in neuem Aufguss, die mit den gleichen Charakteren im Alternativuniversum halt etwas anders verläuft als im Original, neben ein paar kleineren Nebenaspekten, von denen manche starke Parallelen zur jüngeren amerikanischen Geschichte aufweisen. Die neuen Schauspieler sind für mich immer noch ungewohnt, wohl auch weil sie so extrem jung gegenüber den bisherigen sind. Die, die vorher Star Trek noch nie gesehen haben, und für die laut dem Regisseur J.J. Abrahams der Film gemacht ist, werden mit diesen beiden Tatsachen vermutlich weniger Probleme haben. Die 3D-Effekte kamen für mich während des Films weniger als bei anderen 3D-Filmen zur Geltung, dafür aber im Abspann, wo viele Planeten und andere stellare Objekte gezeigt werden. Ich hab gelesen, dass der Film ursprünglich in 2D gedreht wurde und der Regisseur den Produzenten zwangsweise zustimmen musste, dass der Film nachträglich konvertiert wird. Ich empfinde sowas persönlich als Frechheit, dass das als 3D verkauft wird. Die Special-Effekts fand ich dagegen recht gut gemacht, auch wenn die extrem modern wirkenden Displays schon ein starker Unterschied zu TOS sind. Bei mir waren im Kino-Saal mit 484 Plätzen grad mal 30-40 Leute.

    Andere Kritiken in den Medien sehen bisher so aus:

    “Der neue „Star Trek“-Film von J.J. Abrams ist ein Männerbeziehungs- und Selbstfindungs-Film. So öde im Saft des allzu Irdischen hat schon lange kein „Star Trek“-Film mehr gekocht wie dieser.”Berliner Zeitung: Bis dann einer heult!

    „In Star Trek Into Darkness werden der Pazifismus und die rechtsstaatliche Moral der Enterprise-Besatzung auf eine harte Probe gestellt. Kirk hat alle Hände voll zu tun, sich nicht in einen Krieg gegen den Terror hineinziehen zu lassen.“ Zeit Online: Mission in die zeitgenössische Vergangenheit

    „Star Trek: Into Darkness reißt inhaltlich durchaus eine Menge brisanter politischer Problemstellungen an. Abrams traut sich aber nicht, die Crew so tief in eigene und politische Abgründe zu führen, wie dies die Dark Knight-Filme und Skyfall taten. Im Vordergrund stehen doch Action und die etwas simple Entwicklungsgeschichte der Protagonisten, die sich auf die altbekannten Kabbeleien zwischen Kirk und Spock beschränkt, also Instinkt versus Ratio. Optisch überzeugt Star Trek: Into Darkness aber durchweg.“ Critic.de

    „Dass J.J. Abrams mit “Star Trek Into Darkness” die Freiheiten nutzt, die er sich mit “Star Trek” geschaffen hat, lässt sich beim besten Willen nicht behaupten [...] und vergisst vollkommen, dass auch bei einem Sommer-Blockbuster ein Mindestmaß an Plausibilität nicht schadet. Wie schön, dass zumindest die Schauspieler sich Mühe geben, alles aus ihren dünnen Figuren herauszuholen.“ Die Welt: “Into Darkness” – alter Zorn und ausgetretene Pfade

    bedah,
    Captain Tal Ylar
    RS Atlantis – SF Chat & Rollenspiel Community

  4. Nachdem alle Bekannnten ich in Lob ergangen haben, bin ich auch froh mal eine andere kritische Stimme zu hören.
    Im Großen und Ganzen kann ich der Rezension so zustimmen: Gute Effekte, gute Schauspieler, gute Action, lausige Story.
    Tatsächlich ist “Zorn des Khan” der einzige Star Trek Film, den ich bisher nicht gesehen habe (Asche auf mein Haupt), was wohl dazu geführt hat, warum ich überhaupt nicht verstanden habe, was genau hinter Khan und seiner Crew eigentlich steckt. Der Film selbst hat dazu jedenfalls keine Antwort gegeben.
    Die Remilitatrisierungsgeschichte blieb so krude und blass, dass es entsprechend schwer zu verstehen war, warum jetzt wer wie handelt.
    Und über die Klingonen und die Technik sollte man lieber nicht reden.
    Außerdem hat mich der Handlungsaufbau des ersten Teils des Filmes derart stark an “Skyfall” erinnert, dass es schon erschreckend war.

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