Celebrate Star Wars – Ein Fandom, ein Fest, ein Reibach

Ich bin mal wieder spät dran. Vermutlich ist andernorts ja schon alles gesagt worden zu den anwesenden Stars (viele), den Neuigkeiten zu Episode 7 (maaager) und allem anderen drum herum. Ich kann nur eines Hinzufügen: Wie es ist, sowohl als Journalist als auch als Fan von Kindesbeinen an auf der Veranstaltung herumzugondeln. Schließlich darf ich dann ja nicht nur rumalbern und staunen, sondern muss mich halbwegs zusammenreißen, um ebenso was zu produzieren:

Warum die Star Wars Celebration dieses Jahr nicht irgendwo in den USA stattfand oder in England oder in Japan, sondern ausgerechnet Essen, kann ich mir nur mit dem Aussehen des Messezentrums erklären: Die Fenster könnten direkt von einer imperialen Station importiert worden sein und die moderne Kunst vor dem Eingang erinnert an die Sternenschmiede aus KotOR.

Hinter Herrn Haakes hagerem Haupt: Fenster wie auf einem Sternenzerstörer. Immerhin ein Grund für die Messe Essen.

Aber warum auch immer die offizielle LucasFilm-Veranstaltung diesmal nicht nur in Kontinentaleuropa sondern glatt in Deutschland stattfand ist auch egal, mir persönlich war wichtiger, dass ich sie so tatsächlich auch mal besuchen konnte. Natürlich in erster Linie für den Job und mit einer Kamera, aber ich wäre vermutlich auch privat da gewesen.Und es war anders als all die kleinen und großen Multi-Fandom-Conventions, auf denen ich schon rumgegondelt bin.

Aber bevor ich mich verquassel fange ich mit dem Anfang an: Eine Pressekonferenz, von der ich zweieinhalb Tage vorher erfuhr und zu der ich wegen mangelnder Planungszeit alleine mit 20 kg Equipment fuhr. Dann gab es einen kurzen und verwirrten Auftritt von Mark Hamill und Carrie Fisher, gefolgt von einer deutlich konzentrierteren und besser gelaunten Runde mit Peter Mayhew (Chewbacca), Ian McDiarmid (Palpatine), Anthony Daniels (C3PO), Warwick Davis (Wicket) und Jeremy Bulloch (Boba Fett). Das hieß in erster Linie Kamera drauf halten, Ton checken, mitgrinsen – und hin und wieder sinnvoll ein bisschen schwenken und zoomen, während neben mir RTL  und Sat1 etwas gelangweilt dasselbe machten. Eine Überraschung waren dann kurze und wieder etwas chaotisch organisierte 1on1-Interviews mit Anthony Daniels, Jeremy Bulloch und Ian McDiarmid, bei dem ich einsam allein mit meinem Kram zwischen den anderen Teams stand und fieberhaft noch nicht allzu blöde Fragen aus meinen Fingern saugte.

Denn in dem Moment setzte diese komische Unwirklichkeit ein, die erfahrenere Convention-Gänger vielleicht nicht mehr haben. Holy Cow! Ich habe dem Imperator die Hand geschüttelt! Die Menschen sind ja alle echt, auch wenn ich sie bisher nur von der Leinwand kannte. Da stand ein ordentlicher Teil des Star Wars-Gesamtmythos vor einer hübschen Hintergrundwand mit Logos von Lucasfilm. Deswegen zahlten Besucher auch ordentlich Geld für kurze Foto-Aktionen und Autogramme, um ein kleines Stückchen dieser Magie abzugreifen. Ich bekam meines in Form eines Händedrucks und ein paar charmanter Worte.

Dieses Teil-von-etwas-Großem-Sein war der einende Eindruck auf der gesamten Celebration, quasi das unsichtbare Energiefeld, das alles zusammenhielt. Alle verhielten sich schlicht wie ein Teil einer großen Gemeinschaft. Die ohne Kostüm, die mit Kostüm, die in Fan-Shirts, die mit als Darth Maul bemalten Kindern auf den Schultern, alle waren sie am Staunen und Grinsen und posierten mit einer der Dutzenden Slave Leias vor einem lebensgroßen Jabba.

Selten habe ich eine Con-Gemeinschaft so gut gelaunt, so entspannt und so begeisterungsfähig erlebt. Hinzu kam noch die für jemanden mit Kamera dankenswert hohe Menge an absolut großartigem Cosplay. Neben den Standard-Jedi und Prinzessinen gab es Tusken Raider, Jawas, Wookies, eine ganze Horde Mandalorianer, mindestens drei Mal General Thrawn, eine bunt gewürfelte imperiale Einheit, Senatoren der Alten Republik – alles was vage humanoid war, wurde dargestellt, durchmixt mit dutzenden R2-Einheiten. Beim Kostümwettbewerb lief dann auch der absolute Wahnsinn an mit hunderten Arbeitsstunden in Stickarbeit, einer Japanerin, die einen perfekten Obi-Wan darstellte und wie ein Derwisch samt Lichtschwert über die Bühne wirbelte, einem lebensgroßen Wampa, dem unvermeidbaren und genialen Darth Malgus und OMG – Lumiya! Punkte an alle, die den Charakter ohne googlen kennen ;).

Neben den Ständen der Fan-Vereine gab es Händler mit haufenweise neuem und Vintage-Merchandise (yay, Dagobah steht nun bei uns im Regal), einen offiziellen Convention-Laden von Lucasfilm (in dem Vaderhosen und Speeder-Bike-Autobahn-Aufdrucke deutlich machen sollten,dass Star Wars in Deutschland zu Gast war) und natürlich die vergitterten Abteile und kleinen Stände, in denen gegen teure Tickets Autogramme gegeben wurden. Immerhin: Zu den nicht ganz so großen Stars konnte man auch einfach so schlendern und sich mit ‚Greedo‘ über Solos Erstschuss unterhalten oder ‚Admiral Ackbar‘ ein ‚It’s a trap!“ ins Micro schmettern lassen. Die Gesamtfläche der Veranstaltung war gar nicht so groß, zwei übersichtliche Hallen und ein paar weitere Räume für Vorträge, der größte Teil davon genial dekoriert mit Fanwerken wie einem 4 Meter hohen AT-AT, dem schon erwähnten Jabbas Palast oder einer Cantina-Bar.

Es war ein bisschen wie heim zu kommen. In dem Fandom habe ich mich schlicht und einfach wohl gefühlt, mit anderen an den Ständen der Vintage-Händler große Augen gemacht oder coole Kostüme bewundert. Und vor allem immer eine freundliche Antwort und tolle Posen bekommen, wenn ich um eine Aufnahme bat. Selten konnte ich so entspannt auf einer Convention arbeiten.

Was aber alle Anwesenden ebenfalls einte, waren die Badges, die jeder aber auch wirklich jeder außer den Stars tragen musste. So hingen sie Darth Vader am Nacken herab wie Wäscheschildchen aus dem Mantel oder baumelten von Prinzessinnen-Gürteln. Damit auch auf den ersten Blick zu sehen war, dass diese Person bezahlt oder einen anderen guten Grund hatte, anwesend zu sein. Schließlich wird so eine Convention in der Größe nicht aus Herzensgüte veranstaltet, sondern um verdammt noch mal Kohle zu machen. Eigener Store, der Aussage eines dann fern gebliebenen Ausstellers nach ausgesprochen happige Standkosten, kein Nachlass für Leute in geilen Kostümen und geschickt auf alle drei Tage verteile Aktionen auf der angegliederten Großbühne, damit man möglichst ein Gesamtticket holen muss, wenn man alle Stars erleben will.

Aber … davon muss man sich nicht stören lassen. Zugegeben, als Presse gab es ein eigenes Badge – was hieß, dass ich mehr Kohle für Merchandise (neu und alt) ausgeben konnte. Mein Konto hat geweint. Aber auch ohne mit Geld um mich zu werfen hatte ich eine Menge Spaß. Mit Männern, die Prinzessin Leia cosplayten (großartig: einmal tatsächlich mit Zimtschnecken als Haarschmuck) und Frauen, die zum Beispiel eine unglaublich geile Interpretation von Darth Malak lieferten. Mit freundlichen und lustigen Händlern. Mit Stars, die auf der Bühne fröhlich ihre eigenen Szenen improvisierten, wobei mir Ian McDiarmid und Warwick Davis das definitive Con-Highlight verschafften und als Yoda und Palpatine durch die Gegend kugelten und kalauerten. Hatte jemand keinen Spaß auf der Veranstaltung? Schwer vorzustellen.

In zwei Jahren ist die nächste in Anaheim. Diesmal waren auch zahlreiche Amis da, ergänzt um Australier, Japaner, nicht ganz so weit gereiste Briten und Spanier und allen war es das wert. Mal schauen wie es 2015 mit meinen Finanzen steht, aber lohnen … würde es sich auch schon noch mal. Ich bin offiziell wahnsinnig.

Die nachgestellten Szenen. Ich würde mir auch die gesamten Filme in einer so ‚geschwedeten‘ Version anschauen.

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