Ich, der Penis und die Northcon

Komm auf die Bühne – aber lass den Penis da!

Und alles leuchtet so hübsch …

Aus der Kategorie: Sätze, die ich nie in der Öffentlichkeit zu sagen vorhatte. Oder sie überhaupt mal zu sagen. Solche Dinge passieren halt auf der Northcon, ihres Zeichens größte LAN-Party Deutschland. Ja, es gibt noch LAN-Partys, und in Neumünster (ausgerechnet Neumünster!) am Popo Deutschlands in Schleswig-Holstein hockten sich dieses Jahre über 2500 Leute in mehreren Hallen an lange Tischreihen, bauten ihre Rechner auf, steckten die Netzwerkkabel ein und zockten. Dass zumindest am ersten Tag draußen noch Sturmtief Xaver tobsüchtig mit Eis und Schnee warf, fiel dann wohl auch höchstens den Rauchern auf, die sich wenige Schritte vor die Tür wagten und mit der Zeit regelrecht kunstvolle Gestecke aus Fluppenstummeln in den Aschebechern auftürmten, die dort Wind und Wetter trotzten.

Der Rest blieb drinnen, zockte, schlief und duschte dort, konnte sich an Futterständen verpflegen und dank einer Werbeaktion eines großen Lieferdienstportals abends kostenlos Pizza abstauben. Eine Art leicht muffiges Paradies voll schimmernder Bildschirme und konzentrierter Gesichter.

Meine letzte LAN-Party vorher lief noch zu Studienzeiten im Wohnzimmer eines Freundes und war fast schon eine Parodie des aussterbenden Brauchs. Jogginghosen am Rechner waren Pflicht und eigentlich wurde allen Beteiligten das Duschen während der nahezu einwöchigen Laufzeit untersagt. Bewaffnet mit Pizza, Salzbrezeln und einem kurios-schmackhaften Getränk, dessen Hauptbestandteile wohl Vodka und Vanilleeis waren, rückten wir in Diablo 2 den großen Übeln auf den Leib. Und dann war sie vorbei (für mich), die Zeit der durchgezockten Nächte in irgendjemandes Keller.

Casemod in Grün mit Weihnachtsbaum

Alles Pipifax verglichen mit einer Northcon. So große, professionelle LAN-Partys habe ich vorher ohnehin noch nie besucht. Und schon gar nicht mit einer Kamera. Aber die generell gut gestimmten und meist konzentrierten Spieler, ihre stolz auf den Tischen präsentierten Casmods, die ausgelegten Leuchtschlangen und Weihnachtslämpchen und USB-Gadgets ergaben in den abgedunkelten Hallen ein erstaunliches Motiv-Angebot (und ich konnte die neue Lumix mal ausführen). Und Menschen WOLLTEN fotografiert werden! Sie hatten Spaß daran, haben Posen eingenommen, drum gebeten ihre PCs abgelichtet zu bekommen und alberne Faxen gemacht. Und als wäre das nicht genug, gab es auch noch haufenweise Cosplayer.

 

Und auch noch gute.

Jagdausflug mit Stil. Beute: Ein erster Platz beim Cosplay-Wettbewerb.

Cosplay ist so ein Hobby, mit dem ich seit Jahren anfangen will, aber nie Zeit und Muße zusammenbekomme. Einfach mal machen, empfahlen mir die Sieger der Cosplay-Arena vor Ort, die als Predator-Pärchen mit Alienkopf auf dem Spieß angerückt waren. Mal schauen was draus wird. Bis es mit den vielen WoW und LoL-Figuren mithalten kann, die da einherspazierten, wird es da wohl noch einiges zu Lachen geben (und zu fluchen … ich und thermoplastische Werkstoffe? Ich verbrüh mich ja schon ständig an der Heißklebepistole …).

Neben dem Cosplay-Wettbewerb, der ein bisschen hastig über die Bühne ging (pun intended), aber immerhin um einen unglaublich putzigen Heiratsantrag bereichert wurde, gab es auch noch ein eSports-Turnier. Starcraft 2 (was sonst) und haufenweise Topspieler aus Korea (woher auch sonst). Aber am Ende war mit Scarlett eine Kanadierin im Finale und sogar ein Freund, der zum Arbeiten da war und eigentlich wenig mit der Materie anfangen konnte, ging auf einmal mit. Und ich konnte meinen eigenen kleinen Cast in sein Ohr aufmachen und alles ohne Fachbegriffe erklären … „Sie setzt auf fliegende Truppen, was vergleichsweise teuer wird und länger dauert, während er diese mittelgroßen Schabeneinheiten baut. Wenn er sie also dadurch schneller überrennen kann, wird es eng mit ihrer Luftattacke …“

Aber kommen wir zum Penis, dem in der Überschrift erwähnten. Ich habe auf der Bühne nämlich mitten in der Nacht auch mit einem kleinen Quiz Hardware vergeben dürfen – und die Zuscherreihen waren voll. Wenn es was umsonst gibt? Wäre ich ja auch dabei. Eine Truppe, die ich vorher schon auf der Suche nach guten Blickwinkeln auf einem Balkon entdeckt hatte, brachte allerdings ihr Maskottchen mit. Dessen Namen kenne ich leider nicht, aber es handelte sich um einen gut zwei Meter langen aufblasbaren Plastikpenis, der voller Stolz über der Menge in die Höhe gestemmt und geschwenkt wurde.

Beim Aussuchen von neuen Quizteilnehmern rutschte mir dann eben dieser Satz „Komm auf die Bühne – aber lass den Penis da“ oder etwas sehr Ähnliches heraus. Der Kandidat leistete Folge, aber darauf erhob sich ein Sprechgesang: „Penis! Penis! Penis! Penis!“

Mit einem Lachkrampf auf einer Bühne zusammenbrechen war aber jetzt keine so tolle Idee. Ich glaube ich habe dann vorgeschlagen, wenn der Penis auf die Bühne käme, müsse er auch die Fragen beantworten. Da noch eine schicke Grafikkarte zu vergeben war, verzichtete der Kandidat dann auf jegliche Penisbeteiligung, und das Maskottchen verblieb fröhlich wippend in der Menge.

Eins ist klar, auf so einer Veranstaltung darf man nicht zimperlich sein. Die meisten Teilnehmer sind Männer, es wird getrunken, die Laune ist generell gut. Ich gebe zu, in einer der Hallen mit 8 qm Hardcore-Porno empfangen zu werden, die per Beamer an die Wand geworfen wurden (die Security schritt irgendwann ein, erlaubt ist das dann doch nicht) hat mich stutzen lassen, aber wisst ihr was? Es ging den Leuten neben all dem Spaß auch und vor allem ums Hobby und nicht um nervige Klischees. Es gab Penis-Chöre, einige alberne Sprüche beim Cosplay-Contest, aber beim Starcraft 2-Turnier oder den kleineren Turnieren und Runden war es egal, ob jemand nun einen Penis hatte oder nicht. Die zwar vergleichsweise wenigen, aber durchaus vorhandenen Frauen haben mitgezockt und niemand hatte ein Problem damit.

Ich mochte die Northcon. Und natürlich gibt’s auch Eindrücke in Videoform – aller Voraussicht nach penisfrei.

 

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