Monty Python Live (mostly): London Calling

Titel

Es wurde noch sehr viel voller – und ich habe noch die zwei Stunden bis Start gehibbelt.

Meinen Eltern habe ich unter anderem dafür zu danken, dass ich mit Monty Python aufgewachsen bin. Ich verfechte hiermit, dass eine frühe Prägung mit skurrilem Humor mich vor einem langweiligen Dasein bewahrt hat, in dem ich noch unlustiger wäre als jetzt.

Aufgewachsen heißt leider, neben einem mit Zitaten angereicherten Kindheitsumfeld, auch, dass Monty Python für mich etwas der fernen Vergangenheit ist. Okay, wenn wir mal objektiv drauf schauen, sind vierzig Jahre plus minus ne Handvoll je nach Staffel oder Film auch schon echt viel und die gemeinsame Arbeit der Herren war beendet, bevor ich geboren wurde.

Applaus

Da stehen sie.

Umso geiler, sie live zu sehen. Mit ein paar Freunden (und meinem Partner) war ich diese Woche im brütend heißen und trotzdem immer noch großartigen London, um eine kulinarische Stadtführung zu erhalten, das obligatorische Dr Who-Mitbringsel zu erstehen, in meiner liebsten Touristenfalle in Camden herumzulungern, natürlich auch was Kleines zu drehen und dann in die O2-Arena zu stöckeln, um mir die Show anzuschauen. Die letzte (vermutlich).

Da saß ich also, jünger als die gemeinsame Auftrittspause dieser Truppe, und schaute mir fünf alte Säcke an, die vierzig Jahre alte Witze erzählten. Viel Neues ist nämlich nicht in der Show, fast alles sind liebgewonnene Klassiker, die aber nahezu alle um einige Zeilen erweitert und aktualisiert wurden. Und dann in erster Linie, um sich über sich selbst lustig zu machen. So diskutieren die Richter in Strapse die Scheidungen von John Cleese und die Hausfrauen vorm Fernseher kommentieren Michael Palins Reisedokus. Zwischendurch werden Szenenwechsel auch von vollkommen unveränderten Clips aus dem Flying Circus begleitet, die flimmerig und in 4:3 auf die Leinwand projiziert werden.

Sperma

Every Sperm is Saaaacreeeeed …

Scheißegal! Ich fand’s super. Ich musste trotzdem wieder lachen über dieselben Sketche und ein wenig mit der Rührung kämpfen, wenn Archivmaterial von Graham Chapman eingeblendet wurde – in dessen Ehre die Show ja auch Live (mostly) heißt und vom Untertitel One Down – Five to Go! begleitet wird. Die Pythons wissen, dass sie alte Säcke sind und alte Witze erzählen, aber das tun sie mit einem grandiosen, augenzwinkernden Charme. Terry Jones braucht dabei bei längeren Texten wie zu ekelhaften Pralinenkreationen auch schon mal einen Zettel als Gedächtnisstütze, aber das Timing sitzt immer noch perfekt. Terry Gilliam scheint sich fast noch am wenigsten verändert zu haben und schneidet dieselben überzogenen Grimassen als Inquisitor oder Hilfsconstable. Eric Idle … naja der lebt ja ohnehin in der Python-glücklichen Vergangenheit mit Gralsmusicals. Die meiste Freude hatte ich aber an Michael Palin und John Cleese, die immer noch genauso unglaublich unterhaltsam sind wie zu Flying Circus-Zeiten (und in allem anderen, was sie seither so gemacht haben).

Die versammelte Altherrenmannschaft hat dann mit Selbstironie, Falsett, schrecklichen Kostümen und altbekanntem Unsinn regiert – und sich dabei Hilfe von einer Truppe knackiger Tänzer und Tänzerinnen geholt, die in herrlich bescheuerten Choregraphien heiliges Sperma, den Silly Walk und den Besitz von Geschlechtsteilen betanzten. Dazu kam eine Bühnenshow mit Landung in der “RETARDIS” (höhö… Dr Who Kalauer … höhö), riesigen Peniskanonen, und einzelnen Sets, die für die Sketche passend nach vorne gefahren wurden.

Und wer dann nicht mit einem breiten Grinsen und einem Tränchen im Auge zum Abschluss “Bright Side of Life” mitgesungen hat? Den gab’s nicht. Wer sowas nicht tut, geht zu so einer Show schließlich auch nicht hin.

Collage

Kleine Zusammenstellung von Sketchbildern

Es war toll, diesen fünf alten Säcken zuzusehen. In meinem Kopf zusammen zu bekommen, dass das dieselben Typen sind, die ich von klein auf auf der Mattscheibe hab flimmern sehen. Dass die immer noch Spaß an ihrem Job haben und Eric Idle zwischenzeitlich in einem Sketch Probleme hat, angesichts von John Cleese in Perücke und mit Falsetthüsteln ernst zu bleiben.

Dieser London-Ausflug hat glücklich gemacht. Und ich werd’ noch ewig davon erzählen, dass ich die live gesehen habe! Dafür sind “Letzte Touren” schließlich da, oder?

 

P.S.: Mann bin ich im Hintertreffen. Ich hab noch die Horasia-Con und anderes auf der Halde, über das es sich zu schreiben lohnen könnte. Man sieht sich also bald wieder!

P.P.S.: Ihr habt nicht das Glück, Monty Python reichlich in eurem Leben zu haben? Ändert dies! Klassiker finden sich auf Youtube, Arte Concert überträgt während ich dies tippe eine Aufzeichnung der Liveshow. Viel Spaß!

http://concert.arte.tv/de/montypython

5 Gedanken zu “Monty Python Live (mostly): London Calling

  1. Sorry, dass ich hier den Klugscheißer spielen muss, aber wenn mich nicht alles täuscht, war das, was Arte Concert grade eben gezeigt hat, keine Aufzeichnung, sondern den Live-Stream der tatsächlich letzten der Abschiedsshows, die auch erst heute Abend in London über die Bühne gegangen ist. War aber auf alle Fälle ziemlich großartig und ich beneide dich schwerstens darum, das live in London gesehen zu haben.

    Und für alle, die das sonst verpasst haben: Bei Arte müsste es das sicherlich noch ‘ne Weile in der Mediathek geben, unbedingt angucken!

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