Guardians of the Galaxy: Review

hr_Guardians_of_the_Galaxy_9Gerade hier in Deutschland waren die Guardians of the Galaxy in Comicform nicht gerade die größte Nummer. Dann hat Marvel einfach mal einen Film zu der schrägen Truppe gemacht und plötzlich kann man sich vor Kommentaren, die schlicht nur “I am Groot” sind nicht mehr retten. Hype! Macht nix, ich mag die Guardians, bin aber verblüfft, dass ein knallbuntes Sci-Fi-Fantasy-Abenteuer so gut bei der Masse ankommt. Das Timing ein Jahr vor Star Wars-Nachschub war für die Sammlung an Aliens und Raumschiffen sicher auch keine schlechte Entscheidung, Mutterkonzern Disney weiß wohl schon, was man da tut. Also bin ich guten Mutes in eine Vorführung mit englischem Originalton gegangen, die noch im Rahmen der Gamescom stattfand.

Für alle, die bislang vielleicht nur einen Trailer gesehen haben – worum geht es eigentlich? Es geht um die Dimensionen des Marvel-Universums, die die Filme bisher nur angekratzt haben. Da ist nämlich ein riesiges All voller schräger und häufig sehr unangenehmer Figuren, die abseits der Erde fröhlich riesige Zivilisationen aufbauen oder zerstören. Bisher durften Chitauri auf New York losgehen, aber mit den Guardians bekommen wir die volle Packung Aliens und Weltall und der Metaplot um Abspannszenen-Fiesling Thanos, den verrückten Titan, läuft weiter an.

Und wie es sich laut Comic-Hintergrund gehört, haben Thanos und alle, die für ihn arbeiten, großes Interesse an mächtigen Artefakten, die allgemein als die Infinity Stones gehandelt werden. Der Tesserakt und der Aether, beide schon durch Thor und Avengers bekannt, gehören zu dieser Sammlung, Guardians dreht sich um eine weitere solche Macht. Als Bösewicht-Vertretung darf Ronan the Accuser, Angehöriger der militaristischen Kree und auf einem rassistisch-religiös motivierten Feldzug unterwegs, zusammen mit einer Ziehtochter von Thanos den Hammer schwingen. Weil man als abtrünnige moralische Instanz eines Imperiums keine kleinen Sachen macht, will Ronan auch direkt einen ganzen Planeten vernichten, weitere sind sicher optional.

Wer kann da was unternehmen? Durch einige schicksalshafte Verstrickungen ist es ausgerechnet eine Truppe aus einem Erdenmenschen, einer weiteren Tochter von Thanos, einem Berserker auf der Suche nach Rache, einem hochintelligenten Alien im Waschbärenlook und einem laufenden Baum, die sich in der Retterposition wiederfindet. Das sind alles, bis auf den Menschen Peter Quill/Starlord gar nicht mal die ältesten, aber die beliebtesten der Guardian-Comicfiguren. Die dürfen sich hier zusammenraufen und für das Filmuniversum die erste Iteration des interstellaren Teams bilden.

Laufende Bäume, Waschbären und ein 80er-Soundtrack dank des Erdenmenschen haben schon vorab meine Begeisterung geweckt, aber es gab da noch ein kleines Problemchen beim Hype. Der Film ist von James Gunn, dem ich etwas zwiespältig gegenüber stehe. Der Mensch hat einen sehr abgefahrenen Humor in seinen Filmen, trifft dabei aber nicht immer meinen (vielleicht zu zimperlichen) Geschmack. Super habe ich zum Beispiel gar nicht so viel Sympathie entgegenbringen können – und das trotz der teils großartigen Besetzung. Wie inszeniert der Mann, der als Nebenprojekt schlechte Pornos ohne Sex dreht, eine Marvel-Space-Fantasy?

Das beantworte ich für Lesefaule zusammen mit Nico auch anderweitig nochmal in der Late Nerd Show, wobei wir darin vor allem auch die Schwächen des Films diskutieren:

Aber weiter im (geschriebenen) Text: James Gunn, Marvel-Space-Fantasy, wie sieht das aus? Nie langweilig auf jeden Fall. Das Timing ist immer flott, die Dialoge purzeln gekonnt und albern daher und bei den Actionszenen bekommen wir ein anständiges Tempo geliefert, ohne den Überblick zu verlieren. Vor allem aber hält sich der Film brav an ein paar Grundregeln, deren Missachtung mich regelmäßig bei anderen Genre-Blockbustern auf die Palme bringt. So weiß man nach den ersten fünf Minuten, welchen Tonfall der Film haben wird, und es gibt keine unangenehmen Umschwünge. Es wird episch, immer rechtzeitig gebrochen durch Humor und eine sympathische Aufsässigkeit der Figuren.

Mindestens ebensowichtig ist das gekonnte Vorauszeigen von Dingen, die in dem Universum möglich sind. Waffen, Eigenheiten der Umgebung, Fähigkeiten der Figuren – was Welt und Gadgets können, wird beiläufig oder als Ausstaffierung einer anderen Szene gezeigt, bevor es dann wirklich plotrelevant wird. Niemand holt hier den Deus ex Machina 2000 ™ aus der Tasche, um in letzter Sekunde alles zu retten. Danke für die Einhaltung dieser simplen, aber für die Glaubwürdigkeit der Welt wichtigen Regel.

Kommen wir zu den Charakteren. Chris Pratt als Starlord ist hervorragend, das komödiantische Timing sitzt und spontane Tanzeinlagen geben Bonuspunkte. Groot und Rocket (Raccoon) sind mit ihrer Stimmbesetzung von Vin Diesel und Bradley Cooper vielleicht etwas schräg, aber beides passt einfach nur perfekt. Der rotzfreche und betrunken-weinerliche Bomben bauende Alien Rocket wird wunderbar schnodderig gesprochen – und Vin Diesels grummelnder Bass verleiht den Varianten von “I am Groot” (mehr kann der Baum nicht sagen) eine erstaunliche Bandbreite. Ansonsten kommen beide Figuren direkt aus dem Computer und auch wenn ich nicht immer ein Freund von CGI-Figuren bin – es funktioniert. Ein wenig ahnt man immer, dass das plüschige Fell von Rocket nicht echt ist, aber die Modelle sind ausreichend nichtmenschlich, als dass man das alles akzeptiert. Sogar der mit Tattoos beklebte Drax ist wirklich überzeugend, Bautista nimmt man eben auch den körperlichen Part der Rolle problemlos ab – und trotzdem spielt er den Klotz herrlich auf den Punkt.

Mit Gamora habe ich allerdings ein Problem. Nicht unbedingt wegen des Looks, auch wenn Zoe Saldana mir ein bisschen zu dünne Arme hat für die aus den Comics bekannte muskulöse Kampfmaschine. Sondern eher, weil der starke, sture und selbstbewusste Charakter weite Strecken eher den Eindruck einer Damsel in Distress macht. Die anderen Charaktere sind vielleicht etwas eindimensional, aber bei Gamora ist der Versuch, ihr mehrere Ebenen zu verleihen – Krieger, Mädchen, Verzweifelte auf der Suche nach einem neuen Leben – einfach nicht aufgegangen. Auch will nicht wirklich einleuchten, warum zur Hölle Starlord im Laufe des Films sein Leben für sie riskiert.

Und damit wären wir beim Hauptproblem des Films. Man bekommt nicht wirklich mit, warum die Charaktere aus einem Zweckverband gewalttätiger Chaoten zu Leuten werden, die in fast schon Anime-mäßiger Aufdringlichkeit ihre Freundschaft zueinander betonen. Hier fühlt es sich sehr deutlich so an, als wäre der Film noch einmal deutlich gekürzt worden – und zwar um die Charakterentwicklung. Eben schießen sie noch aufeinander, dann retten sie sich gegenseitig, eine Zwischenphase gibt es nicht wirklich. So bekommen wir als Interaktion haufenweise wirklich sehr gut geschriebene und gespielte schräg-humoristische Zeilen, aber wann immer es hätte mehr werden können, wirkt es bemüht. Schade.

Das soll nicht heißen, dass Guardians nicht insgesamt ein großartiger und absolut unterhaltsamer Film ist. Er liefert einfach nur nicht mehr als Unterhaltung (was auch vollkommen okay ist), hat aber immer wieder mal Momente, wo man so tut als ob es noch sowas wie Charakterentwicklung gäbe – aber nix dahinter ist. Ich werde trotzdem auf jeden Fall nochmal in den Film gehen, seinen Look und seine tollen Einzeiler feiern und ich empfehle auch jedem anderen, der Lust auf ein buntes Weltall hat, dasselbe zu tun.

Hoogachaka.

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