Von Übersetzungen und Gruppenfinanzierung

numeIch übersetze tierisch gerne. Ich kann gar nicht mal wirklich sagen warum, aber es kitzelt genau die richtigen Regionen in meinem Hirn, um mich beim Arbeiten zufrieden dahintippseln zu lassen. Vielleicht ist es einfach eine gewisse Begeisterung für Redewendungen und ungewöhnliche Vokabeln in allen Sprachen oder irgendeine tolle Verkabelung im menschlichen Hirn, die zufällig den Effekt hat, aber wenn ich übersetze, geht es mir meistens gut. Und es geht deutlich schneller und zufriedenstellender von der Hand als etwas Eigenes zu schreiben, bei dem ich endlos auf den Knöcheln beiße und mich frage, ob die Texte überhaupt etwas taugen.

Außerdem hat es etwas mit Begeisterung zu tun. Nicht jeder kann super Englisch, hat vielleicht kein Interesse daran oder mehr Zeit in andere Fremdsprachen oder noch ganz andere Gebiete investiert. Dadurch sind dann ganze Buchreihen, Filme, Comics etc. immer erst mit Zeitabstand oder zuweilen gar nicht mit anderen zu teilen, um sich wie Fangirls kichernd über Plot und Charaktere auszutauschen. Zugegeben, Serien oder Filme simultan zu übersetzen habe ich dann doch auch wegen des Nerv-Faktors für alle Beteiligten und der vielen Ähs nicht gemacht, aber PC-Spiele, gerade aus der noch nicht vollvertonten Zeit, oder einzelne Wendungen und Zitate: Aber sowas von. Und Kapitel von Romanen, um andere anzufixen. Geld habe ich für so etwas schon in der siebten Klasse bekommen, entweder bar als ein paar Pfennig oder in Form von Space (eine am Schulkiosk erstehbare Süßigkeit, seither nie wieder angetroffen) für das Übertragen von Songtexten ins Deutsche. Damals gab es halt noch nicht wirklich ein Internet …

Aber weg von der Nostalgie (hey, meine Schulzeit war nicht nur ätzend! Eine späte Erkenntnis 😉 ) zum aktuellen Anlass: Es sieht so aus, als würde das Crowdfunding auf Startnext zum Rollenspiel Numenera funktionieren, bei dem ich den Taktstock als Redakteurin und Übersetzerin schwingen würde. Zwei Tage, fast 10.000 Euro. Ich bekomme also die Chance, eines meiner Fangirl-Objekte zu übersetzen. Es zu teilen, mit anderen. Und auf eben diese seltsam zufriedenstellende Art und Weise über Neologismen, ungewöhnlichen Wendungen und Systembegriffen zu brüten. Effort, Edge und Pool – übersetzen oder wie Shadowrun einfach die Schultern zucken und so lassen? Wie die Foki für die Charaktere übertragen, so dass sie in deutscher Grammatik nicht klingen wie von Google? Was mit dem Begriff des „Cypher“ machen (bei dem auch einige für das Belassen des englischen Begriffs plädieren …)? Ich bin normalerweise eher ein etwas problemscheuer Mensch, aber das liebe ich. Und wer mitreden will, kann das schon für einen Euro, weil wir über vieles auch abstimmen und Anregungen einholen werden. Mein aktueller Favorit (auch wenn nicht ganz ernstgemeint und vermutlich durch den Ursprung meiner Comic-Begeisterung in den Neunzigern gefärbt) ist der Vorschlag vom Mini-mini-Workshop auf der Dreieichcon, aus dem Jack (-of-all-trades) als Charakter-Archetyp „Robin“ zu machen. Multigeschlechtertauglicher Vorname mit Assoziationen zu verschiedenen Helden … ^^. Numenera hat genau den Umgang mit Sprache, den ich liebe und vor allem irrsinnig gerne übertrage und in einer anderen Sprache zu rekonstruieren versuche. Wie Schokolade für das Sprachzentrum.

Also, langer Rede kurzer Sinn: Danke an alle, die sich beteiligen! Ihr kriegt ein Buch/eine Box/alle Zusätze, die wir noch finanziert bekommen – ich bekomme die Gelegenheit, dieses Rollenspiel in meiner Arbeitszeit zu übersetzen und nicht spätabends nach allen anderen Aufträgen. Denn übersetzen würde ich es ohnehin – in meiner eigenen Spielrunde sind nicht alle flüssig im Englischen ;).

Und wie es mit dem Plan steht, während ihr das hier lest, könnt ihr hier feststellen: Numenera auf Startnext.

3 Gedanken zu “Von Übersetzungen und Gruppenfinanzierung

  1. Hallo,
    ich habe mal noch ein wenig geschaut und mal nachgesehen wie das andere machen wenn sie ihre Fans/Supporter fragen. Zwei Systeme sind mir da aufgefallen:

    Eine mögliche Verknüpfung von Forum und Umfrage. Für die, welche nur abstimmen mögen ist die Übergeordnete Seite sinnig, wer sich dann noch in der Diskussion suhlen möchte darf klicken und loslegen.

    http://playstarbound.com/suggestions/

    Hier noch ein System, welches eher an Tickets angelehnt ist.
    http://feedback.arma3.com/my_view_page.php
    Geht man in einen Request, kann man sich den Vorschlag oben fix ansehen. Wer dann wieder in die Schlammschlacht möchte und Argumente austauschen will, hat die Notes darunter zur Verfügung.

    Ich denke ihr habt genug Ahnung von Online Meinungsfindung, weshalb ihr sicher etwas besseres als ein reines Forum aufsetzen werdet 😉

    Grüße,
    Fulger

  2. Da hast du sehr schön und treffend ausgedrückt, was auch mit mir geschieht, wenn ich einen Text zum übersetzen hab.
    Allerdings, kommt unter Umständen, beim Übersetzen von Comics noch eine weitere Schwierigkeitsstufe hinzu: Das Einpassen der Übersetzung in den dafür vorgesehenen, beschränkten Platz.
    Womit ich auf gar keinen Fall den Spaß herabwürdigen will, den es macht, möglichst originalgetreu (und im Falle eines Robins sogar sinnvoll, sinngemäß und mit der notwendigen Eigeninitiative) zu übersetzen.
    GO TRANSLÄSCHEN!!!

  3. Bei uns wurde der Jack aus Tausendsassa und Allerweltskerl zum Allerweltssassa – obwohl die einzige Jill in der Truppe sich lieber als Allerweltsgirl oder Allerweltsbitch vorgestellt hat. 🙂

    Cypher haben wir behalten, manchmal wurde es zu Chiffre aber in Anlehnung an SG! wurde irgendwann daraus Chevron …

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