Der Hobbit – Rezension zum Mittelerde-Rollercoaster

Fangen wir doch mal mit diesem ‚Inhalt‘ an… Was bietet sich da besser an, als über Kino zu reden, über das ohnehin gerade alle reden?

Was habe ich nicht alles in Rezensionen zum Hobbit gelesen, bevor ich drin war. Andere meiden das ja eher, um unbefangen in einen Film zu gehen, aber schon jobtechnisch war das nicht drin.

Ein Meisterwerk! hieß es da. Ein ruhiges Tempo, wie sich das gehört für eine Tolkien Verfilmung. Ergänzt um Abschnitte aus dem Silmarillion sollte der Hobbit sein – da wurde ich hellhörig, denn was davon würde sich eignen und wie würde dieses sperrige, aber großartige Buch da hineingeflochten werden? Die Erwartungen waren entsprechend hoch und reichlich mit Kinospeisen bewaffnet klopfte das Herz schon freudig etwas schneller, als der Schriftzug zum Hobbit begleitet von Howard Shores Orchesteruntermalung erschien. Da fühlt man sich gleich 11 Jahre jünger und zurückversetzt in den verzauberten ersten ‚Herr der Ringe‘-Winter.

Und der Hobbit sieht dann ja auch aus wieder Herr der Ringe und startet sogar eng verschränkt mit dieser Verfilmung. Bilbo Baggins, zu diesem Zeitpunkt Ian Holme, beginnt mit dem Schreiben seines Roten Buches. Seiner Geschichte des ‚Hin und wieder zurück‘, wie er an Ring und Stich kam, woher er Gandalf kennt und eine Menge zwischendrin.
Diese Abschnitte sind ausgesprochen putzig und fügen sich sauber in den Herrn der Ringe ein – Bilbo versteckt Wertgegenstände vor seiner unliebsamen Verwandtschaft und lässt den geduldig für den schrulligen Alt-Hobbit arbeitenden Frodo das vertraute Schild an das Gartentürchen hämmern.

Es folgt ein erwartungsgemäß epischer Abschnitt zur Geschichte Erebors, des Zwergenkönigreichs unter dem Einsamen Berg, und wie es dem Drachen Smaug zum Opfer fiel. Schließlich wird der Rest der Trilogie sich ausführlich damit beschäftigen, den ganzen Ärger rückgängig zu machen. Ebenfalls erwartungsgemäß bekommt man hier Smaug noch gar nicht richtig zu Gesicht, nur die Folgen seines Überfalls, einzelne Blicke auf Krallen und Feueratem und eine sich ringelnde Schwanzspitze geben einen Eindruck von seiner Größe und entsprechenden Fürchterlichkeit. Man will ja auch den weißen Hai nicht sofort sehen, sondern sich noch ein bisschen gruseln können.

Und dann kommt der Abschnitt, über den einiges geschrieben wurde – langatmig, albern oder auch einfach nur ruhig und mit eigenem Tempo soll er sein. Eines ist er vor allem: Liebevoll nahe am Buch. Ein ganze Reihe Zeilen lang bekommen wir sogar ein direktes Zitat. Da geht einem doch das Herz auf.

Und eines merkt man sofort: Martin Freeman ist die einzig mögliche Besetzung für Bilbo. Mir fällt auch nach langem Überlegen niemand ein (also niemand halbwegs Bekanntes logischerweise) der diese perfekte British-ness verkörpern könnte, die zwischen Gemütlichkeit, Höflichkeit und stiller Empörung schwankt. Das Timing ist schlicht und einfach perfekt, wann immer Bilbo einen verwirrten Double-Take macht, versucht sich einzumischen, protestiert oder erschrocken ist. Allein um Martin Freeman in dieser Rolle zuzuschauen lohnt sich der Gang in den Film schon. Das war aber abzusehen – als Dr. Watson in ‚Sherlock‘ und als Arthur Dent im Anhalter war er der Vorzeigebrite mit trockenem Charme und hat so nun eine Art Trilogie des Englisch-seins vollendet. Als es zwischendrin in der Pre-Production hieß, er könne die Rolle nicht wahrnehmen, war meine Verwirrung groß – wer sollte den denn bitte ersetzen? Im wahrsten Sinne des Wortes also ganz großes Kino, Mr Freeman.

Die Zwerge allerdings sind etwas durchmischt. In der Vorlage entsteht auch leicht der Eindruck, dass es den Anführer Thorin gibt und dann ‚den Rest‘. Jackson und Co. versuchen irgendwie einen Mittelweg zu gehen und ein bisschen die Rollen zu verteilen, aber gehen dabei kurios ungerecht vor. Manche dürfen recht viel sagen, Exposition bieten, lustig rumalbern oder cool mit Waffen umgehen. Und dann gibt es andere wie Bombur, der den lieben langen Film nichts tut, außer dick zu sein. Er sagt kein einziges Wort! Auch Gimlis Papa Glóin darf gerade mal ein paar Elben anfahren, dann wird er wieder zum stummen Bartträger. So ist man schlussendlich schlicht verwirrt – wer war nochmal wer? Auch die Versuche, die Zwerge optisch voneinander abzuheben, sind teils etwas über das Ziel hinausgeschossen. Die Versammlung gigantischer Scherzartikelnasen, bescheuerter Hüte und noch bescheuerterer Frisuren ist schwer ernst zu nehmen (wenn auch erwartungsgemäß liebevoll gestaltet).

Generell ist das Ernst-Nehmen ein Problem den ganzen Film hindurch. Inszeniert wird der Hobbit mit Pathos, mit Zeitlupe, lodernden Flammen, geifernden Wargen und schmerzhaft schönen neuseeländischen Landschaften. Aber da der Film sich extrem eng an die episodenhafte Vorlage hält, verläuft die Handlung nach der Einstimmung auf das Thema wie eine Revuenummer nach der nächsten: Zwerge geraten in Bredouille, liegen oder sitzen herum und dann kommt ein Deus ex machina (meist Gandalf) der sie rettet.
Diese Schere zwischen ‚Bad Ass Dwarves‘ und Witzfiguren, die von Trollen in Tüten gepackt und gegrillt werden, ist einfach zu groß, um stimmig zu wirken. Einen Ausweg gibt es da für die Wahrnehmung: Der Hobbit ist ein Märchenfilm, kein Fantasyfilm. Dann darf man auch Figuren und Klischees und im wahrsten Sinne des Wortes magische Kaninchen aus dem Hut ziehen, denn Märchen haben nunmal ihre eigene Logik aus festen Erzählschemata und Archetypen. Wenn man das Hirn so von der suggerierten Verwandtschaft zum Herrn der Ringe wegbiegt, ist das alles okay. Nur wo da bitte Längen sein sollen, frage ich mich? Keine fünf Minuten kann man mal Luft holen, schon wird die nächsten Abhänge hinuntergepurzelt, in Schluchten gefallen und mit Orks gerungen. Das kontinuierliche Auf und Ab sträubt sich konsequent gegen eine filmische Dramaturgie. Wenn man alle zehn Minuten einen weiteren dramatischen Höhepunkt geliefert bekommt – natürlich mit Zeitlupe und tollen Kamerafahrten – ist der Effekt zum Ende hin etwas ausgelutscht.

Erzählerisch ist der Hobbit also eher kurios. Wie dies als Teil eines Meisterwerks gefeiert werden kann, frage ich mich – ich freue mich ja über schnuffige Details und all die kleinen Geschichten und Geschichtchen, aber das gesamte Gewurschtel fühlt sich dann eher an wie eine bunte Rundreise durch Mittelerdes Bedrohungen und Absonderlichkeiten. Mit Zwergen, irgendwer muss ja bedroht werden.

Abgesehen von den Zwergen gilt es aber noch ein paar Worte zur Darstellung der Figuren zu sagen – Gandalf, Saruman, Elrond und Co. kennt man ja bereits und die gesamten Elben überraschen wenig. Nur bitte Hohe Frau Galadriel, ihr weißer Dress hat durch die aufgeklebten Strasssteine zu viel an billiger Albernheit gewonnen.

Neu ist unter anderem Radagast der Braune. Wie Gandalf eigentlich so etwas wie ein Halbgott, eine mächtige Entität, die nur aussieht wie ein Mensch. Und auch wenn der Gute als schrullig angelegt ist, musste man ihn mit Vogelkacke im Gesicht herumlaufen lassen? Eklig und irgendwie unwürdig (aber wenigstens wissen wir jetzt, warum er ‚Der Braune‘ heißt. Okay, das war auch eklig). Und praktisch alle seine putzigen Tierchen waren reines CGI, was dank Uncanny Valley-Effekt eher irritierend wirkt.

Ähnlich geht es da mit den Bösewichten zu. Der Blasse Ork auf weißem Warg wobbelt mit seiner animierten vernarbten Gesichtsmasse herum. Das ist ungemein gut gemacht, aber wenn ich die ganze Zeit über nur bewundere, wie die Regeln des Dehnen und Stauchens aus dem Animateurs-Einmaleins angewendet werden, wie das Licht durch unterschiedliche Hautschichten gebrochen wird und wie die Feuchtigkeit in den Augen auf Licht reagiert… dann ist die Figur irgendwie doch nicht lebendig, sondern eine Fingerübung in technischer Trickserei.

Und die gesamten Goblins in ihrer Höhlenstadt sind eine Armee solcher ‚Oh, schau mal wie schön die Schatten sich auf seiner Haut verhalten!‘-Momente. Der König ist aber nicht nur deswegen eine Farce, sondern dank der zwar charmanten, aber unpassenden Performance von Kult-Transvestit Dame Edna als Gegner absolut unbeeindruckend. Überhaupt wirkt die gesamte Versammlung an Goblins durch ihre Albernheit unbedrohlich. Wo sind die denn bitte verwandt mit dem gruseligen Moria-Geschmeiß? Und, wenn wir schon dabei sind, warum sind sie in einem Moment so viel stärker als die eigentlich noch bewaffneten Zwerge und zwei Szenen später nur noch kreischendes Kanonenfutter, das massenweise von Holzstegen purzelt? Die armen Biester dürfen auch nichts machen, als einen weiteren Deus ex machina herbeizuzwingen.

Und nun aber zu der vermutlich besten Szene im ganzen Film. Bilbo und Gollum. Die schicksalsträchtige Begegnung tief im Fels und das Rätselraten. Ich weiß noch, wie ich mit zwölf von diesem Moment fasziniert war. Wie der Hobbit da verloren im Finsteren einen Wettkampf der Worte mit dieser gruseligen Figur ausficht. Andy Serkis, natürlich wieder überanimiert (aber noch mit deutlich mehr Sorgfalt als seine CGI-Kollegen) und Martin Freeman machen hieraus eine Show, einen Wettkampf, wer besser Bedrohung und Humor der Szene rüberbringen kann. Zwei Gestalten, begrenzter Raum und nur Rätsel und Worte, die ausgetauscht werden, aber hundertmal spannender und packender als alle Zeitlupenschwertschwingereien zusammen.

Absolute Stärken des Hobbits sind natürlich auch sein Design und sein Sound. Mein Gott ist Mittelerde wieder schön und voll beeindruckender Orte. Da gibt es einfach keine langweiligen Landschaften, keine durchschnittlichen Wanderwege, keine eher traurigen Mischwälder und keine harmlos aussehenden Berge. Alles ist toll, alles schreit einem zu, sofort, wenn nicht sogar schon gestern ein Ticket nach Neuseeland zu kaufen. Wie unfair, dass dieses harmlose Ländchen am anderen Ende der Welt so viel schöne Landschaft auf vergleichsweise wenig Raum bekommen hat! Und alles wird perfekt eingefangen. Im genau richtigen Licht erglühen die Berghänge, gegen den perfekten Sonnenuntergang stapfen fünfzehn Gestalten über einen makellos eleganten Hügelkamm. Das Auenland weckt die Sehnsucht nach dem eigenen Schrebergarten, alle Schreibfedern, Teller, Käseräder, Zäune und Blumentöpfe wurden liebevoll gefertigt. Selbst die hässlichen Dinge und Wesen wurden mit Bedacht designt und finden ihre richtige Größe, was bei all dem Hin und Her mit Menschen, Zwergen und noch kleineren Hobbits alles andere als selbstverständlich ist – wir erinnern uns aus dem Herrn der Ringe zum Beispiel noch an zu niedrige Geländer in Bruchtal.

Und der Klang – man fühlt sich nach 2001 zurückversetzt. Kein Wunder, abgesehen vom großartigen neuen Zwergenthema zur gesungenen Geschichte von Erebor wird hier fleißig wiederverwendet. Erneut sirren sich die Geigen einen, wenn Howard Shore Spannung aufbauen will, dröhnt der Ring mit vertrauten Klängen und das Auenland hat nur einige seiner Noten getauscht. Ein Klangteppich, der sauber sitzt, aber eben wenig Neues bietet.
Und ganz kurz noch zum Technischen: Ich war nicht in einem Kino mit der HFR-Technik. Aber bei der schon mehrfach erwähnten zahllose eingesetzten Zeitlupe sind mir schärfere Bilder bei schneller Bewegung jetzt nicht gerade als absolutes Muss für den Film aufgefallen. Das 3D war sauber, sorgte aber manchmal in Kombination mit dem vielen CGI für ein zusätzliches Gefühl der Falschheit, wenn weitere Tiefenebenen nicht nur nicht ganz echt aussahen, sondern auch nicht ganz korrekt weit weg vom Rest erschienen.
Und ja, am vielen CGI krankt der Film etwas. Der Herr der Ringe und seine Schlachten waren immer dann am besten, wenn echte Stuntmen sich mit echten Waffen zu Leibe gerückt sind. Wenn wirklich Schwert auf Schwert gehämmert wurde und reale Personen in den Schlamm sanken. Wegen der Größenprobleme zwischen Zwergen und manch anderen Kreaturen, wegen der Nichtexistenz von Wargen und wegen der Entscheidung, auch per Make-Up-Effekt darstellbaren Orks CGI zu verpassen, dürften zahlreiche Kampfszenen hier ohne Gegner und zu Teilen nur vor Greenscreen stattgefunden zu haben. Das nimmt die Wucht heraus und führt teils – vor allem bei den Goblins – zu einem sterilen Star Wars-Prequel Gefühl. Gerade bei einem Team und einem Franchise, das bisher stark auf ‚reale‘ Bestandteile, mehr auf Modelle als auf reine Animation und auf Make-up und Props gesetzt hat, ist das irgendwie schade. Die Weta Workshops haben doch bewiesen, wie großartig sie so etwas können. Warum durften jetzt soooo oft nur die Kollegen von Weta Digital ran?

Fassen wir also zusammen: Die Inszenierung mit ihren Epik-Elementen passt nicht so recht zum teils albernen und immer sprunghaften Inhalt und zu viel Mittelerde kommt mir aus dem Computer.

Ich mag den Film trotzdem. Es sind so viele schöne Anspielungen und Details darin, die gerade Tolkien-Freunde zu schätzen wissen werden (auch wenn das mit dem Silmarillion eine deutliche Fehlinformation war). Er sieht wunderschön aus, ist technisch einwandfrei und mein Gott ist es eine Freude, Bilbo zuzuschauen. Auch den alten Bekannten wie Ian McKellen, Christopher Lee, Hugo Weaving und Cate Blanchett schaut man gerne noch einmal zu (obwohl Christopher Lee, erbost über sein Fehlen in der Kinoversion von Rückkehr des Königs, sich kaum über die vielen Bestandteile seines Textes freuen wird, die zu Gunsten anderer Elemente in den Hintergrund gefaded werden). Es ist eine schöne, das Herz erquickende Reise durch Mittelerde. Aber ein Meisterwerk? Nein, dazu ist der Film in sich zu inkonsistent im Auftritt, zu wirr in seiner Dramaturgie. Was er ist, ist ein perfekter Reel von Szenen, die man im Hintergrund laufen lassen kann, während man an anderen Dingen arbeitet. Wann immer man aufschaut wird man etwas Schönes, Beeindruckendes oder Gruseliges sehen. Aber da es keine wirklich klare Struktur gibt, macht es auch nichts, Teile zu verpassen. Die Zwerge werden ja eh schon gerettet. Von jemand anderem, versteht sich, nicht aus eigenem Antrieb.

7,5 von 10 Punkten sind es abschließend, 8 weil es sich so schön angefühlt hat, nochmal Mittelerde auf der Leinwand zu sehen. Wer zu denen gehört, die für 40 Euro Extended Versions gekauft haben, um haufenweise herausgeschnittene Szenen zu bekommen: Ihr kriegt hier für den Preis einer (teuren) Kinokarte gleich 3 Stunden solcher schönen, aber nicht ganz zusammenhängenden Szenen.

10 Gedanken zu “Der Hobbit – Rezension zum Mittelerde-Rollercoaster

  1. Hallo Mháire,
    schöner Artikel. Ich fand den Film glaub ich noch nen Ticken besser und die Darstellung der Zwerge eigentlich recht gelungen – dafür war ich von den vielen, viiiiieeeelen Actionszenen doch sehr genervt. Vor allem, weil ich die Augen zumachen musste, wenn sich alles in 3D zu doll bewegt hat. Aber es war ja doch schon irgendwie ein „Heimkommen nach Mittelerde“ und daher werd ich den Film sicher nochmal gucken. Und ja, Freeman ist der einzig wahre Bilbo, er war absolut großartig. Aber ich mochte auch Thorin.
    Ansonsten Glückwunsch zur eigenen Homepage 😉
    LG
    Curima

  2. Wow, tolle Filmkritik – und schöne Seite!
    (Ich reserviere grad Plätze fürs Wochenende – oh weh – 3DHFR, 3D, 3D Englisch, 2D, 2D Englisch … vielleicht bleibe ich altmodisch und gehe in 2D rein … Wie lange das wohl noch geht? 😉 )
    Das Star-Wars-Prequel-Gefühl, das du erwähnst, macht mir ein bisschen Kopfschmerzen – genau dieses Green-Screen-zu-glatt-und-nix-ist-echt-Ding hat bei SW leichten Brechreflex bei mir ausgelöst *g*.

  3. Der Hobbit war einfach ein sehr genialer Film. Die Szene mit Gollum fand ich im Vergleich zum Buch allerdings eher schwach. Sie kam mir im Buch viel intensiver und auch unheimlicher vor. Noch ein Kritikpunkt sind die 48 fps in verbindung mit 3D.
    Dadurch sah vieles sehr kostümig und plastikig aus… die Äxte auf (war es Dwalin?) Dwalins?!? Rücken gingen oft ganz und gar nicht.
    Freeman ist die perfekte Bilbobesetzung. Großartiger Film.
    Teile deiner Kritik kann ich nicht ganz nachvollziehen. Klar geraten die Zwerge von einem Schlamassel in den nächsten, aber das ist nunmal der Buchvorlage geschuldet. Dramaturgische Schwächen oder gar Kuriositäten erkenne ich da nicht. Der Film ist genau das, was ich erwartet habe. Die großartige Verfilmung von Tolkiens rundestem Abenteuerbuch. Die verspielte, fast schon zuckerbäckerartige, Optik ist einfach nur der Hammer. Bester Film des Jahres… und die Trilogie wird wohl neue Maßstäbe in Sachen Fantasy setzen. Mich würde freuen, wenn die Trilogie das schafft, was der HdR damals nicht vermochte. Das Fantasygenre stärker ins Kino bringen. Aufwendige und hoch budgetierte Produktionen will ich sehen. Leider glänzt gut gemachte classic Fantasy im Kino noch immer mit Abwesenheit.

  4. Hallo Mháire,

    ich glaube du triffst mit deiner Rezension den wesentlichen Punkt, indem du anfangs an den „ersten HdR-Winter“ erinnerst. Wir sind verändert – kann der Film ähnlich resonieren, wie vor 11 Jahren? Vielleicht ja, doch sicherlich nur mit reduziertem Pathos. Gut, dass P. Jackson sich – das hoffe ich zumindest deiner Besprechung entnehmen zu können – als Meister der kleinen Form versucht; gediegen schmückt, nicht episch inszeniert. Ein widerwilliger Freeman-Bilbo hat mich dann endgültig zum vorweihnachtlichen Kinogang überzeugt. In diesem Punkt konntest du mich als Kennerin der Rolle überzeugen. Ich gratuliere zur Homepage und danke dir für die Rezension.
    Welche Vorstellung empfehlt ihr mir? 2D od. 3D? Auf diese Framerate-Sache werde ich verzichten.

    LG Flo

    • Ich hatte stark das Gefühl, dass der Film für seine Bilder kein 3D braucht, um ebenso gut zu wirken. Dann kann man auch 2D nehmen und Geld sparen ^^.

  5. Das erste, was ich zu meiner Tochter nach dem Film sagte:
    „Mir war das zu viel aktion, da hat jemand zu viel 3D effekte zeigen wollen“
    Die Handlung war eigentlich gut, die Zwerge empfand ich im Gegensatz zu dir eigentlich wirklich gut gelungen, die sind auf Mittelerde halt so angelegt. Summa sumarum muß ich sagen, der Film hätte von mehr ruhigen Szenen ala Avatar sehr Profitieren können. Fantasystimmung läßt sich durch liebevolle Szenen in 3D besser darstellen, als durch pure Aktion ala Terminater, wenngleich selbst der mehr ruhige Szenen vorzuweisen hat als der Hobbit 😉
    P.S.: Ich dachte bei dem Braunen glücklicherweise an Harz eines verwundeten Baumes.

  6. Der Film hatte doch ruhige Szenen.
    Bruchtal? Anyone?…
    Ist halt der Buchvorlage geschuldet. Da gibts auch nicht viel ruhige Szenen. Ist halt ne Abenteuerqueste, da hat man wenig Zeit.
    Also ich fand den Film geil.
    Auch unterhaltsamer als die Herr der Ringe Trilogie. Die hatte teilweise ein paar Längen.

  7. Leider habe ich Mháires Hinweis nicht zu Ernst genommen, und mich erstmalig mit in einen 3D-Film gesetzt. Gott sei Dank gewöhnten sich die Augen recht schnell an das verschwommene Bild, und die mir verbliebenen Hirnwindungen konnten, so bilde ich mir zumindest ein, teilweise zusammensetzen, was ohne getragene Brille naturgemäß auseinanderstrebte. Doch den engen Bügel auf der Nase; das Sichtfeld verdunkelt und verengt, schien mir der Filmgenuss völlig unmöglich und die zusätzliche Dimension nach kurzer Betrachtung auch unnötig, gar verlogen.

    Nun zu dem Film: Die Kunst der Requisiteure, Bühnen- und Kostümbildner, lässt die Möglichkeit bestehen – ja, wahrscheinlich sein, dass ich die Trilogie weiterhin im Kino verfolge; und dies, trotz des übelsten Klamauks (leider kein erzürnter Superlativismus), polternd vorgetragenen Gemeinplätzen und triefendem Pathos. Der durchaus inspirierte Bilderbogen, wird einer anbiedernden, witzelnden Gefallsucht geopfert. Echte Bedrängnis, oder entstehende Verhängnis verpufft frühzeitig wegen dem Deus ex machina, der mit bestechender Pünktlichkeit auftritt, wie Mháire zu Recht betont. Diese dramaturgische Problematik ist im Hauptwerk besser gelöst – Gandalf ist selbst (Mit-)Bedrohter. Im neuen Film wird es nie existenziell, da hilft auch kein Hinweis von Eichenschild auf die Ernsthaftigkeit der Orkengefahr – die Bierseligkeit wohnt der Gruppe inne. So weit, so gut. Es hätte ein interessantes Mittelerde-Diorama mit hübsch gefassten Zinnfiguren werden können und dürfen. Meinetwegen auch halb- statt vollplastisch. Jackson zieht es jedoch vor, vieles liebevoll Arrangierte, mit seinen banalen und deplatzierten Dialogen, die an präfaschistischen Kitsch grenzen, zu entwerten. Poetische Triebe werden unnötig von seinem Hang zur Erhöhung erstickt, an der die herzhaft gezeichneten Figuren folgerichtig scheitern müssen. Konfliktebenen des Buches überspitzt er künstlich (Zwerge versus Elfen, Zusammengehörigkeitsgefühl), was an der Vorhersehbarkeit ihrer Entladung fehlschlägt, die dezidiert schon im ersten Teil erfolgt. Eine Verzauberung geschieht gleichwohl über weite Strecken visuell, auch musikalisch, und lässt versöhnlich stimmen. Ja – viele Stimmungen faszinierten mich mehr, als es Szenen aus dem „Herr der Ringe“ konnten, und machen mich auf eine eigentümliche Weise zu einem Wartenden, wenn auch (des)illusionierten. Warum die narrative Monumentalisierung und (bisher gescheiterte) zusätzliche Sinnstiftung? Tolkien schrieb bekanntlich zuerst den „Hobbit“, wie viel wirkliche Freiheit hat sich Jackson dabei genommen, Bilbos (kleine) Geschichte eigenständig zu inszenieren, nachdem er den epochalen Ringkrieg verfilmte?

  8. Hallo Mhaire,
    Deine Rezension gibt gut meine Empfindungen beim ersten Sehen des Films, wie auch beim erneuten Anschauen ein Jahr später, wieder.
    Wie gefällt Dir der zweite Teil – mir gefiel er deutlich besser, u.a. weil die Zwerge nicht so trottelig dargestellt wurden? Ich war erstaunt, wie es gelingen konnte, recht wenig Buchseiten in einen Film (mit Überlänge) zu gießen, ohne das dieser langatmig wird.
    Ich war sehr skeptisch vor dem Film und war dann erstaunt, dass er „schon“ zu Ende war.
    Gruß,
    Alexander

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