Die Legende von Heinz …

… oder warum Markus Heitz mir 7 Euro 50 schuldet.

 

So ein Blog ist eine Schlimme Sache. Haufenweise Themen habe ich verworfen, weil zu unwichtig, zu rechthaberisch dargestellt, zu profan und … egal. Blogs sind glaube ich ja dazu da, seine Meinung ins Internet zu brüllen und zu schauen, wer zuhört.

Heinz Uhrwerk Verlag

Heinz in seiner Funktion als Uhrwerk-Eule

Die heutige Geschichte ist allerdings durchaus wichtig (für mich) und ich erzähle sie immer mal wieder gerne, einfach wegen ihrer Abstrusität – aber aufgeschrieben habe ich sie noch nie. Ändern wir das doch einfach mal. Es geht um Heinz. Oder besser Prof. Dr. Dr. Dr. Dr. Heinz Featherly (einer der Doktortitel wurde posthum verliehen), Co-Moderator der Orkenspalter TV-Sendungen, kosmische Urentität, Ewige Eule, Fachvogel für Rollenspiel und inzwischen ein ausgesprochen abgegriffenes Plüschtier.

Heinz hat sich zu einem überlegen-boshaften Wesen entwickelt, das Bücher sarkastisch kommentiert und irgendwie auch als Maskottchen für den Uhrwerk-Verlag dient. Im Rahmen letzterer Funktion bekam er ein leicht abgewandeltes Portrait als Banner für die Heinz-Con spendiert und daraus wurde wiederum eine Miniatur entwickelt.  Ja es gibt eine Heinz-Con. Geht hin.

 

Miniatur zur Heinzcon

Heinz wird zum Bild wird zur Figur: Wer eine Miniatur haben will, muss zur Heinzcon kommen.

Es gibt eine Miniatur von meinem Plüschtier. Kopien von ihm werden auf Rollenspiel-Cons verkauft und mittlerweile muss es weit über hundert Besitzer anderer ‚Featherlies‘ geben. Es wurden schon Menschen beobachtet, die sich dem Uhrwerkstand mit den Worten „Was kostet der Heinz?“ nähern anstatt mit „Was kostet so eine Plüscheule?“.  Viele Personen aus meinem Umfeld fluchen unterbewusst auf Heinzisch, indem sie leise Näknäknäk vor sich hin nörgeln. Vollkommen bescheuert! Ich finde es großartig.

Denn in erster Linie ist Heinz doch mein Plüschtier. Er hat nur irgendwann (zur Rezension des Abenteuerbandes ‚Der Mondenkaiser‘) angefangen, Orkenspalter TV mit zu moderieren. Und da hat er sich direkt als Facheule für Das Schwarze Auge-Historie und genialer Imitator hervorgetan. Irgendwie wurde es dann immer abgefahrener, wo genau er seinen ersten Doktortitel und seine Professur her hat weiß ich gar nicht mehr – die nächsten zwei Doktortitel brachte er aus einem Urlaub in Bayreuth mit. Das war zur guten Guttenberg-Zeit. Und der vierte Doktor kam nach seinem scheinbaren Tod. Ja, es gab eine Menge und vor allem konfuse Story in den Formaten, in denen Heinz mitmischte, wie Verschollen im Limbus und die Late Nerd Show.

Heinz im Batman-Kostüm

Ein Meister der Tarnung: Heinz in seinem schnabelgefertigten Batman-Kostüm zu den Filmen von Tim Burton – ein unvergessener Late Nerd Show-Auftritt.

Aber wo kommt er her?

Es war an einem eher diesigen Samstag  2009. Ich war auf dem Weg von Hamburg nach Münster, wie des Öfteren an einem Wochenende, und nutzte dazu die erprobte Kombination aus meinem Semesterticket und dem Länderticket Niedersachsen. Allerdings war ich übereifrig zu früh aufgestanden und aus Versehen (tatsächlich aus Versehen! Ich bin noch nie in meinem Leben bewusst schwarz gefahren) in Osnabrück 10 Minuten zu früh in den Zug gen Bremen eingestiegen. Wie ein Schaffner bemerkte. Nachzahlen war dank frisch demagnetisierter Kreditkarte (Kinder, kauft euch keine billigen Portemonnaies mit zu starken Magneten) nicht möglich und so wurde ich Kulanz genau um neun Uhr, also zum Beginn der Gültigkeit meiner Karte, irgendwo in der Pampa mit meinem Gepäck ausgesetzt anstatt auch  noch wegen Schwarzfahren zu löhnen.

Das Wetter war scheiße.

Eine Stunde später kam der nächste Zug und ich war zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon fertig genug mit der Welt und spätestens in Bremen, nach der Freude des vollen Nahverkehrs, brauchte ich eine Pause.

Und deswegen stromerte ich mit meinen Taschen in den dortigen Bahnhofsbuchhandel und stellte mich vor das Fantasy-Regal. Gleichförmige Titel und Cover blickten mich dümmlich an. Schweren Herzens griff ich nach einem Band von Markus Heitz: Legenden der Albae. Kann man ja mal eine Chance geben und ansonsten sprach mich auch nichts anderes wirklich an.

Und in den wenigen Minuten, die ich die ersten paar Seiten las, war ich derart abgelenkt (leider nicht wegen meiner Begeisterung aber das steht auf einem anderen Blatt), dass jemand das Portemonnaie samt kaputter Kreditkarte, Kontokarte und all meinen Papieren aus meiner Schultertasche stibitzte. Und ganze 7 Euro 50 erbeutete.

Danke Markus Heitz. Ob der Taschendieb gezielt vor dem Fantasyregal wartet, um entsetzten Frauen mit kaputten Sneakern und abgewetzter Tasche das letzte Kleingeld zu klauen? Eine gute Masche wär’s.

Ich kam an dem Tag noch nach Hamburg. Aber die Laune war im Keller: Irgendwo in der gottverlassenen Einöde Niedersachsens hatte ich eine Stunde im Regen gestanden, die üblichen anstrengenden Faktoren eines Regionalzugs am Wochenende hinter mich gebracht und all meine Papiere und Zahlungsmöglichkeiten verloren. Hotline zum Sperren von Karten fragte übrigens nach der Kartennummer: Hand auf’s Herz, wer kann die auswendig? Ich bin ja froh, wenn ich Kontonummer und Bankleitzahl drauf hab.  (Und um all das abzurunden hatte ich auch noch ganze fünf Seiten Legenden der Albae gelesen.)

Und zur Aufheiterung zerrte mich der Besuchte Hamburger in einen Plüschtierladen am Bahnhof. Da gab es übermhairegroße Giraffen, lebensgroße Geier, Raubkatzen, Elefanten und was sonst alles irgendwo von Steiff und co. hergestellt wird. Und ich entschied mich ausgerechnet für eine kleine weiße Plüscheule mit krummem Schnabel  und taufte sie Heinz.

Fortan lebte sie immer in irgendeiner Tasche von mir, löste mindere Panikattacken aus wenn sie scheinbar verloren gegangen war und verlor Stück für Stück ihre jungfräuliche Flauschigkeit. Aber selbst wenn Heinz heutzutage wie ein biestiger bis boshafter Menschenhasser auftritt, weiß ich, irgendwo in seiner zerknautschten Bärchenwolle verbirgt sich ein noch nicht verfilzter, weicher Kern. Weil er an einem ansonsten echt beschissenen Tag für gute Laune sorgen konnte.

Im Grunde ist Markus Heitz der Grund, warum ich Heinz habe. Oder besser, warum Heinz auf etwas gruselige Art und Weise Teile meines Lebens übernommen hat und derzeit in der linken Jackentasche residiert. Da kann ich dann doch auch kulant auf die 7 Euro 50 verzichten, die mir wegen seines Buches geklaut wurden.

So. Jetzt ist sie vielleicht nicht auf ewig, aber doch mal in fester Form niedergelegt worden: Die Ursprungslegende von Heinz. Leider kommen keine Götter und Kämpfe gegen Dämonen darin vor, aber immerhin sehr wirksame Literatur, ein Meisterdieb und das Grauen des ÖPNV.

Und, war’s schlimm? Hat euch jemand was beim Lesen geklaut und wenn ja was? (Und sagt nicht: 5 Minuten Lebenszeit). Und worüber zur Hölle schreibe ich das nächste Mal …

9 Gedanken zu “Die Legende von Heinz …

  1. 😉 Zumindest kann ich das Grauen in den ÖPNV zwischen Osnabrück und Münster nachvollziehen. Die Strecke fahr ich auch oft und ich kenne auch das (eher langweilige) Regal, aber zu ner Eule hab ich es noch nicht gebracht 🙂
    Und übrigens: Nein, ich habe Dein Portemonnaie nicht geklaut. Sneaker-tragegende Frauen sind gefährlich hab ich mir sagen lassen 😉

    VG
    Micha

  2. Endlich. Ich frage mich, warum ich nie danach gefragt habe…aber wahrscheinlich aus der irren Idee heraus, dass du es irgendwann einmal auf nem Blog verheinz…verheizen würdest! Nun kenne ich die Wahrheit – nur wie er gestorben ist, das weiss ich nicht. Hab wohl ne Folge verpasst.

  3. Wie jetzt? Da lasse ich mir einen Featherly von der RatCon mitbringen, der wegen widriger Umstände noch immer nicht in meinem Haushalt angekommen ist – und nu hätte ich ihn einfach in meiner Heimatstadt am Bahnhof kaufen können? Verdammt *g*

    Aber eine schöne Geschichte (und ich bin mir sicher, der ÖPNV hat auch die ein oder anderen Dämonen in seinen Reihen…) und mal wieder der Beweis dafür, dass viele coole Dinge aus Zufällen entstehen 😉

    Man sieht sich auf der HeinzCon 🙂
    LG
    Curima

  4. Weißt du zufällig noch, wo genau er dich da aus dem Zug geworfen hat? Ich habe da (oder 30 km weiter) gut 18 Jahre meines Lebens verbracht und wenn mich nicht alles täuscht, hat es da auch immer geregnet.

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