Mama, ich bin mit Divinity im Fernsehen! … Internet … ach ist doch eh dasselbe …

Ich bin ein kleines Lichtchen im Verlag oder besser gesagt fühle ich mich meist so. Die Videomaus halt, die Sachen schneidet, Dinge in die Kamera sagt und die Monatsvorschau einspricht. Die muss aber nicht notwendig Ahnung von Games haben (dass sie sie hat schadet aber auch nicht) und Tests, Events, Weltreisen, cooles Zeugs halt machen die erwachsenen Redakteure. Die nicht alle wirklich älter sind als ich, aber vielleicht ein größeres Selbstbewusstsein mitbringen.

Fassen wir es kurz zusammen: Einen Livestream mit einem Studiochef eines noch nicht erschienenen Spiels mache ich für gewöhnlich nicht. Außer mit den Larian Studios. Die extrem entspannten netten Belgier von nebenan, die mit Divinity: Original Sin ein entschleunigtes Rollenspiel machen, mit Dialogen, Entscheidungen, großer Welt und rundenbasiertem Kampf. Und vor allem mit einem ausgesprochen schlau angelegten Koop-Modus, in dem ein zweiter Spieler jederzeit über LAN oder Internet ein- und wieder aussteigen kann.

Und genau das durfte ich machen. Reinhüpfen, einen der beiden Hauptcharaktere übernehmen und loslegen. Und es. Ist. Toll! Vermutlich sollte ich mich zurückhalten mit Fangirlismus als Person des verminderten öffentlichen Nischen-Gruppen-Unterabteil-links-in-der-Ecke-Interesses. Also als jemand, der nicht mehr nur ganz privat online unterwegs ist. Aber ich will!

Es ist schön. Hübsch. Es hat die Stimmung eines Frühlingstags in der Toskana (zumindest dort wo wir unterwegs waren aber es soll seeeeehr groß sein), es ist voll mit Kleinigkeiten und Krims und Krams und Humor. In der eben gezocken Pre-Alpha war vieles noch nicht fertig, Icons fehlten und es gab auch noch keine Vertonungen, aber irgendwie hat mich das nicht gestört. Es war … ja es war wie in der Guten Alten Zeit ™ aber flüssiger, moderner und satt was für’s Auge. Und dabei ein fortlaufender Kommentar mit Studio-Gründer Swen Vincke, mit dem ich über das Töten von Katzen-NPCs diskutieren konnte.

Man kann mit Tieren reden (und Antworten bekommen), wie im ersten Divinity Teleporterpyramiden benutzen, Haushaltsgegenstände zu Waffen und Rüstung umfunktionieren und sich mit dem Koop-Partner über Entscheidungen streiten. Es ist ein Spiel für Leute, die gerne ausprobieren – nicht nur wegen der Item-Bastelei, sondern auch wegen der unterschiedlichen Wege die jede Quest auf Basis der Dialoge einschlagen kann. Prügle ich mich mit den Wachen oder folge ich ihnen? Flirte ich mit der badenden Dame, in deren Zimmer ich gerade erschienen bin, fliehe ich oder gebe ich ihr (!) eine Backpfeife? Wah! Die Möglichkeiten! Es ist, als habe jemand eine Hirnprobe bei mir unternommen und versucht herauszufinden, welche Art von Spiel ich gerne hätte.

Nämlich genau dieses. Und ja, ich mag auch rundenbasierte Kämpfe, wo man mit Aktionspunkten hantieren und sich seine Handlungen überlegen muss, um nicht das Zeitliche zu segnen. Ich fühle mich gerne schlau beim Zocken und dazu braucht es entweder Rätsel (und wo gab es bitte das letzte Mal richtig Rätsel in einem Spiel, abgesehen von, naja, Rätselspielen wie Professor Layton?) oder ein Kampfsystem, bei dem ich mir nach geschickter Kombination von Aktionen selber auf die Schulter klopfen kann oder bei absolutem Versagen verschämt einen Blick in die Runde werfe, ob mir jemand zugesehen hat. Reaktionen und Kenntnis jeder Taste auf meiner Tastatur oder meinem Gamepad in allen Ehren, aber diese altmodische Art von Skill mag ich einfach.

Außerdem sollen im Alter die Reflexe nachlassen, also ist das vielleicht der Trend der Zukunft, während wir Gamer langsam dahinrunzeln und sich eine Kluft zwischen CoD-Kiddies und uns auftut.

Und ich durfte dabei sein. Ich habe die Pre-Alpha gezockt und mich wie eine von den Großen gefühlt, während die Zuschauer mit meinem Englisch kämpfen durften. Ich sag euch, das ist einer der Momente, wo der Job einfach nur unbegrenzt Spaß macht. Danke an Larian, nicht nur für ihr cooles Spiel, sondern auch für die Einladung. Und danke an den Kollegen Viktor Eippert, der mir als Dame den Vortritt gelassen hat, nachdem die Einladung nach seinem Studiobesuch als erstes auf seinem Tisch landete. Ich schwimme jetzt noch ein bisschen mit meinem Hype-Amphibienmobil auf der Welle der Begeisterung und lasse euch mit diesem wirren Statement zu oldschool-gaming, Rollenspielen und dem Videoredakteursleben im allgemeinen alleine.

Oh und by the way: Support the Divinity: Original Sin-Kickstarter 😉.

P.S.: Eine gekürzte Best-Of-Version der Session wird es wohl auch die nächsten Tage geben.

6 Gedanken zu “Mama, ich bin mit Divinity im Fernsehen! … Internet … ach ist doch eh dasselbe …

  1. Zum Thema Selbstbewusstsein:
    DU bist nicht die Video-Maus oder die Anchorwoman.
    DU bist das Gesicht von buffed,
    DU zeigst Dein Gesicht, wenn Deine Unterstützter (Zuarbeiter?) im Back-Office Fehler machen.
    DU stehst vorne in der Öffentlichkeit und
    DU moderierst wo andere sich hinter ihren Rechnern verstecken.

    Daher Kopf hoch und zeige allen was Du kannst.

  2. Also nee, das du hier eine Redakteurin aus der zweiten Reihe sein sollst, finde ich nicht.

    Du machst einen super Job, deine Stimme ist sehr sehr angenehm und gibt dem ganzen so eine gewisse Art. Der Redefluss von dir ist einfach nur klasse und ich höre gerne zu, wenn du einfach nur einen off Text sprichst (heißt das so?).

    Du machst deinen Job einfach gut und auch für dich kommt dann irgendwann die Zeit, wo du auch größere Sachen machst. Man muss sich halt hocharbeiten und ich denke als Frau in dieser Branche ist dies doch schon etwas schwerer. Das ist vielleicht unfair, aber du hast definitiv das Potential das durch zu stehen und deinen Platz zu finden.

    Ich denke das jeder von deinen Kollegen eben so Unsicher ist wie du, nur die verbergen es besser, bzw. du fühlst deren Unsicherheit ja einfach nicht, so wie du deine fühlst….(ergab das jetzt einen sinn?).

    Worauf ich hinaus will. Ich bin ein „Fanboy“ deiner Arbeit und bin immer gespannt, wenn du etwas schreibst, sprichst oder vor der Kamera stehst.

    Danke für deine Mühe!

    • Danke!

      Und ja, es mag durchaus sein, dass auch die ‚Großen‘ Kollegen sich oft genug unsicher sind (hehe, Herr Haake musste bei einem Interview mit Richard Garriott auch mit seinem eigenen Fanboy-Tum kämpfen) aber sie haben schon einen anderen Stellenwert als die ‚Videomaus‘.

  3. Liebe Mhaíre,
    ich kann leider nicht sagen,wie lange du jetzt dort bist,aber ich habe vor kurzem deine (Video)beiträge gesehen,und finde du machst das besser als die Anderen.
    Mit deiner Art,deiner tollen Stimme (ich könnte dir stundenlang zuhören) und deinem ganzen Wesen bist du für mich professioneller als alles,was ich vorher bei diesem Verlag gesehen habe, und die sollten sich glücklich schätzen dich zu haben. Ich denke,wenn du so weitermachst, wird man auch dich auf mehr Reisen (mit)schicken.
    Ich habe durch deine Videos und deinen Namen(kannte bis jetzt nur Maíre Brennan,bzw ein Lied von Clannad“Mo Mháire“,und habe ein Faible für keltisches,gälisch,etc.) mehr sehen wollen,und bin auf deinen eigenen Seiten gelandet,und bin voller Bewunderung,was du schon alles gemacht hast. Deine Texte sprechen von Phantasie, Feinsinnigkeit und Sensibilität und ich habe selten jemand so gut formulieren, und ohne Rechtschreibfehler schreiben sehen. Also,laß dich nicht verunsichern,mach weiter so, ich glaub an dich! Und falls du es noch nicht getan hast,gehe zu deinem/deiner Chefredakteur/in und sag Ihnen,dass du die Herausforderung suchst und mehr unterwegs sein willst. Ich könnte bei dir nicht nein sagen *g* Viele liebe Grüße-Nat

    • Danke! Wargh! Ich bin peinlich berührt. Und übrigens: Ich bin tatsächlich nach der dir bekannten Maire Brennan benannt. Mein Vater ist ein riesen Clannad-Fan, gab mir aber den gälischen Vokativ als Schreibweise im Pass mit ^^.

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