Guardians of the Galaxy: Review

hr_Guardians_of_the_Galaxy_9Gerade hier in Deutschland waren die Guardians of the Galaxy in Comicform nicht gerade die größte Nummer. Dann hat Marvel einfach mal einen Film zu der schrägen Truppe gemacht und plötzlich kann man sich vor Kommentaren, die schlicht nur „I am Groot“ sind nicht mehr retten. Hype! Macht nix, ich mag die Guardians, bin aber verblüfft, dass ein knallbuntes Sci-Fi-Fantasy-Abenteuer so gut bei der Masse ankommt. Das Timing ein Jahr vor Star Wars-Nachschub war für die Sammlung an Aliens und Raumschiffen sicher auch keine schlechte Entscheidung, Mutterkonzern Disney weiß wohl schon, was man da tut. Also bin ich guten Mutes in eine Vorführung mit englischem Originalton gegangen, die noch im Rahmen der Gamescom stattfand.

Für alle, die bislang vielleicht nur einen Trailer gesehen haben – worum geht es eigentlich? Es geht um die Dimensionen des Marvel-Universums, die die Filme bisher nur angekratzt haben. Da ist nämlich ein riesiges All voller schräger und häufig sehr unangenehmer Figuren, die abseits der Erde fröhlich riesige Zivilisationen aufbauen oder zerstören. Bisher durften Chitauri auf New York losgehen, aber mit den Guardians bekommen wir die volle Packung Aliens und Weltall und der Metaplot um Abspannszenen-Fiesling Thanos, den verrückten Titan, läuft weiter an.

Und wie es sich laut Comic-Hintergrund gehört, haben Thanos und alle, die für ihn arbeiten, großes Interesse an mächtigen Artefakten, die allgemein als die Infinity Stones gehandelt werden. Der Tesserakt und der Aether, beide schon durch Thor und Avengers bekannt, gehören zu dieser Sammlung, Guardians dreht sich um eine weitere solche Macht. Als Bösewicht-Vertretung darf Ronan the Accuser, Angehöriger der militaristischen Kree und auf einem rassistisch-religiös motivierten Feldzug unterwegs, zusammen mit einer Ziehtochter von Thanos den Hammer schwingen. Weil man als abtrünnige moralische Instanz eines Imperiums keine kleinen Sachen macht, will Ronan auch direkt einen ganzen Planeten vernichten, weitere sind sicher optional.

Wer kann da was unternehmen? Durch einige schicksalshafte Verstrickungen ist es ausgerechnet eine Truppe aus einem Erdenmenschen, einer weiteren Tochter von Thanos, einem Berserker auf der Suche nach Rache, einem hochintelligenten Alien im Waschbärenlook und einem laufenden Baum, die sich in der Retterposition wiederfindet. Das sind alles, bis auf den Menschen Peter Quill/Starlord gar nicht mal die ältesten, aber die beliebtesten der Guardian-Comicfiguren. Die dürfen sich hier zusammenraufen und für das Filmuniversum die erste Iteration des interstellaren Teams bilden.

Laufende Bäume, Waschbären und ein 80er-Soundtrack dank des Erdenmenschen haben schon vorab meine Begeisterung geweckt, aber es gab da noch ein kleines Problemchen beim Hype. Der Film ist von James Gunn, dem ich etwas zwiespältig gegenüber stehe. Der Mensch hat einen sehr abgefahrenen Humor in seinen Filmen, trifft dabei aber nicht immer meinen (vielleicht zu zimperlichen) Geschmack. Super habe ich zum Beispiel gar nicht so viel Sympathie entgegenbringen können – und das trotz der teils großartigen Besetzung. Wie inszeniert der Mann, der als Nebenprojekt schlechte Pornos ohne Sex dreht, eine Marvel-Space-Fantasy?

Das beantworte ich für Lesefaule zusammen mit Nico auch anderweitig nochmal in der Late Nerd Show, wobei wir darin vor allem auch die Schwächen des Films diskutieren:

Aber weiter im (geschriebenen) Text: James Gunn, Marvel-Space-Fantasy, wie sieht das aus? Nie langweilig auf jeden Fall. Das Timing ist immer flott, die Dialoge purzeln gekonnt und albern daher und bei den Actionszenen bekommen wir ein anständiges Tempo geliefert, ohne den Überblick zu verlieren. Vor allem aber hält sich der Film brav an ein paar Grundregeln, deren Missachtung mich regelmäßig bei anderen Genre-Blockbustern auf die Palme bringt. So weiß man nach den ersten fünf Minuten, welchen Tonfall der Film haben wird, und es gibt keine unangenehmen Umschwünge. Es wird episch, immer rechtzeitig gebrochen durch Humor und eine sympathische Aufsässigkeit der Figuren.

Mindestens ebensowichtig ist das gekonnte Vorauszeigen von Dingen, die in dem Universum möglich sind. Waffen, Eigenheiten der Umgebung, Fähigkeiten der Figuren – was Welt und Gadgets können, wird beiläufig oder als Ausstaffierung einer anderen Szene gezeigt, bevor es dann wirklich plotrelevant wird. Niemand holt hier den Deus ex Machina 2000 ™ aus der Tasche, um in letzter Sekunde alles zu retten. Danke für die Einhaltung dieser simplen, aber für die Glaubwürdigkeit der Welt wichtigen Regel.

Kommen wir zu den Charakteren. Chris Pratt als Starlord ist hervorragend, das komödiantische Timing sitzt und spontane Tanzeinlagen geben Bonuspunkte. Groot und Rocket (Raccoon) sind mit ihrer Stimmbesetzung von Vin Diesel und Bradley Cooper vielleicht etwas schräg, aber beides passt einfach nur perfekt. Der rotzfreche und betrunken-weinerliche Bomben bauende Alien Rocket wird wunderbar schnodderig gesprochen – und Vin Diesels grummelnder Bass verleiht den Varianten von „I am Groot“ (mehr kann der Baum nicht sagen) eine erstaunliche Bandbreite. Ansonsten kommen beide Figuren direkt aus dem Computer und auch wenn ich nicht immer ein Freund von CGI-Figuren bin – es funktioniert. Ein wenig ahnt man immer, dass das plüschige Fell von Rocket nicht echt ist, aber die Modelle sind ausreichend nichtmenschlich, als dass man das alles akzeptiert. Sogar der mit Tattoos beklebte Drax ist wirklich überzeugend, Bautista nimmt man eben auch den körperlichen Part der Rolle problemlos ab – und trotzdem spielt er den Klotz herrlich auf den Punkt.

Mit Gamora habe ich allerdings ein Problem. Nicht unbedingt wegen des Looks, auch wenn Zoe Saldana mir ein bisschen zu dünne Arme hat für die aus den Comics bekannte muskulöse Kampfmaschine. Sondern eher, weil der starke, sture und selbstbewusste Charakter weite Strecken eher den Eindruck einer Damsel in Distress macht. Die anderen Charaktere sind vielleicht etwas eindimensional, aber bei Gamora ist der Versuch, ihr mehrere Ebenen zu verleihen – Krieger, Mädchen, Verzweifelte auf der Suche nach einem neuen Leben – einfach nicht aufgegangen. Auch will nicht wirklich einleuchten, warum zur Hölle Starlord im Laufe des Films sein Leben für sie riskiert.

Und damit wären wir beim Hauptproblem des Films. Man bekommt nicht wirklich mit, warum die Charaktere aus einem Zweckverband gewalttätiger Chaoten zu Leuten werden, die in fast schon Anime-mäßiger Aufdringlichkeit ihre Freundschaft zueinander betonen. Hier fühlt es sich sehr deutlich so an, als wäre der Film noch einmal deutlich gekürzt worden – und zwar um die Charakterentwicklung. Eben schießen sie noch aufeinander, dann retten sie sich gegenseitig, eine Zwischenphase gibt es nicht wirklich. So bekommen wir als Interaktion haufenweise wirklich sehr gut geschriebene und gespielte schräg-humoristische Zeilen, aber wann immer es hätte mehr werden können, wirkt es bemüht. Schade.

Das soll nicht heißen, dass Guardians nicht insgesamt ein großartiger und absolut unterhaltsamer Film ist. Er liefert einfach nur nicht mehr als Unterhaltung (was auch vollkommen okay ist), hat aber immer wieder mal Momente, wo man so tut als ob es noch sowas wie Charakterentwicklung gäbe – aber nix dahinter ist. Ich werde trotzdem auf jeden Fall nochmal in den Film gehen, seinen Look und seine tollen Einzeiler feiern und ich empfehle auch jedem anderen, der Lust auf ein buntes Weltall hat, dasselbe zu tun.

Hoogachaka.


Monty Python Live (mostly): London Calling

Titel

Es wurde noch sehr viel voller – und ich habe noch die zwei Stunden bis Start gehibbelt.

Meinen Eltern habe ich unter anderem dafür zu danken, dass ich mit Monty Python aufgewachsen bin. Ich verfechte hiermit, dass eine frühe Prägung mit skurrilem Humor mich vor einem langweiligen Dasein bewahrt hat, in dem ich noch unlustiger wäre als jetzt.

Aufgewachsen heißt leider, neben einem mit Zitaten angereicherten Kindheitsumfeld, auch, dass Monty Python für mich etwas der fernen Vergangenheit ist. Okay, wenn wir mal objektiv drauf schauen, sind vierzig Jahre plus minus ne Handvoll je nach Staffel oder Film auch schon echt viel und die gemeinsame Arbeit der Herren war beendet, bevor ich geboren wurde.

Applaus

Da stehen sie.

Umso geiler, sie live zu sehen. Mit ein paar Freunden (und meinem Partner) war ich diese Woche im brütend heißen und trotzdem immer noch großartigen London, um eine kulinarische Stadtführung zu erhalten, das obligatorische Dr Who-Mitbringsel zu erstehen, in meiner liebsten Touristenfalle in Camden herumzulungern, natürlich auch was Kleines zu drehen und dann in die O2-Arena zu stöckeln, um mir die Show anzuschauen. Die letzte (vermutlich).

Da saß ich also, jünger als die gemeinsame Auftrittspause dieser Truppe, und schaute mir fünf alte Säcke an, die vierzig Jahre alte Witze erzählten. Viel Neues ist nämlich nicht in der Show, fast alles sind liebgewonnene Klassiker, die aber nahezu alle um einige Zeilen erweitert und aktualisiert wurden. Und dann in erster Linie, um sich über sich selbst lustig zu machen. So diskutieren die Richter in Strapse die Scheidungen von John Cleese und die Hausfrauen vorm Fernseher kommentieren Michael Palins Reisedokus. Zwischendurch werden Szenenwechsel auch von vollkommen unveränderten Clips aus dem Flying Circus begleitet, die flimmerig und in 4:3 auf die Leinwand projiziert werden.

Sperma

Every Sperm is Saaaacreeeeed …

Scheißegal! Ich fand’s super. Ich musste trotzdem wieder lachen über dieselben Sketche und ein wenig mit der Rührung kämpfen, wenn Archivmaterial von Graham Chapman eingeblendet wurde – in dessen Ehre die Show ja auch Live (mostly) heißt und vom Untertitel One Down – Five to Go! begleitet wird. Die Pythons wissen, dass sie alte Säcke sind und alte Witze erzählen, aber das tun sie mit einem grandiosen, augenzwinkernden Charme. Terry Jones braucht dabei bei längeren Texten wie zu ekelhaften Pralinenkreationen auch schon mal einen Zettel als Gedächtnisstütze, aber das Timing sitzt immer noch perfekt. Terry Gilliam scheint sich fast noch am wenigsten verändert zu haben und schneidet dieselben überzogenen Grimassen als Inquisitor oder Hilfsconstable. Eric Idle … naja der lebt ja ohnehin in der Python-glücklichen Vergangenheit mit Gralsmusicals. Die meiste Freude hatte ich aber an Michael Palin und John Cleese, die immer noch genauso unglaublich unterhaltsam sind wie zu Flying Circus-Zeiten (und in allem anderen, was sie seither so gemacht haben).

Die versammelte Altherrenmannschaft hat dann mit Selbstironie, Falsett, schrecklichen Kostümen und altbekanntem Unsinn regiert – und sich dabei Hilfe von einer Truppe knackiger Tänzer und Tänzerinnen geholt, die in herrlich bescheuerten Choregraphien heiliges Sperma, den Silly Walk und den Besitz von Geschlechtsteilen betanzten. Dazu kam eine Bühnenshow mit Landung in der „RETARDIS“ (höhö… Dr Who Kalauer … höhö), riesigen Peniskanonen, und einzelnen Sets, die für die Sketche passend nach vorne gefahren wurden.

Und wer dann nicht mit einem breiten Grinsen und einem Tränchen im Auge zum Abschluss „Bright Side of Life“ mitgesungen hat? Den gab’s nicht. Wer sowas nicht tut, geht zu so einer Show schließlich auch nicht hin.

Collage

Kleine Zusammenstellung von Sketchbildern

Es war toll, diesen fünf alten Säcken zuzusehen. In meinem Kopf zusammen zu bekommen, dass das dieselben Typen sind, die ich von klein auf auf der Mattscheibe hab flimmern sehen. Dass die immer noch Spaß an ihrem Job haben und Eric Idle zwischenzeitlich in einem Sketch Probleme hat, angesichts von John Cleese in Perücke und mit Falsetthüsteln ernst zu bleiben.

Dieser London-Ausflug hat glücklich gemacht. Und ich werd‘ noch ewig davon erzählen, dass ich die live gesehen habe! Dafür sind „Letzte Touren“ schließlich da, oder?

 

P.S.: Mann bin ich im Hintertreffen. Ich hab noch die Horasia-Con und anderes auf der Halde, über das es sich zu schreiben lohnen könnte. Man sieht sich also bald wieder!

P.P.S.: Ihr habt nicht das Glück, Monty Python reichlich in eurem Leben zu haben? Ändert dies! Klassiker finden sich auf Youtube, Arte Concert überträgt während ich dies tippe eine Aufzeichnung der Liveshow. Viel Spaß!

http://concert.arte.tv/de/montypython


Rollenspiel – und die Regeln

Heute mal ein kurzer Beitrag zu Rollenspielphilosophien – da gibt es vermutlich mindestens so viele von wie Rollenspieler, aber ein paar große Strömungen ziehen sich doch durch den weiten Ozean der Hobbyhelden. Nämlich das akkurate Spiel, bei dem man sich an die Regeln hält und dabei natürlich auch die Schwächen und Stärken des jeweiligen Systems genau kennt und auslotet. Und das erzählerische Spiel, dem Regeln meist ziemlich egal sind und das sich auf die Welt, die Charaktere und die Handlung konzentriert und zuweilen sogar reines Telling, also Spielen ohne auch  nur eine Würfelprobe, heißen kann. Die  meisten Runden liegen natürlich irgendwo dazwischen, aber gestern wurde mir mal wieder klar, dass ich in diesem weiten Feld doch eher auf der regelarmen Seite wachse.

Die Werte-Apokalypse

Dieser Eintrag ist inspiriert von unserer gestrigen Runde Apocalypse World. Wem das nichts sagt – das ist ein Indie-Spiel, in dem man wenig überraschend nach einer Apokalypse spielt, wobei die meisten Details des Settings vom Spielleiter selbst bestimmt werden können. Die Charakterwahl ist dabei auf gewisse überzogene Archetypen beschränkt, wie dem „Chopper“, der als Endzeit-Biker direkt eine Gang mitbringt, oder dem „Battlebabe“, das um so mehr Rüstung hat, je weniger es trägt.

Das System ist sehr schmal, setzt vor allem auf komische Bezeichnungen und coole Aktionen, die an die Klasse gekoppelt sind, und Balancing ist mit Sicherheit auch keine Stärke der Sache. Was mir KOMPLETT egal ist.

Es kam gestern ein neues Rundenmitglied dazu, das mit solchen erzählerischen Rollenspielen noch nicht viel – oder besser gar nichts – am Hut hatte. Und das heillos verloren war. Es gab kein Min-Maxing, keine genauen Werte für die Waffen, die Attribute waren „unlogisch“ verteilt. Es wurde mir wieder akut der Unterschied zwischen möglichen Rollenspielphilosophien bewusst, während die Meisterin nach den richtigen Formulierungen suchte und der Spieler wissen wollte, ob Cool oder Hard für ihn der effektivere Wert wäre. Ich erinnerte mich an Shadowrun-Runden mit langen Regeldiskussionen, Nachschlageorgien bei Editionswechseln verschiedener Systeme. Oder wie Numenéra von verschiedenen Leuten drastisch unterschiedliche Bewertungen bekam, das eine großartige Welt und ein kaum vorhandenes System besitzt.

Darauf dachte ich mir, ich sollte mal klarstellen, wie ich Rollenspiel betreibe und betrachte und wie sich das mit Sicherheit auch stark auf Rezensionen auswirkt. Ich habe durchaus Respekt vor einem guten System, bei dem Arbeit ins Balancing gesteckt wurde, das schön skaliert und dabei auch übersichtlich bleibt. Aber es wird für mich immer nur ein Vehikel sein, um Erzählungen zu tragen, und auf keinen Fall über dramaturgische Entscheidungen erhaben sein.

Mir geht es beim Rollenspiel als Hobby nämlich um die gemeinsam erzählte Geschichte. Als Meister  versuche ich, auf alle Spieler einzugehen und ihnen Erfolgserlebnisse und idealerweise auch andere emotionale Momente zu bescheren, als Spieler erwarte ich eben das vom Leiter. Rollenspiel, so wie ich es meist genieße, ist sehr viel mehr eine Anforderung an die Menschenkenntnis und Empathie des Meisters als an seine Regelkenntnisse.

Aber die Fairness!!

Ich habe früher des Öfteren mal über die verschiedenen Ansätze diskutiert und ein Gegenargument gegen zum Beispiel reines Telling oder meisterliches „Mogeln“ bei Proben war, dass damit die Fairness doch flöten geht. Meine Überzeugung ist allerdings, dass Fairness am Spieltisch vor allem bedeutet, dafür zu sorgen, dass alle Mitspieler gleich viel Spaß haben. Labertaschen mal einzudämmen, stille Spieler zu fördern, sie in gemeinsame Erlebnisse zu werfen und allen ihre Glanzmomente zu ermöglichen. Also eine Mischung aus Märchenerzähler und Kindergärtner zu sein. Und wenn ein Würfelwurf nur zu Frust und einer Unterbrechung des erzählerischen Flusses führen würde, dann kann er mich mal. Dabei habe ich mit Sicherheit schon ebenso oft zu Gunsten der Spieler wie gegen sie gemogelt, wahrscheinlich sogar deutlich öfter für sie. Fehlschläge dürfen sein, sie können das Spiel extrem bereichern, aber es gehört als Spielleiter dazu, einzuschätzen, ob das nun der Fall wäre – oder eben nicht.

Dein Freund Zufall

Ebenfalls ein Argument gegen das regelarme oder Regeln-ignorierende Spiel ist, dass dann doch alles Meisterwillkür sei und der Zufall nicht mehr ins Spiel käme. Ich kann mich natürlich dennoch für die Spannung beim Würfeln begeistern, wenn alles von einer letzten Zahl abhängt. Wenn das Geschehnis ohne Zutun von mir oder den Spielern in eine andere Richtung gelenkt wird und dadurch auch mehr Dynamik bekommen kann. Das ist bei reinem Telling eher nicht gegeben, aber bei extrem regellastigem Spiel auch nicht. Dann gehen solche Momente unter den hunderten Würfen und Berechnungen unter. Die Balance macht’s.

Aber auch ansonsten heißt das nicht Meisterwillkür, wenn nicht immer oder nur sehr selten der Würfel entscheidet. Das solle vielmehr Dialog mit den Spielern heißen, Rollenspiel ist schließlich ein Mannschaftssport.

Fazit

Ich habe auch schon mehrere Tage in die Erstellung einer Deckerin für Shadowrun gesteckt (sie starb vollkommen regelkonform schon auf dem ersten Run, was vielleicht sauber gewürfelt, aber irgendwie frustrierend war). Ich entspanne mich auch manchmal gerne bei einem simplen Dungeoncrawl, wo ich einfach Zahlen und Bewegungen auf Bodenplänen umsetze. Aber die besten, die mit Abstand denkwürdigsten und schönsten Momente beim Rollenspiel habe ich in den regelarmen, teilweise rein durch Telling laufenden Runden erlebt.

Wie schaut’s bei euch aus? Hoffentlich anders und bunt gestreut. Ich bin ein Freund der Vielfalt (aber wenn ihr mit mir spielen wollen solltet, solltet ihr euch an meinen Stil dennoch gewöhnen ;))


Krass! Neun Dinge, die schon jeder kennt, für’s neue Internet aufbereitet!

… oder: Mein Hass auf „heftige“ Beiträge.

Kultur verändert sich. Das ist unaufhaltsam und ich will auch kein Fossil sein, das sich gegen den Fortschritt sperrt. Im Gegenteil – ich dachte mir, ich könne mal der Verkrassisierung des Internets nachhelfen.

Schließlich ist die Währung der Onlinewelt der Klick. Und es hat sich herausgestellt, dass die meisten Klicks durch Überschriften eingefangen werden, die die „geschickte“ Leistung erbringen, Neugier zu wecken und Emotionen schon vorab zu schüren, indem ein kumpelhaft-begeisterter Ton angeschlagen wird. Das ist bitteschön kein BILD-Niveau, weil es hier um positive Gefühle oder kathartisches Mitleid geht, nicht umeine grundnegative Einstellung. Ist doch schön, Fremdmaterial von Youtube und anderen Rohstofflieferanten gefühlvoll verpackt weiter zu verbreiten und damit Kohle zu machen. Da stört es auch nicht, wenn das Welpenvideo oder die tanzenden Omas schon ein paar Jahre älter sind. Oder schon hundert Mal anderswo gezeigt wurde.

Dementsprechend dachte ich mir, ich könne doch mal ein paar Dinge aufbereiten, um sie für die neue Generation des Heftig-Lesers aufzubereiten. Jetzt müsste ich nur noch Werbung schalten.

Also: Neun Links, die du so noch nie beworben gesehen hast! Bei Nummer sechs wäre ich beinahe gestorben vor Lachen!

10 Dinge, die du für ein tolles Leben beachten solltest. Nummer 6 ist der Oberhammer!

Dieser Däne täuschte Wahnsinn vor, um alle hinters Licht zu führen. Was dann passiert, werdet ihr nicht glauben!

Dieses dumme französische Partygirl wollte nur Kuchen verteilen – was dann mit ihr passierte ist voll krass. NSFW!

Hässlich: Dieser dumme Troll von einem Kaiser des römischen Reiches deutscher Nation beleidigte den Papst. Was dann passierte werdet ihr nicht glauben!

Die Horde Ossis stürmte ca. 400 nach Christus auf Rom zu und machte alle sprachlos. Wahnsinn! Diese Geschichte wird euer Leben verändern!

Wow! Dieser fette Engländer hatte Stress mit seiner Frau. Wie er das Problem löste, wird dir die Augen öffnen.

Ein Franzose mit Migrationshintergrund besucht seine Nachbarn. Mit den Folgen hat wohl niemand gerechnet. Diese Bilderstrecke haut uns total um!

Wir dachten, die Mauer würde ewig stehen – und dann kippten wir aus den Latschen!

Dieser Witz zieht immer! Wenn du’s nicht glaubst, sieh selbst! Haha!

 

Na, liest sich das nicht viel ansprechender und interessanter? Okay, es liest sich auch deutlich dümmer, aber geben wir es zu: Bei den meisten Menschen regiert (nicht nur) im Internet das Stammhirn und dieser „journalistische“ Trend ist einer Änderung an dieser Tatsache auch sicher nicht dienlich. Um zumindest die Grundlagen von so etwas wie Bildung zu vermitteln, könnte man doch in Zukunft Schulbücher auf diese Art und Weise umschreiben. Ich bin sicher, das käme bei kommenden Generationen besser an als dröge Bleiwüsten, die am Ende noch so etwas wie „Informationen“ oder „Stil“ enthalten!

Um nochmal klar zu machen, was mich so aufregt: Es ist nicht nur, dass Seiten wie heftig.co sich bestenfalls in einer rechtlichen Grauzone bewegen, indem sie Inhalte anderer Seiten einfach ungefragt übersetzen, die sich übrigens genauso in einer Grauzone bewegen (denn auch eine Quellenangabe unter einem irgendwo geklauten Bild ersetzt nicht die Erlaubnis, es verwenden zu dürfen). Es ist auch nicht die Tatsache, dass die Leute hinter diesen Seiten das genau wissen und deswegen ihre Identität und ihren Sitz aufwändig verschleiern. Vielleicht ist es die Häufigkeit, mit der diese „Artikel“ von meinen Freunden auf Facebook geteilt und für „total schöööööööööön“ befunden werden. Es ist aber sicherlich der Beitrag zur Volksverdummung – auch durch die hundertfache Nachahmung, teils durch Seiten, die irgendwann mal cool waren.


LARP: Ein Hobby in weinrot und rosa

Wann hat sich das alles nur angesammelt?

Wann hat sich das alles nur angesammelt?

Das ist nicht der normale Inhalt meines Kleiderschranks. Der ist farblich eher nach der Prämisse zusammengestellt, dass sich schwarz mit allem kombinieren lässt, vor allem aber mit schwarz. Grund für diese Ansammlung von kurios gefärbtem Stoff ist ein Hobby, das ich mit 15 dank Sondererlaubnis der Erziehungsberechtigten begonnen habe.

LARP

Jaja, heute ist doch Star Wars Tag, May the 4th, warum nichts dazu – aber meine nerdliche Verpflichtung zu dem Thema habe ich schon mit der Holonet-Show erfüllt.


Zurück zu LARP (und es ist ja nicht so, als hätte ich nicht auch schon in einer weit, weit entfernten Galaxis gelarpt). Ich nehme an, die meisten Leser wissen, was das ist. Für alle anderen: Live Action RolePlaying ist eine Aktivität, bei der Menschen aus Industrienationen am Wochenende seltsame Sachen anziehen und beschließen, mal etwas Cooleres zu erleben als ihren Alltag. Also Monster zu kloppen, Intrigen zu spinnen, in beliebte Phantasiewelten abzutauchen oder von mir aus (ist ja immer noch Mode) vor Zombies davonzulaufen.

Eine Stunde früher aufstehen auf Con: Locken

Eine Stunde früher aufstehen auf Con: Locken

Bis auf die Zombies habe ich die meisten Spielarten des Hobbies schon durch. Ganz normale Standard-Fantasy-Cons (und damals in den Neunzigern noch mit mies verkleideten Kollegen und übelst selbst zusammengeschusterten Polsterwaffen), „epische“ Großcons als Spieler oder NSC, kleine intime (und verdammt gute) Kampagnen, Vampire-Live (das eine ganz eigene Kategorie darstellt) und höchst unterhaltsame Oneshots wie ein Scheibenwelt-LARP oder ein Doctor Who-LARP. Man kann mit einem gut gefüllten Kleiderschrank und Bastelei nahezu alles in ein LARP verwandeln.

Das führt mich zu der etwas seltsamen geistigen Einstellung, die viele LARPer teilen und die zu ebensolchen Kleiderschränken und Sammlungen von burgunderrotem und rosa Stoff führen kann. Nämlich die LARP-Tauglichkeitsbrille. Oft genug steht man als Hobby-Held vor absolut grässlichen Schuhen und denkt sich: „Oh mein Gott sind die furchtbar, die könnte ich für XY gebrauchen!“ Und so sammeln sich teils Zimmer voll mit Kram an, mit denen man im Alltag nicht tot gesehen werden will, die am Wochenende aber triumphierend vorgeführt werden. Wie die furchtbaren türkisfarbenen Wildlederstiefeletten aus den Siebzigern an den Füßen einer blauen Twi’lek-Tänzerin. Oder pottenhässliche Leggings und ebensolcher Lippenstift für ein Setting in den Achtzigern. Manchmal ist es echt schwer, Halt zu machen – ich erinnere mich an Freunde, die im Studium jeden Cent umgedreht, aber 500 Euro für beeindruckende Outfits ausgegeben haben. Das klingt ebenso bescheuert wie die meisten anderen Hobbies.

Warum aber rosa?

Dieser Blogeintrag ist auch sowas wie eine Aufforderung an mich, so einiges fertig zu machen und weiter durchzuhalten, was mit dem Stoffberg zu tun hat. Ziel ist es, im Juni auf eine kleine, aber sehr stilvolle Convention zu fahren und das Zeugs anzuhaben. In kleinen, durchsichtigen Stückchen.

Der rosa Stoff ist noch nicht fertig verarbeitet, aber auch in weinrot scheint's durch

Der rosa Stoff ist noch nicht fertig verarbeitet, aber auch in weinrot scheint’s durch

Das Setting ist Das Schwarze Auge, Aventurien, das Horasreich. Dargestellt wird eine Geweihte der Rahja. Für alle nicht DSA-ler: Wir bewegen uns in einer Art Fantasy-Renaissance, alles sehr fancy, und ich werde eine Priesterin einer Göttin spielen, die auf ihrer To-Do-Liste Wein, Rosen, Rausch, Spaß am Leben und guten Sex stehen hat. Aventurien hatte halt immer schon mehr Brüste, als die meisten anderen (und meist amerikanischen) Fantasy-Settings. Es ist eine Rolle, die ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nur auf solchen Cons spielen würde, denn dort wird der Charakter erkannt, respektiert und der Umgang mit der Frau in durchsichtigen Schleierstoffen (aber alles sorgfältig noch jugendfrei) wird in den seltensten Fällen von beschissenen Anmachsprüchen begleitet werden.

Warum genau die Rolle?

Erstens sieht jeder gerne gut aus und Rahjani dürfen sich mit tollem Schmuck behängen und schöne Fantasy-Kleider tragen. Zweitens ist es auch eine Herausforderung – was das Nähen und Basteln angeht, aber auch für das Spielen auf der Con. Den ganzen Tag würdevoll, fröhlich, harmonisch und auch noch philosophisch daherreden und -schreiten … (Zum Glück gilt im LARP ja meistens eine Philosophie des ‚close enough‘ wenn man sich nicht wie der letzte Depp aufführt). Und es kommt hinzu, dass es ein guter Anreiz ist, um mal einiges anzugehen und zu verändern.

Was zu tun ist

Es sind schon einige Outfits und Teile von weiteren fertig und es hat sich eine verblüffende Menge an Accessoires angesammelt. Aber weitere Röcke wollen genäht und Mieder bestickt und Ergänzungen gefunden und eingesammelt werden. Vor allem aber schrumpfe ich noch.

Im Gedenken an einen tollen Song auch mal in Metall - statt Nähnadel die Zange geschwungen.

Auch mal in Metall – statt Nähnadel die Zange geschwungen.

Ideale Körperbilder verschiedenster Ausrichtungen in allen Ehren – und ich könnte mich sehr darüber aufregen, wie offenbar kaum jemand den Umfang oder Mangel desselben bei anderen nicht in Ruhe lassen kann –  meins liegt bei noch ein paar Kilo weniger (und dabei sind schon einige wieder runter).  Das ist nicht einfach, denn Zitat meines letzten Arztes auf die Frage hin, ob es mit der derzeitigen medikamentösen Behandlung zusammenhängen könne, dass es nicht bergab geht: „Nein, Sie sind einfach  nur der Typ Mensch, der schwer abnimmt.“

Na danke. Also zu Fitness-Studio auch noch eine sehr, sehr ausgewählte Ernährung dazu und Noch. Mehr. Ausdauertraining.

Und weil ich den ganzen Kram online packe, kann ich auch nicht mehr so tun, als wäre das gar nicht der Plan gewesen, und muss dranbleiben ;). Ich  halte dann mal in Zukunft euch (und natürlich mich offiziell) auf dem Laufenden, wie es mit dem Nähen und allem anderen voran geht. Schönen vierten Mai noch! Ich muss jetzt unter großen seelischen Schmerzen einen Sari zerschneiden, der ein Rock werden soll.


The LEGO Movie

Franchise-LEGO und historische Persönlichkeiten - alle an einem Set

Franchise-LEGO und historische Persönlichkeiten – alle an einem Set

Schräg, wenn man aus einem Film kommt und dessen Song trällert. Vor allem, wenn der Song eigentlich nahezu unerträglich albern ist. Bei der Vorab-Präsentation von The LEGO Movie ist mir allerdings genau das passiert und das a) weil „Everything Is Awesome!“ bzw. „Hier ist alles super!“ grauenvolle Ohrwurmeigenschaften hat und b) weil Song wie Film genau wissen, wie albern sie sind und wie aufdringlich pinke Einhörner sein können. Oder eben das Klangäquivalent pinker Einhörner.

Im Film selber gibt es nur ein pinkes Einhornkätzchen. Das zusammen mit Wonder Woman, Superman, Batman, Gandalf, Dumbledore, Kleopatra, Abraham Lincoln, Shakespeare und einem Achtziger-Raumfahrer-Legomännchen zu einer Geheimloge in einem Land aus Klötzchen gehört. Soweit noch alles klar? Außer LEGO kriegt vermutlich niemand so viele Figuren und Franchises alle unter einen Hut, für einen kurzen Zwischenstopp gesellt sich sogar ein Millennium Falcon samt Herrenbesatzung auf Junggesellenausflug zum Cast dazu.

Wer? Was? Wie? Wo?

Das wirkt erstmal anarchisch und zugegeben auch etwas seltsam. Dabei geht es im Lego-Land des Films sehr strikt zu. Nach einer kurzen, düsteren Einführung zum Bösewicht und der Superwaffe „Kragle“ finden wir uns mit Protagonist Emmet in einer beschaulichen urbanen Landschaft mit freundlichen Nachbarn und lauter kleinen Seitenhieben auf den realen Alltag und seinem Wahnsinn wieder. Emmet arbeitet auf dem Bau, reißt nonkonforme Häuser ab und baut neue exakt nach Anleitung und ist irgendwie nicht besonders genug, um bei den coolen anderen Legomännchen mitzumachen. Dabei ist Durchschnittlichkeit und braves Regelbefolgen in der Stadt des „Lord Business“ doch erwünscht, nein sogar Pflicht! Wie jeder brave Bürger aus einer LEGO-Anleitung für das perfekte Leben erfahren kann …

Allerdings läuft Emmet dann die mysteriöse Wildstyle über den Weg, gleich darauf heftet sich ein zuvor unbekannter Stein an seinen Rücken und auf einmal soll er ein Auserwählter sein, der mit der oben erwähnten Riege von speziellen Persönlichkeiten die Klötzchenwelt – oder besser -welten – retten soll. Denn es gibt mehrere Zonen wie die brave Regelkonforme Stadt, ein Fantasyreich namens Middle-Zealand oder den Wilden Westen, alle säuberlich getrennt.

Allerdings sind Gandalf, Shakespeare und Co. Meisterbauer – sie können allen Legoteilen ihre möglichen Eigenschaften ansehen und spontan mal aus der Deko einer Gasse ein monströses Trike zusammenschrauben oder aus einem Garten ein U-Boot. Emmet kommt gerade mal auf die Idee, ein Sofa mit einem zweiten Stockwerk zu versehen. Damit ist der Enttäuschung nicht genug, die coole Wildstyle hat nämlich obendrein auch noch einen festen Freund – und der ist Batman. Wer kommt denn bitte gegen Batman an? Der zwar Arkham-Spiele-mäßig eine Reihe Anläufe mit Batarangs und Schaltknöpfen braucht, aber einen coolen Schlitten hat und düstere Metalmusik über seine einsame Kindheit schreibt?

Sicher nicht Emmet. Es sei denn, er wird kreativ.

Und darum geht es. Überraschenderweise ist The LEGO Movie, wie man hätte befürchten können, keine (reine) Revue von kaufbaren Sets. Stattdessen wird die Fantasie hochgehalten, die Fähigkeit alles aus den kleinen bunten Plastiksteinchen zu bauen, die Anleitung beiseite zu legen und alles zu mischen, wie man lustig ist. Kind zu sein eben. Das wird in knallbunten LEGO-Bildern rübergebracht, aber auch in einer zweiten, fast Matrix-artigen Ebene, die ich nicht spoilern will. Dabei bleibt die Handlung aber immer unterhaltsam, schnell, schräg und humorvoll und streift das Rührige nur so weit, wie es für die Botschaft nötig ist. Daumen hoch dafür! Hier können auch Erwachsene eine Menge aus dem Film mitnehmen und sich über zahlreiche nerdige Anspielungen freuen, von den genannten Batman-Arkham-Anleihen bis hin zu Star Wars-Figuren, die auf die Schippe genommen werden.

Die Animation stammt vom selben Team, das Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen auf die Leinwand gebracht hat – und das merkt man am knackigen Timing und den liebevollen Details. Darüber hinaus hat der Film den Look einer handgemachten Stop-Motion-Animation verpasst bekommen, die Männchen laufen eckig, alle Wolken, Wasser und anderen „Partikeleffekte“ werden aus Legosteinen gebaut. Das geht bis hin zu Daumenabdrücken auf den Plastikmännchen, dem abgewetzten Look einer Achtziger-Jahre-Figur oder der Tatsache, dass immer mal wieder Nicht-Lego verbaut wurde. So trägt der weise Magier Vitruvius einen Zauberstab, der sich beim genaueren Hinsehen als fast abgelutschter Lolli entpuppt. Fast in jedem Frame gibt es etwas zu entdecken oder wenigstens kann man sich dafür begeistern, wie kreativ das rigide Material LEGO zu allen möglichen Modellen und Formen zusammengeklippst wurde.

Als Bonus ist die deutsche Synchro auch noch ziemlich gut und kann vor allem von den Franchise-Figürchen jeweils die passenden deutschen Stimmen auftreiben. So übt sich Batman in der bekannten Dark-Knight-Kehlkopfkrebsstimme und Han Solo klingt genau so, wie er klingen sollte.

Fazit

Everything Is Awesome! Der Film macht lächerlich gute Laune. Er ist nie langweilig, immer unterhaltsam, schräg, süß, bunt und bringt sogar eine angenehme Botschaft mit. Von mir gibt es eine Empfehlung für alle Altersklassen, vor allem wenn man als Kind kleine gelbe Männchen abgewetzt hat, um sie Abenteuer erleben zu lassen. Oder am besten, wenn man es immer noch tut. So wie sich auf meinem Schreibtisch spontan Leute aus anderen Sets im Wolkenkuckucksheim von Prinzessin Einhornkitty versammelt haben …


Super Dungeon Explore – Ein Interview aus logistischen Gründen

Chibi-Helden in Dungeons – jetzt frisch mit Zentauren

Kurz bevor das Chibi-Tabletop Super Dungeon Explore seinen neuen Kickstarter gestartet hat, konnte ich mit John Cadice, dem Chef von Sodapop Miniatures (die es herausbringen) ein wenig über das Spiel, neue Regeln und den prozentualen Anteil an weiblichen Spielern plaudern.

In einem etwas komplexen aber irgendwie sinnigen Linkballett gibt es das Interview in vollständiger geschriebener Fassung jetzt hier. Dafür gab es einen Ausschnitt und eine Vorstellung des Kickstarters auf tv.orkenspalter.de, wo wir jetzt auch die deutschen Regeln für den neuen Arenamodus für die putzigen Minimonster zum Download anbieten. Geschrieben gibt es das Interview, weil die Skype-Verbindung in die USA mal wieder bescheiden war und niemand ein Video mit einem Frame pro Sekunde länger anschauen kann (außer um es abzutippen und zu übersetzen, was ich hiermit für alle Interessierten getan habe). Dies ist zunächst die erwähnte Show:

 

 

Und hier ist das Interview:

Orkenspalter.tv: Erstmal danke, dass du dir die Zeit nimmst, über Forgotten King zu reden. Das ist die nächste Erweiterung, die für Super Dungeon Explore rauskommt, richtig?

John Cadice: Das ist richtig. Es ist ein bisschen anders als die anderen Erweiterungen, die wir rausgebracht haben, und wir zeigen euch gerne, woran wir arbeiten.

O: Ihr habt schone in bisschen was darüber angekündigt, was in der Erweiterung drin sein wird. Zum Beispiel sollen alle der Miniaturen diesmal vollständig zusammengesetzt sein. Wie kam es zu der Entscheidung?

JC: Das war sehr wichtig für uns. Das ist das erste Super Dungeon-Produkt, dass Soda Pop Miniatures gänzlich alleine, ohne die Unterstützung von Partnern herausbringt. Deswegen wenden wir uns über Kickstarter an die Fans, um die erste Auflage herstellen zu können. Die Idee war aber, mehr als nur eine Erweiterung für das Spiel zu entwickeln, sondern einen guten neuen Einstiegspunkt zu schaffen für alle, die an dem Produkt interessiert sind. Das heißt auch, dass wir wirklich auf unsere Kunden gehört haben. Und die wollten auf jeden Fall fertig zusammengesetzte Modelle haben – außerdem haben wir uns die Zeit genommen, um das bestehende Regelwerk zu überarbeiten und zu straffen. Darüber hinaus bringen wir ein paar neue Dinge ein, die sich die Kunden in den letzten Jahren gewünscht haben.

O: Und was sind die wichtigsten Dinge, nach denen gefragt wurde? Abgesehen von den fertig zusammengesetzten Miniaturen.

JC: Das war eher ein Zeitfaktor – man kam einfach nicht so schnell zum Spielen, die Leute mochten es schon, die Figuren zusammenzusetzen. Fertige Miniaturen waren schon eine wichtige Sache, aber vor allem ging es darum, den Spielern etwas Neues und Unterhaltsames für ihre Sammlung zu geben. Aber aus unserer Sicht musste auch das Regelwerk einige neue Dinge leisten. Es war schon immer grundlegend in Ordnung für das, was wir erreichen wollten. Wir wollen ein schnelles, bei dem mit vielen Würfeln auch viele Monster erledigt werden. Man konnte schnell in den Spaß einsteigen. Derzeit ist aber eher der Trend, dass Spieler ein kooperatives Erlebnis wollen und sich nicht dazu gezwungen fühlen wollen, eine Rolle einzunehmen wie die des Dungeons in unserem Fall, das die Monster produziert.

Das ist zwar ein sehr unterhaltsamer Teil unseres Spiels und wir werden ihn immer beibehalten. In unseren neuen Regeln nennen wir das nun „Classic Super Dungeon Explore“. Wir haben aber jetzt auch etwas eingeführt, dass wir den „Arcade Mode“ nennen. Das ist die kooperative Version des Spiels, bei dem man mit all seinen Freunden zusammen gegen ein völlig automatisch agierenden Dungeon spielen kann. Das nimmt einem alle Entscheidungen für die Monster ab und erzeugt die Würfe und Kämpfe nach festen Regeln und lässt die Gegner so agieren, dass es für alle am Spieltisch spaßiger und interaktiver wird. So wird keiner als „Böser“ ausgegrenzt.

O: Wie wird das funktionieren? Werdet ihr mit KI-Karten arbeiten, die die Handlungen des Dungeons zufallsgenerieren?

JC: Es wird eine KI-Komponente geben, aber wir bringen mehrere neue Dinge in das Spiel ein, über die wir im Rahmen der laufenden Kickstarter-Kampagne reden werden. Wir haben aber gezielt zwei bestimmte Dinge eingebracht. Eins davon ist nicht nur die KI-Komponente, die dem Dungeon die Handlungen vorlegt und festlegt, wie alles funktioniert, denn darüber hinaus wollten wir auch Methoden für die Erkundung des Dungeons festlegen. So hat das Betreten neuer Räume und neuer Bodenplatten verschiedene Effekte, die die Spieler dazu anregen sollen, den ersten Raum zu verlassen und sich in Kämpfe zu stürzen und erkunden zu gehen.

Wir fügen also dem Spiel etwas mehr Tiefe hinzu. Damit legen wir aber einen neuen Standard für kommende Erweiterungen fest, an dem wir schon eine ganze Weile gearbeitet haben. Dazu zählt auch unser Kampagnenmodus, genau wie die frühe Beta-Version eines Modus‘, den wir „Arena“ nennen. Das wiederum ist eine Version, in der man mit den Figuren, die man schon in der Sammlung hat, Spieler gegen Spieler antreten kann, was wir ziemlich cool finden.

O: Lass uns auch etwas über den Stil reden. Die Erweiterungen hatten ja bisher immer eine Art Thema. Wie wird das für Forgotten King aussehen? Mit welcher Art Monster müssen wir rechnen?

JC: Forgotten King führt eine Reihe von neuen Familien von Monstern ein. Im Zentrum steht natürlich der große Boss, den wir einfach nur Forgotten King nennen. Wir wollten dabei unserem Regelsystem auch etwas mehr zum Hintergrund der Welt von Super Dungeon Explore hinzufügen. Immerhin haben wir inzwischen einiges an Inhalten dafür erarbeitet. Es gibt jetzt also so etwas wie eine Geschichtsstunde zu Crystalia, dem magischen Fantasy-Land in dem alles spielt. So kriegt man etwas an Hintergrund, bevor man mit dem Spiel beginnt. Das ist uns wichtig für alles weitere, was noch kommen wird, weil es in diesen Hintergrund eingebettet wird.

Der Forgotten King lebt unter einem Landstrich, den wir die Lordship Ruins nennen. Die liegen nahe am der Burg von Crystalia im Fae-Wald. Dort wurde er für lange Zeit gefangen gehalten und wurde zusammen mit all seinen Dienern verflucht. Er hat vor langer Zeit einmal einen Aufstand gegen den rechtmäßigen König von Crystalia angeführt. Dafür wurden er und alle Anhänger dazu verflucht, eher tierisch anmutende Monster zu werden. All seine Ritter wurden also zu fiesen kleinen Kreaturen, die eine Art Nachahmung ihres inneren Ichs waren. Und da der Dunkle Konsul bei dem Aufstand gegen den König seine Hand im Spiel hatte, hat dieser auch die Wesen des umliegenden Waldes in eine Art von Wesen verwandelt, die wir die Kodama nennen. Das sind pflanzenartige Monster, von großen menschenfressenden Pflanzen bis hin zu kleineren Wesen, die rumrennen und Rettiche nach dir werfen.

All das erlaubt es uns, das Thema eines verwunschenen Waldes zu verwenden, zu dem wir noch eine Menge hinzufügen können. Der Vorteil des Kickstarters ist jetzt, dass wir all diese Ideen nehmen und in eine große Box packen können. Außerdem werden wir noch ein paar zusätzliche Sachen haben, die wir obendrauf packen können, was vor allem für die Sammler cool sein dürfte. Es wird also wieder eine Menge an unterhaltsamen Charakteren und Monstern geben.

O: Und es wird sicher auch neue Helden geben. Welche Archetypen verwendet ihr da diesmal?

JC: Wir bringen dabei unter anderem ein neues Volk ins Spiel ein, die Zentauren. Der dazu gehörende Charakter in diesem Set wird die „Thundervale Huntress“ sein. Die sind groß und haben auch eine größere Base. Große, aggressive Charaktere mit viel Kraft und Energie. Wir stellen in dem Set auch „Princess Emerald“ vor, die die zweite von fünf Prinzessinnen in Crystalia ist, die man im Laufe der Zeit wird treffen können. Sie ist also auch wichtig für die Story. Von der Ausrüstung her ist sie eher eine Steampunk-Kundschafterin. Außerdem haben wir unsere Elfen-Alchemistin, die eine Meisterin der Trankherstellung ist. Sie hat eine Reihe starker Fähigkeiten, um ihre Gruppe zu unterstützen. Und wir haben unseren „Questing Knight“, der ein schwer gepanzerter Waffenmeister ist, der einige an coolen Eigenschaften mitbringt. Das ist also eine gut ausbalancierte Truppe, die auch gut zu den bisherigen Figuren passt. Die Erweiterung rundet eine Sammlung also in Sachen Helden einfach gut ab.

Wir wollten natürlich auch sichergehen, dass das Produkt rückwärtskompatibel ist. Also kann man alle Figuren, die man schon hat, ebenfalls in das Set einbringen.

O: Aus deiner Erfahrung mit den Fans heraus – und zur Stillung meiner privaten Neugierde – hast du den Eindruck, dass besonders viele Frauen Super Dungeon Explore spielen? Ich kenne einige Frauen, die es spielen, auch wegen der verboten niedlichen Chibi-Monster.

JC: Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich darüber beim ersten Entwurf des Produkts nicht nachgedacht hätte. Für mich war es aber vor allem wichtig, etwas zu entwickeln, das einfach eine größere Reichweite hat, wenn man das so sagen kann. Wir haben bei den ersten Prototypen viel darüber geredet. Ich habe ja auch schon viel mit anderen Herstellern in dem Bereich zusammengearbeitet und viel Zeit in dem Hobby verbracht. Es gibt irgendwann den Punkt, wo man bei all dem Blut, den Schädeln und Äxten, Feuer und Tod und explodierenden Dingen feststellt, dass man damit eine eher begrenzte Zielgruppe anspricht. Jeder in meinem und deinem Alter, den ich kenne, hat von Kindheit an Videospiele gespielt. Wir haben unsere Marios und anderen Figuren gespielt, die für eine sehr breite Zielgruppe angelegt waren. Warum also nicht eben all diese Leute ansprechen?

Außerdem ist es ein cooles Fantasy-Abenteuer, indem ich immer noch meine unterhaltsamen Monster und ein sehr strategisches Spiel haben kann, aber eben in einem Design verpackt, das nicht gleich abschreckend wirkt. Ich denke das war eine wirklich gute Idee – und es gibt inzwischen ja auch einige Nachahmer, die unser Produkt mögen und ähnliches auf den Markt bringen wollen. Das ist ja auch okay, aber wir sind stolz darauf, die ersten gewesen zu sein. Und wir werden auch weiterhin mit unserer Community am Ball bleiben.

O: Vielen Dank für das Interview!

 


Der Hobbit: Smaugs Einöde – Kritik und Reiseführer

Der Hobbit: Smaugs Einöde

– oder: Zwerge glauben nicht an Geländer

Geschafft – ich war drin, englisches Original weil Cumberbatch-Drache. Und starten wir mit dem Positiven: Smaug ist eine Schau. Sehr schön designt mit einem Gesicht, das einerseits sehr gut mit Mimik funktioniert, andererseits von der Kopfform im Profil zu alten Illustrationen passt. Und natürlich wirkt er auch wunderbar fies und ist beeindruckend gut animiert. Das ergänzt die Stimmschauspielerei von Benedict Cumberbatch hervorragend, der das Schuppenvieh eitel, selbstverliebt und boshaft zum Leben erweckt. Wie das massige Monster sich durch seinen lächerlich umfangreichen Schatz schlängelt und mit Bilbo Beutlin parliert ist ganz klar ein Highlight des Films. Und Bilbo selber natürlich auch – Martin Freeman schwankt schön zwischen putzigem Hobbit und teils schon gruseligem Ringträger. Und irgendwie habe ich jetzt den Drang, mal wieder Sherlock zu schauen …

Oh, es wird übrigens im weiteren Verlauf leichte Spoiler geben.

Hastig gen Erebor

Am Anfang lässt sich der Film erstaunlich wenig Zeit. Hoppla, Orks – holla ein Beorn! Und dann Spinnen und weiter zu den Elben und dann Fässer undsoweiterundsofort. Es gibt keine großen Überraschungen, der in manchem Poster angedeutete große Showdown zwischen Weißem Rat und dem Nekromanten bleibt aus -ich schätze das bleibt uns ebenso wie die Schlacht der Fünf Heere für Teil 3 übrig, denn irgendwie muss man jetzt noch einen weiteren Film mit genügend Stoff füllen, da bieten sich die „Off-Camera“-Szenen der Vorlage ja an.

Es gibt nur zwei große Abweichung von dem, was man von Teil zwei anhand des Buches zu erwarten hatte, und eine davon ist eine Menge Aktion im Erebor selber. Was ich durchaus gut finde, ist doch schön die Zwerge mal ein bisschen eigenständig in Aktion zu sehen und für Jackson-Verhältnisse ist das alles trotz Loren, Kettenaufzügen, Schmelzöfen und lächerlich viel Gold sogar gar nicht mal so sehr over the top.

Die zweite Abweichung ist was für die Mädchen, obwohl ich mir auch von heterosexuellen Männern habe bestätigen lassen, dass es gut erzählt und unterhaltsam ist. Es finden sich ja zwei auffällig unknubbelige Jungzwerge in der Gemeinschaft – und Kili, der mit den dunklen Haaren, bekommt so richtig viel Screentime und ein bisschen Romanze. Mit Evangeline Lilly auch noch! Sowas. Die Änderungen rings um diese Story dürften einem Tolkien zwar die Pfeife aus dem Mund fallen lassen, aber es sind nun mal andere Zeiten.

Die Erzählstruktur ist insgesamt besser als Teil eins, der aus einem Dutzend Episoden à la „Zwerge geraten albern in Gefahr und werden von jemand anderem gerettet“ bestand und wir sehen eine ganze Reihe schöner neuer Schauplätze. Die Musik bleibt dafür nicht so im Ohr, das prägende und schöne Misty Mountains-Thema wird mit eben den Misty Mountains zurückgelassen und spielt keine tragende Rolle mehr – und es findet sich kein adäquater Ersatz. Passend dazu dudelt unter dem Abspann ein erschreckend vergessbarer Song mit schlaffer Männerstimme. Den werde ich garantiert nicht wie anno dazumal Gollum’s Song oder Into the West unterbewusst vor mich hinbrummen … allein schon weil ich zwei Sekunden nach Verlassen des Kinos nicht mehr wusste, wie die Melodie ging.

Aber seien wir mal ehrlich: Erneut ist der Hobbit wieder eine Mittelerde-Reisebroschüre, teils Werbung für Neuseeland und teils für die Bastel- und Animationskunst der Weta Workshops. Auch wenn man bei den Animationen immer mal wieder den Eindruck erhält, dass für Smaug und einen diesmal doch weniger störenden Azog so viel Ressourcen draufgingen, dass an anderen Ecken nur gerade die Mindesthöhe gesprungen wurde, um irgendwas auf die Leinwand zu bringen. CGI-Pferd für Legolas WTF?? Vermutlich wurde wieder bis in letzter Sekunde dran gestrickt.

Zurück zum Reiseführer. Der könnte in geschriebener Form so aussehen:

Beorns Hütte – ein Paradies für Befellte

Wenn Sie sich in den mittleren Anduintälern nahe des Düsterwaldes wiederfinden, besuchen Sie unbedingt Beorns Hütte! Diese Unterkunft ist noch ein Geheimtipp und bietet einen rustikal-warmen Charme, den Sie kaum in dichter besiedelten Regionen wie Gondor oder dem Auenland finden können. Der Betreiber des Hauses, der namensgebende Beorn, ist als ehemaliger Kriegsgefangener und letzter seiner Art zwar bärbeißig, hat aber ein Herz für alles mit plüschigem Fell – von Highland-Rindern bis hin zu seiner Spezialzüchtung lächerlich großer CGI-Bienen. Sollten Sie selbst über ein haariges Gemüt oder eine lächerliche Frisur verfügen (jeder Zwergenbarbier kann Ihnen hier mit ein paar Zöpfen und auftoupierten Haarteilen aushelfen) können Sie sich hier auf ein mittelprächtig warmes Willkommen und hervorragende Milch mit Honig freuen. Solange ihr Gastgeber menschlich ist, heißt das.

Wer die weitere Reise nicht zu Fuß zurücklegen will, kann hier Pferde und Ponies mieten, die nach dem gefühlt fünfminütigen Ritt zum Düsterwald auch alleine wieder nach Hause finden und gerne in orkverseuchten Regionen ausgesetzt werden.

Der Düsterwald – eine Herausforderung auch für erfahrene Wanderer

Für den Düsterwald sollten Sie sich auch auf den besser gepflegten Wanderwegen einen guten, ortskundigen Führer zulegen. Sollte Sie dieser bei Betreten des Waldes spontan wegen anderer Angelegenheiten verlassen müssen … dann halten Sie sich besser an die festen Pfade. Eine Abwehrmaßnahme der Waldelben, ein verzauberter Bach, könnte Ihnen hier einige Probleme bereiten. Wenn Sie aber gar nicht die Zeit haben, sich so so weit zu verlaufen, dürften auch nur die Pollen des Waldes an sich reichen, um Sie zu verwirren.

Achten Sie auf Spinnweben. Ganze eingesponnene Zonen können spontan aus dem Nichts auftauchen (ähnlich wie sich der Düsterwald ohne Übergang aus dem Grasland erhebt) und Sie vollkommen überraschen. Die Riesenspinnen des Düsterwaldes sind für Arachnophobiker zwar ein Graus, aber gar nicht so gefährlich, wie sie aussehen. Sie brauchen ewig, um tatsächlich einmal zuzubeißen – wer vermeiden kann, eingesponnen zu werden, kann sich durch Treten, Schlagen und Beine-Ausreißen mühelos wehren. Oder einfach darauf warten, dass eine elbische Truppe des Cirque du Soleil durchturnt und während ihren Trapezübungen die restlichen Spinnen erledigt.

Thranduils Hallen – Wein, Elbenweib und Gesang

Es ist nicht ganz einfach, anders als Gefangener in die Hallen des Elbenkönigs zu gelangen. Haben Sie einen magischen Ring, schleichen Sie sich einfach rein – ansonsten sollten Sie darauf zählen, dass sich ein gutaussehender Mann (egal welcher Rasse) in ihrer Gruppe befindet, der eine Elbenfrau bezirzen kann. Denn die gibt es entgegen anderslautender Gerüchte tatsächlich und auch wenn sie nicht immer ganz elbisch wirken mögen so haben sie doch einiges zu tun und zu sagen und kämpfen auch mit. Also eine wenigstens, der Rest der Siedlung besteht aus Männern oder geschlechtlich nicht zuzuordnenden Elben.

Diese Elben trinken auch gerne, nein sie saufen. Also könnte auch ein Gastgeschenk guten Weines oder von hübschem Schmuck (König Thranduil ist bekannt dafür, ganze Bijou Brigittes leerzukaufen) ein Ticket in die Hallen bedeuten. Idealerweise reisen Sie von hier aus per Fass weiter, die Vergnügungsfahrten über den wilden Fluss werden von allen erfahrenen Düsterwaldreisenden als höchst unterhaltsam und praktisch ungefährlich empfohlen.

Seestadt – Komödien und frischer Fisch

Lassen Sie sich von Seestadts biederem, pittoreskem Erscheinungsbild nicht täuschen. Der kleine Ort im Schatten des Erebor hat praktisch keine normalen Einkommensquellen mehr und hat sich deswegen auf Satire, Kabarett und Farce spezialisiert. Je wichtiger die Position in der Stadt, desto mehr Erfahrung muss der Komödiant mitbringen. Viele Beamten sind daher nahezu ständig in ihrer Rolle und verkörpern überzogene Grießgrame, traurige Clowns oder dümmlich-leichtgläubige Saufnasen. Offiziell darf man nicht einfach so einreisen, aber das ist nur ein Vorwand, um auch Gäste zu Schabernack anzustiften. Das Publikum wird so Teil einer Performance und soll sich in Fischfässern einschleichen, humorvoll durch Toiletten in Häuser klettern und auf den Zehenspitzen über Stege huschen, immer in Erwartung des nächsten Tuschs. Manch einer mag die Ansätze Seestadts für Plagiarismus halten und auf Ähnlichkeiten zu bekannten britischen Formaten wie Black Adder oder Monty Python hinweisen, aber all das persönlich am eigenen Leib zu erleben ist immer noch etwas ganz anderes. Tipp: Bringen Sie einen albernen Hut mit, alternativ gestalten Sie ihre Frisur möglichst eindrucksvoll-überzogen (erneut empfehlen wir zwergische Barbiere). Man wird sie in Seestadt lieben.

Thal

Thal ist verlassen und eine irgendwie unecht wirkende Ruine. Eigentlich gibt es nichtmal wirklich einen Zugang dahin. Wie sie überhaupt gebaut worden ist, ist uns ein Rätsel. Wir empfehlen, sie einfach aus sicherer Entfernung auf dem Weg zum Erebor zu begutachten und ein paar Schnappschüsse zu machen. Eine übernatürliche Aura sorgt dafür, dass nahezu jedes Bild, auch wenn es am Originalort aufgenommen wird, hinterher aussieht wie vor dem Greenscreen gemacht.

Erebor – Gold und Wellness

Der derzeitige Hauptbewohner des Erebor ist der Drache Smaug, aber lassen Sie sich davon nicht von einem Besuch abschrecken. Die riesige Echse zieht in der Regel Konversation einer direkten Auslöschung vor und selbst wenn sich Smaug zum Angriff entscheidet (was gute 20 Minuten unterhaltsamen Parlierens dauern kann), kann man sich zwischen den Haufen aus Gold und den vielen Säulen in Erebors Hallen gut verstecken. Außerdem gilt Smaugs tiefe Bassstimme als der Gesundheit zuträglich und es wird bei verschiedensten Krankheiten von Schuppenflechte bis Depression empfohlen, sich in einer gut versteckten Ecke bis zu einer halben Stunde seiner Konversation auszusetzen.

Gold ist, abgesehen vom Drachen, das Haupteinrichtungsthema des Erebor. Um ihre ohnehin schon beträchtlichen Schätze noch größer und lächerlich überdimensional wirken zu lassen haben die Zwerge vor ihrem Auszug große Berge an Abraum angehäuft und anschließend das Gold darüber drapiert, um eine bis zu 17-fach größere Menge anzudeuten. Ein Bad in den Goldmünzen gilt als fast größtes Vergnügen beim Besuch des Einsamen Berges.

Besonders berühmt aber sind die Behandlungen mit geschmolzenem Gold. Normales geschmolzenes Gold sieht so aus:

Das edle Metall schmilzt ohne Beimengung erst bei über 1000 Grad Celsius. Kontakt mit flüssigem Gold führt daher zu schweren Verletzungen und die Masse gibt eine enorme Hitze ab, die auch den Aufenthalt in der Nähe unerträglich bis hochgefährlich macht und gute Schutzmaßnahmen erfordert. Bei den großen Mengen flüssigen Goldes, die in den Hochöfen der Zwerge vom Einsamen Berg dank unverderblicher und unsichtbarer Heizmaterialien erzeugt werden, sollte man also damit rechnen, dass die Schmiede nur in Asbestanzügen zu betreten sein dürfte.

Glücklicherweise fügen die Zwerge hier dem Gold etwas Einhornmist hinzu, wodurch es eher so wirkt:

Nein … eigentlich ziemlich genau EXAKT so. Wir empfehlen Lorenflussfahrten auf geschmolzenem Gold (die Temperatur ist so niedrig, dass Sie sich keine Sorgen um die Wärmeleitfähigkeit von Stahl machen müssen) oder gar Ganzkörperbäder. Die Flüssigkeit perlt wieder ab.

Bei all diesen Wellness-Angeboten sollten Sie aber nicht zu entspannt und unaufmerksam werden. Im Erebor existiert kein einziges Geländer, um die zahllosen teils hunderte von Meter über dem nächsten Boden erbauten Stege zu sichern. Das soll eine Maßnahme gewesen sein, um die Trunksucht der Minenarbeiter durch Abschreckung einzudämmen. Heute verstößt es allerdings gegen zahlreiche Bausicherheitsvorschriften, weswegen die Spa-Anlagen im Erebor nur ohne Lizenz arbeiten können, dafür sind sie aber ausgesprochen günstig. Buchen Sie noch heute, bevor der Drache noch geht und der einsame Berg von Touristen überlaufen ist!

Damit schließe ich und sage: Der zweite Hobbit ist besser erzählt, aber an sich ein typischer zweiter Teil, der nur auf den ganzen Showdown im dritten Abschnitt hinarbeitet. J’adore und schöne Feiertage!


Ich, der Penis und die Northcon

Komm auf die Bühne – aber lass den Penis da!

Und alles leuchtet so hübsch …

Aus der Kategorie: Sätze, die ich nie in der Öffentlichkeit zu sagen vorhatte. Oder sie überhaupt mal zu sagen. Solche Dinge passieren halt auf der Northcon, ihres Zeichens größte LAN-Party Deutschland. Ja, es gibt noch LAN-Partys, und in Neumünster (ausgerechnet Neumünster!) am Popo Deutschlands in Schleswig-Holstein hockten sich dieses Jahre über 2500 Leute in mehreren Hallen an lange Tischreihen, bauten ihre Rechner auf, steckten die Netzwerkkabel ein und zockten. Dass zumindest am ersten Tag draußen noch Sturmtief Xaver tobsüchtig mit Eis und Schnee warf, fiel dann wohl auch höchstens den Rauchern auf, die sich wenige Schritte vor die Tür wagten und mit der Zeit regelrecht kunstvolle Gestecke aus Fluppenstummeln in den Aschebechern auftürmten, die dort Wind und Wetter trotzten.

Der Rest blieb drinnen, zockte, schlief und duschte dort, konnte sich an Futterständen verpflegen und dank einer Werbeaktion eines großen Lieferdienstportals abends kostenlos Pizza abstauben. Eine Art leicht muffiges Paradies voll schimmernder Bildschirme und konzentrierter Gesichter.

Meine letzte LAN-Party vorher lief noch zu Studienzeiten im Wohnzimmer eines Freundes und war fast schon eine Parodie des aussterbenden Brauchs. Jogginghosen am Rechner waren Pflicht und eigentlich wurde allen Beteiligten das Duschen während der nahezu einwöchigen Laufzeit untersagt. Bewaffnet mit Pizza, Salzbrezeln und einem kurios-schmackhaften Getränk, dessen Hauptbestandteile wohl Vodka und Vanilleeis waren, rückten wir in Diablo 2 den großen Übeln auf den Leib. Und dann war sie vorbei (für mich), die Zeit der durchgezockten Nächte in irgendjemandes Keller.

Casemod in Grün mit Weihnachtsbaum

Alles Pipifax verglichen mit einer Northcon. So große, professionelle LAN-Partys habe ich vorher ohnehin noch nie besucht. Und schon gar nicht mit einer Kamera. Aber die generell gut gestimmten und meist konzentrierten Spieler, ihre stolz auf den Tischen präsentierten Casmods, die ausgelegten Leuchtschlangen und Weihnachtslämpchen und USB-Gadgets ergaben in den abgedunkelten Hallen ein erstaunliches Motiv-Angebot (und ich konnte die neue Lumix mal ausführen). Und Menschen WOLLTEN fotografiert werden! Sie hatten Spaß daran, haben Posen eingenommen, drum gebeten ihre PCs abgelichtet zu bekommen und alberne Faxen gemacht. Und als wäre das nicht genug, gab es auch noch haufenweise Cosplayer.

 

Und auch noch gute.

Jagdausflug mit Stil. Beute: Ein erster Platz beim Cosplay-Wettbewerb.

Cosplay ist so ein Hobby, mit dem ich seit Jahren anfangen will, aber nie Zeit und Muße zusammenbekomme. Einfach mal machen, empfahlen mir die Sieger der Cosplay-Arena vor Ort, die als Predator-Pärchen mit Alienkopf auf dem Spieß angerückt waren. Mal schauen was draus wird. Bis es mit den vielen WoW und LoL-Figuren mithalten kann, die da einherspazierten, wird es da wohl noch einiges zu Lachen geben (und zu fluchen … ich und thermoplastische Werkstoffe? Ich verbrüh mich ja schon ständig an der Heißklebepistole …).

Neben dem Cosplay-Wettbewerb, der ein bisschen hastig über die Bühne ging (pun intended), aber immerhin um einen unglaublich putzigen Heiratsantrag bereichert wurde, gab es auch noch ein eSports-Turnier. Starcraft 2 (was sonst) und haufenweise Topspieler aus Korea (woher auch sonst). Aber am Ende war mit Scarlett eine Kanadierin im Finale und sogar ein Freund, der zum Arbeiten da war und eigentlich wenig mit der Materie anfangen konnte, ging auf einmal mit. Und ich konnte meinen eigenen kleinen Cast in sein Ohr aufmachen und alles ohne Fachbegriffe erklären … „Sie setzt auf fliegende Truppen, was vergleichsweise teuer wird und länger dauert, während er diese mittelgroßen Schabeneinheiten baut. Wenn er sie also dadurch schneller überrennen kann, wird es eng mit ihrer Luftattacke …“

Aber kommen wir zum Penis, dem in der Überschrift erwähnten. Ich habe auf der Bühne nämlich mitten in der Nacht auch mit einem kleinen Quiz Hardware vergeben dürfen – und die Zuscherreihen waren voll. Wenn es was umsonst gibt? Wäre ich ja auch dabei. Eine Truppe, die ich vorher schon auf der Suche nach guten Blickwinkeln auf einem Balkon entdeckt hatte, brachte allerdings ihr Maskottchen mit. Dessen Namen kenne ich leider nicht, aber es handelte sich um einen gut zwei Meter langen aufblasbaren Plastikpenis, der voller Stolz über der Menge in die Höhe gestemmt und geschwenkt wurde.

Beim Aussuchen von neuen Quizteilnehmern rutschte mir dann eben dieser Satz „Komm auf die Bühne – aber lass den Penis da“ oder etwas sehr Ähnliches heraus. Der Kandidat leistete Folge, aber darauf erhob sich ein Sprechgesang: „Penis! Penis! Penis! Penis!“

Mit einem Lachkrampf auf einer Bühne zusammenbrechen war aber jetzt keine so tolle Idee. Ich glaube ich habe dann vorgeschlagen, wenn der Penis auf die Bühne käme, müsse er auch die Fragen beantworten. Da noch eine schicke Grafikkarte zu vergeben war, verzichtete der Kandidat dann auf jegliche Penisbeteiligung, und das Maskottchen verblieb fröhlich wippend in der Menge.

Eins ist klar, auf so einer Veranstaltung darf man nicht zimperlich sein. Die meisten Teilnehmer sind Männer, es wird getrunken, die Laune ist generell gut. Ich gebe zu, in einer der Hallen mit 8 qm Hardcore-Porno empfangen zu werden, die per Beamer an die Wand geworfen wurden (die Security schritt irgendwann ein, erlaubt ist das dann doch nicht) hat mich stutzen lassen, aber wisst ihr was? Es ging den Leuten neben all dem Spaß auch und vor allem ums Hobby und nicht um nervige Klischees. Es gab Penis-Chöre, einige alberne Sprüche beim Cosplay-Contest, aber beim Starcraft 2-Turnier oder den kleineren Turnieren und Runden war es egal, ob jemand nun einen Penis hatte oder nicht. Die zwar vergleichsweise wenigen, aber durchaus vorhandenen Frauen haben mitgezockt und niemand hatte ein Problem damit.

Ich mochte die Northcon. Und natürlich gibt’s auch Eindrücke in Videoform – aller Voraussicht nach penisfrei.

 


Celebrate Star Wars – Ein Fandom, ein Fest, ein Reibach

Ich bin mal wieder spät dran. Vermutlich ist andernorts ja schon alles gesagt worden zu den anwesenden Stars (viele), den Neuigkeiten zu Episode 7 (maaager) und allem anderen drum herum. Ich kann nur eines Hinzufügen: Wie es ist, sowohl als Journalist als auch als Fan von Kindesbeinen an auf der Veranstaltung herumzugondeln. Schließlich darf ich dann ja nicht nur rumalbern und staunen, sondern muss mich halbwegs zusammenreißen, um ebenso was zu produzieren:

Warum die Star Wars Celebration dieses Jahr nicht irgendwo in den USA stattfand oder in England oder in Japan, sondern ausgerechnet Essen, kann ich mir nur mit dem Aussehen des Messezentrums erklären: Die Fenster könnten direkt von einer imperialen Station importiert worden sein und die moderne Kunst vor dem Eingang erinnert an die Sternenschmiede aus KotOR.

Hinter Herrn Haakes hagerem Haupt: Fenster wie auf einem Sternenzerstörer. Immerhin ein Grund für die Messe Essen.

Aber warum auch immer die offizielle LucasFilm-Veranstaltung diesmal nicht nur in Kontinentaleuropa sondern glatt in Deutschland stattfand ist auch egal, mir persönlich war wichtiger, dass ich sie so tatsächlich auch mal besuchen konnte. Natürlich in erster Linie für den Job und mit einer Kamera, aber ich wäre vermutlich auch privat da gewesen.Und es war anders als all die kleinen und großen Multi-Fandom-Conventions, auf denen ich schon rumgegondelt bin.

Aber bevor ich mich verquassel fange ich mit dem Anfang an: Eine Pressekonferenz, von der ich zweieinhalb Tage vorher erfuhr und zu der ich wegen mangelnder Planungszeit alleine mit 20 kg Equipment fuhr. Dann gab es einen kurzen und verwirrten Auftritt von Mark Hamill und Carrie Fisher, gefolgt von einer deutlich konzentrierteren und besser gelaunten Runde mit Peter Mayhew (Chewbacca), Ian McDiarmid (Palpatine), Anthony Daniels (C3PO), Warwick Davis (Wicket) und Jeremy Bulloch (Boba Fett). Das hieß in erster Linie Kamera drauf halten, Ton checken, mitgrinsen – und hin und wieder sinnvoll ein bisschen schwenken und zoomen, während neben mir RTL  und Sat1 etwas gelangweilt dasselbe machten. Eine Überraschung waren dann kurze und wieder etwas chaotisch organisierte 1on1-Interviews mit Anthony Daniels, Jeremy Bulloch und Ian McDiarmid, bei dem ich einsam allein mit meinem Kram zwischen den anderen Teams stand und fieberhaft noch nicht allzu blöde Fragen aus meinen Fingern saugte.

Denn in dem Moment setzte diese komische Unwirklichkeit ein, die erfahrenere Convention-Gänger vielleicht nicht mehr haben. Holy Cow! Ich habe dem Imperator die Hand geschüttelt! Die Menschen sind ja alle echt, auch wenn ich sie bisher nur von der Leinwand kannte. Da stand ein ordentlicher Teil des Star Wars-Gesamtmythos vor einer hübschen Hintergrundwand mit Logos von Lucasfilm. Deswegen zahlten Besucher auch ordentlich Geld für kurze Foto-Aktionen und Autogramme, um ein kleines Stückchen dieser Magie abzugreifen. Ich bekam meines in Form eines Händedrucks und ein paar charmanter Worte.

Dieses Teil-von-etwas-Großem-Sein war der einende Eindruck auf der gesamten Celebration, quasi das unsichtbare Energiefeld, das alles zusammenhielt. Alle verhielten sich schlicht wie ein Teil einer großen Gemeinschaft. Die ohne Kostüm, die mit Kostüm, die in Fan-Shirts, die mit als Darth Maul bemalten Kindern auf den Schultern, alle waren sie am Staunen und Grinsen und posierten mit einer der Dutzenden Slave Leias vor einem lebensgroßen Jabba.

Selten habe ich eine Con-Gemeinschaft so gut gelaunt, so entspannt und so begeisterungsfähig erlebt. Hinzu kam noch die für jemanden mit Kamera dankenswert hohe Menge an absolut großartigem Cosplay. Neben den Standard-Jedi und Prinzessinen gab es Tusken Raider, Jawas, Wookies, eine ganze Horde Mandalorianer, mindestens drei Mal General Thrawn, eine bunt gewürfelte imperiale Einheit, Senatoren der Alten Republik – alles was vage humanoid war, wurde dargestellt, durchmixt mit dutzenden R2-Einheiten. Beim Kostümwettbewerb lief dann auch der absolute Wahnsinn an mit hunderten Arbeitsstunden in Stickarbeit, einer Japanerin, die einen perfekten Obi-Wan darstellte und wie ein Derwisch samt Lichtschwert über die Bühne wirbelte, einem lebensgroßen Wampa, dem unvermeidbaren und genialen Darth Malgus und OMG – Lumiya! Punkte an alle, die den Charakter ohne googlen kennen ;).

Neben den Ständen der Fan-Vereine gab es Händler mit haufenweise neuem und Vintage-Merchandise (yay, Dagobah steht nun bei uns im Regal), einen offiziellen Convention-Laden von Lucasfilm (in dem Vaderhosen und Speeder-Bike-Autobahn-Aufdrucke deutlich machen sollten,dass Star Wars in Deutschland zu Gast war) und natürlich die vergitterten Abteile und kleinen Stände, in denen gegen teure Tickets Autogramme gegeben wurden. Immerhin: Zu den nicht ganz so großen Stars konnte man auch einfach so schlendern und sich mit ‚Greedo‘ über Solos Erstschuss unterhalten oder ‚Admiral Ackbar‘ ein ‚It’s a trap!“ ins Micro schmettern lassen. Die Gesamtfläche der Veranstaltung war gar nicht so groß, zwei übersichtliche Hallen und ein paar weitere Räume für Vorträge, der größte Teil davon genial dekoriert mit Fanwerken wie einem 4 Meter hohen AT-AT, dem schon erwähnten Jabbas Palast oder einer Cantina-Bar.

Es war ein bisschen wie heim zu kommen. In dem Fandom habe ich mich schlicht und einfach wohl gefühlt, mit anderen an den Ständen der Vintage-Händler große Augen gemacht oder coole Kostüme bewundert. Und vor allem immer eine freundliche Antwort und tolle Posen bekommen, wenn ich um eine Aufnahme bat. Selten konnte ich so entspannt auf einer Convention arbeiten.

Was aber alle Anwesenden ebenfalls einte, waren die Badges, die jeder aber auch wirklich jeder außer den Stars tragen musste. So hingen sie Darth Vader am Nacken herab wie Wäscheschildchen aus dem Mantel oder baumelten von Prinzessinnen-Gürteln. Damit auch auf den ersten Blick zu sehen war, dass diese Person bezahlt oder einen anderen guten Grund hatte, anwesend zu sein. Schließlich wird so eine Convention in der Größe nicht aus Herzensgüte veranstaltet, sondern um verdammt noch mal Kohle zu machen. Eigener Store, der Aussage eines dann fern gebliebenen Ausstellers nach ausgesprochen happige Standkosten, kein Nachlass für Leute in geilen Kostümen und geschickt auf alle drei Tage verteile Aktionen auf der angegliederten Großbühne, damit man möglichst ein Gesamtticket holen muss, wenn man alle Stars erleben will.

Aber … davon muss man sich nicht stören lassen. Zugegeben, als Presse gab es ein eigenes Badge – was hieß, dass ich mehr Kohle für Merchandise (neu und alt) ausgeben konnte. Mein Konto hat geweint. Aber auch ohne mit Geld um mich zu werfen hatte ich eine Menge Spaß. Mit Männern, die Prinzessin Leia cosplayten (großartig: einmal tatsächlich mit Zimtschnecken als Haarschmuck) und Frauen, die zum Beispiel eine unglaublich geile Interpretation von Darth Malak lieferten. Mit freundlichen und lustigen Händlern. Mit Stars, die auf der Bühne fröhlich ihre eigenen Szenen improvisierten, wobei mir Ian McDiarmid und Warwick Davis das definitive Con-Highlight verschafften und als Yoda und Palpatine durch die Gegend kugelten und kalauerten. Hatte jemand keinen Spaß auf der Veranstaltung? Schwer vorzustellen.

In zwei Jahren ist die nächste in Anaheim. Diesmal waren auch zahlreiche Amis da, ergänzt um Australier, Japaner, nicht ganz so weit gereiste Briten und Spanier und allen war es das wert. Mal schauen wie es 2015 mit meinen Finanzen steht, aber lohnen … würde es sich auch schon noch mal. Ich bin offiziell wahnsinnig.

Die nachgestellten Szenen. Ich würde mir auch die gesamten Filme in einer so ‚geschwedeten‘ Version anschauen.