Ich habe die E3 überlebt …

… und alles, was ich bekommen habe, ist ein Shirt von Bethesda, Anstecker, eine Watch Dogs-Handyschale, eine Tasche zu Lost Planet 3, eine zu World of Warships, einen exklusiven limitierten und überhaupt tollen Skylander, Samen für Pflanzen gegen Zombies und und und …

Ein Reisebericht. Oder etwas Ähnliches, mit kulinarischen Abstechern.

„Die E3 ist nicht so anstrengend wie die Gamescom“, hieß es vorab, „weil sie nicht für Publikum ist, sondern nur für Leute aus dem Business und Presse.“

Und zugegeben, die Messe war nicht so voll wie die Kölner Halle sechs zwischen Blizzard und EA zur Haupt-T-Shirt-Wurfzeit, aber doch nicht gerade dünn besucht. Wohl mehr als letztes Jahr, was allgemein den neuen Konsolen zugesprochen wurde, aber persönlich kann ich das nicht beurteilen, da es meine erste E3 war. Und dann direkt mit Handycap: Von der RPC am Wochenende zuvor hatte ich einen ordentlichen Husten mitgebracht, den ich immer noch einer Ansteckung bei David Prowse zuschreibe – ich habe berühmte Erreger! In LA entwickelte sich das Husten und Röcheln zu einer ausgewachsenen Erkältung und so mancher Termin erforderte vor allem große Konzentration, um zum Beispiel nicht mitten in Shinji Mikamis ruhigere Phasen der ‚The Evil Within‘-Präsentation reinzuhusten oder zu -niesen. Der Wechsel zwischen warmem aber windigem Draußen, kühler Halle und lächerlich kalten Interview-Räumen im mysteriösen behind-closed-doors-Bereich hat da sicherlich nicht gerade geholfen.

Sortieren wie mal die Eindrücke. Wie ist LA? Riesig. Divers. Die selbstverständliche Mischung von Menschen unterschiedlichster Herkunft ist eine angenehme Abwechslung zum steifen ‚Oh Gott wie verhalte ich mich jetzt politisch korrekt-Argh‘ das noch die beste Seite des Deutschen Umgangs mit Fremden und Fremd-Aussehenden angeht. Außerdem ist der durchschnittliche Einwohner LAs, dem ich begegnet bin, lächerlich nett. Also wieder verglichen mit Deutschen, die unter Service einen knappen Austausch von Informationen verstehen und im Bus mit ja niemandem reden. Allerdings kann der effiziente Austausch von Informationen darunter schon mal leiden und ich bin mehr als einmal darüber gestolpert, dass jemand an einem Information Desk fließend Smalltalk betrieb, während ich nur eine kurze Aussage zur Abbuchung der Hotelkosten oder der Erhältlichkeit eines Sony-PK-Armbändchens wollte. Als Deutscher ist man es irgendwie gar nicht gewöhnt, von Fremden erstmal fröhlich nach dem Befinden gefragt zu werden und mein Gestammel zu ‚Ja eigentlich doch gut *husthust*‘ wurde glücklicherweise überall mit einem gelassenen Grinsen als ‚Ah, ein Ausländer, putzig‘ abgehakt.

Wir waren (natürlich) am Walk of Fame, haben das nicht in die Luft gesprengte Chinese Theatre angeschaut (der Stern von Sir Ben Kingsley ist übrigens nur fünf Schritte oder so vom Eingang entfernt – eigentlich hätten sie in Iron Man 3 drüberlaufen müssen) und haben Heinz auf dem Stern von Boris Karloff fotografiert, was keinerlei Verwirrung bei den an allerlei gewöhnten Kleinhändlern und Tour-Verkäufern nach sich zog. Deutsche mit dreckigen Plüscheulen sind wohl noch das Normalste, was da an einem durchschnittlichen Tag entlangflaniert und mit Ausrufen wie „Oh schau mal, Fred Astaire!“ auf den Boden zeigt, als würde da tatsächlich ein verstorbener Entertainment-Star herumliegen.

Venice Beach haben wir uns gespart. Dafür haben wir lächerlich zuckrige Doughnuts im Farmer’s Market gegessen und haben vor dem Rückflug noch einen Abstecher zum Aquarium of the Pacific gemacht, wo man vorsichtig Baby-Hammerhaie streicheln, eine Menge extrem beeindruckende Aquarien bewundern und Ottern beim Spielen zusehen kann – empfehlenswert für alle, die wie ich gerne putzige bis bizarre Meeresbewohner anschauen.

Aber kommen wir zur E3. Electronic Entertainment Expo, einer der wichtigsten Branchen-Termine des Jahres und unter der Woche angesiedelt, was dank der ’nur Business und Presse‘-Beschränkung ja auch Sinn macht, auch wenn diese wohl eher eine Frage des Geldes ist.

Und Geld wurde eine Menge reingesteckt. Vorab gibt es bereits Pressekonferenzen von den größeren Namen, beginnend bei Microsoft und endend mit Sony, zwischendrin befinden sich EA und Ubisoft in einem Publisher-Sandwich. Es werden also haufenweise (und damit meine ich eher tausende als weniger) Pressemenschen mit Shuttlebussen durch LA gekarrt, um in Stadien und alten Kinos Präsentationen beizuwohnen. Die laufen in der Regel nach einem strikten Drehbuch ab und enthalten eine ausreichende Menge an Häme gegenüber der Konkurrenz – vor allem bei EA dieses Jahr, aber durchaus auch bei Sony.

Letztere haben in jeder Hinsicht gewonnen, denn im Pressemenschen-Punktesystem wird Location, Inhalt und Verpflegung gemessen. Und Sony hatte kostenlose Food-Trucks und Getränke, ein ganzes Stadion und sehr gute Fakten zur neuen Konsole. Bei Microsoft gab es nichts, Ubi hatte Wasserflaschen und verteilte Handyschalen und Anstecker zu Watchdogs und bei EA kosteten die Food-Trucks ordentlich Kohle und alle Getränke wurden einem bei Betreten der eigentlichen PK abgenommen. Journalisten sollte man zufrieden und satt halten, dann sind sie weniger hämisch – aber auch ’normale‘ Menschen wären ein bisschen angepisst, wenn sie an einem ordentlich sonnigen Tag in Los Angeles ihr frisch gekauftes eiskaltes Wasser einem sturen Security-Menschen übergeben müssten, der es schlicht weg wirft.

In den eigentlichen PKs wird man mit lautem Sound und Lichtshow hypnotisiert, um dann mit ausreichend Wiederholungen die aktuellen Marketing-Losungen und wichtigsten Produkte in den Schädel gehämmert zu bekommen. Dabei ist die Show vermutlich mindestens zur Hälfte für die Zuschauer im Livestream gedacht, die das Ganze immerhin ohne Anstehen und den stetigen kalten Luftstrom der Klimaanlage im Nacken genießen können.

Und damit ist dieser erste Part irgendwie der Anstrengenste. Von A nach B nach Y, weil Event-Planer auch gerne mal beschließen, dass solche Veranstaltungen nicht nahe beieinander sein müssen, egal wie schlimm der Verkehr in der Stadt manchmal sein kann. Immerhin konnte man von Microsoft zu EA zu Fuß laufen und dabei lächelnden jungen Damen mit grünen Sonnenschirmchen folgen, die die Strecke markierten.

Die eigentliche Messe sind dann zwei Hallen voll mit riesigen Ständen und ein paar kleineren für die Indies, eine Retro-Ecke und die weniger großen internationalen Publisher. Darüber befinden sich einzelne Konferenz-Räume und -Räumchen für zusätzliche Präsentationen.

In den Hallen werden übrigens keine Kosten und Mühen gescheut, um anzugeben. Zugegeben, keine echte Mig wie vor zwei Jahren auf der Gamescom, aber das vielleicht auch eher aus Platzgründen denn aus Protzgründen. Blizzard/Activision hatte geniale Charakter-Figuren von vergangenen Blizzcons aufgebaut und eine riesige 180°-Leinwand, EAs Anlage wirkte wie eine moderne Interpretation der Tore von Troia samt skäischem Sturz mit Trailern in der Dauerschleife. Bethesda ließ ein Elder Scrolls Online-Symbol vor Wolfenstein-Mechs rotieren und Sony und Microsoft haben eine halbe Halle unter sich aufgeteilt mit ihren jeweiligen Befestigungen direkt gegenüber wie knurrende Großmächte eines Kalten Konsolenkriegs. Übertreibung gibt es hier nicht.

Außerdem wird in dosierten Mengen an die ‚Presse‘ Kram herausgegeben. Allgemeines Zeug nach einer Präsentation wie eine Trinkflasche zu Mad Max (Zusammenhang?) oder ein Batarang-förmiger Flaschenöffner bei Batman: Arkham Origins (immerhin praktisch). Wer die richtigen Termine bei Activision belegt oder richtig Glück hat, kriegt auch schon mal einen limitierten Skylander, den so manche untreue Seele direkt für mehrere hundert Dollar bei e-bay reinstellt. Meinen goldenen Hot Dog wird ein solches Schicksal nicht ereilen,höchstens wird er hochoffiziell verlost, sollte ich nicht ausreichend Widerstand zeigen. So sammelt sich mit der Zeit ein ganzer Haufen ‚Swag‘, der geschickt verpackt nach Deutschland muss, weswegen im Karton des Witcher 3-Puzzles nicht nur ein Witcher 3-Puzzle sondern auch vor Ort gekaufter Tee, Schlüsselanhänger, Flaschen und Gadgets untergebracht sind.

Der indirekte Gewinner des Stand-Protzens war übrigens Wargaming, die nicht nur die auffallend hübschesten und zugleich in ihren Uniformen alles andere als billigen Booth Babes engagiert hatten (eine wichtige Investition wenn man beachtet, wie heftig alle Videos und Galerien zu eben jenen Babes frequentiert werden) sondern behind closed doors für World of Warships ein Kino installiert hatten, das die gewölbte Decke der Anlage mitnutzte. Fest installierte kippbare Stühle gaben einem dabei das Gefühl, sich in einem mittelgroßen Planetarium zu befinden, nur mit Kriegsschiffen und Sonar-Pings statt Sternenkonstellationen und der Synchronstimme von Anthony Hopkins, die was zur Entstehung des Universums erzählt. Außerdem lockten sie eine ausgewählte Menge an Journalisten damit, dass sie in ihrem privaten Bereich eine Bar hatten, die abseits der moralinsauren amerikanischen Öffentlichkeit Alkohol aller Form und Menge anbot, sofern man sich den richtigen Sticker von den richtigen Leuten geholt hatte.
All diese Sticker für ‚Backstage‘, Anhänger für VIP-Zugang und vorzeigbare Kärtchen für verwirrte Empfangsmenschen vor den Ständen ergeben eine farbenfrohe Mischung verschiedenster Logos – beim allerletzten Interview der E3 griff ein PR-Mensch noch vorsichtig an das Messe-Badge von Wolfgang Fischer und schubste es so zurecht, dass keines der anderen Logos indirekte Werbung machen konnte.

Warum das ganze Trara? Bei all dem ’nur Presse!‘-Getue ist die Messe voll mit einer Mischung unterschiedlichster Gruppen von ‚Presse‘. Ausgeschriebener Special Interest mit Kontakten zu den PR-Menschen darf in der Regel schneller rein und auch zu anderen Terminen, während die allgemeinen Berichterstatter und solche ohne Terminplan überall anstehen dürfen, wenn auch nicht annähernd so lange wie auf einer Gamescom. Übrigens scheint es eine ungeschriebene Regel zu sein, mittags bei Activision aufzulaufen, weil die immer massenweise kostenloses warmes Essen ankarren. Nom. Satt und zufrieden, wie gesagt. Dafür muss man sich an einen solchen Terminplan in der Regel auch halten und rennt schon mal samt Kamera und mit einem Hallenplan in der Hand panisch durch die Gegend auf der Suche nach dem Check-In für Internationale Medien, der nicht immer gut erkennbar und ausgeschildert positioniert ist. Bei Microsoft musste man sich zum Beispiel erst durch Mengen an interessierten Testspielern kämpfen, um irgendwo den passenden Anmeldetisch zu finden, und andere Team-Mitglieder am Stand wussten selber nicht, dass es überhaupt einen gab.

Kurz gesagt: Die E3 ist eine laute, bunte, angeberische, schräge und irgendwie coole Erfahrung. Aber vor allem ist es Arbeit. Solche, bei der man andere filmt, die sich mit Fragen in Interviews abmühen – oder sich eben selber mit Fragen abmüht, während jemand anderers filmt. Wer wenig mit Video zu tun hat muss brav wie im ersten Semester des Studiums alles mitschreiben und eine schlaue Zusammenfassung draus stricken, um so schnell wie möglich die zeitverschobenen Leser in Deutschland wissen zu lassen, wie Mad Max so aussieht (generisch as fuck um den Kollegen Stange zu zitieren – aber cooles Auto).

Und abends … sitze ich mit einem zugeschwollenen Kopf schimpfend vor dem Macbook und versuche, aus dem gefilmten Kram sinnige Videos zusammenzustöpseln, während der Kollege neben mir weitaus routinierter den Windows-Laptop handhabt. Teilweise bis drei, vier Uhr morgends Ortszeit, was dank eines gewissen Jetlags zunächst weniger schlimm ist als gedacht und sich erst am nächsten Tag rächt.

Oh, ich hatte noch kulinarische Ausflüge versprochen. In dem ganzen wirren, bunten amerikanischen Wust des E3-Aufenthaltes gab es natürlich auch Essen, das nicht von Activision behind-closed-doors serviert wurde. So wie sehr kreative Mac’n’Cheese mit Pilzen, Hähnchen und Bacon im Yard House direkt am LA Live, Burger in einem Irish Pub, Kebab mit für den Husten erstaunlich angenehmen Shisha nebenher in einem freundlichen vorderasiatischen Laden und als Krönung Asia-Mampf im sogenannten Wokcano, die ihr Rindfleisch offenbar in eine Mischung aus Soja-Soße und Magie einlegen, bis es zart ist wie Butter. Mein Gesicht beim ersten Bissen löste Gelächter bei den Kollegen aus. Und das alles, bis auf das Kebab, vor der kaputt-futuristischen Kulisse von LA Downtown mit seinen Wolkenkratzern, Pennern und fünfspurigen Einbahnstraßen.

Was Reiseempfehlungen angeht ist das natürlich eine sehr spezielle, aber wer aus der Branche ist, wenig Wert auf Schlaf legt und es gern laut und bunt mag, kann durchaus seinen Spaß mit der E3 haben. Oder ihr besorgt euch einen gewissen E-Fame und tobt eher entspannt, aber eben in der Regel nicht behind-closed-doors durch die Gegend, wie ein gewisser nicht ganz so wütender Joe, über den wir samt Trademark-Lederjacke gleich mehrfach gestolpert sind.

Highlights? Baby-Hammerhaie vorsichtig mit zwei Fingern über den Rücken streicheln, worauf sie irritiert umdrehen und die Hand genauer inspizieren wollen. Hat nichts mit der E3 an sich zu tun, aber dafür fühlen sie sich samtig und weich an und sind überraschend niedlich, wenn man sie mal mit ihren ausgewachsenen Artgenossen vergleicht.


Iron Man 3 – Besser spät als nie

Ja, Iron Man 3 jetzt erst – ich war zwar in einer Premiere, aber mitten in einer etwas chaotischen Woche Urlaub, Familienbesuchen und nur sporadischem Internet. Allerdings wurde ich jetzt ein paar mal gefragt, was ich als Besitzerin einer ansehnlichen Marvel-Comics-Sammlung von dem Film halte und habe das hier nach Genuss eines zweiten Kinoganges ins englische Original zusammengetippt. Auf geht’s.

Es ist irgendwie gerade in Mode, die potentiellen Kino-Gänger in Trailern in die Irre zu führen. Star Trek macht es (arrrrgh darf nicht spoilern) und Iron Man 3 hat es auch gemacht, nur im Grunde genau anders herum. Daher hatte ich zwar viel Spaß mit meiner Traileranalyse, die ich tatsächlich auch für meinen Job basteln durfte, aber handlungstechnisch war ich zugegeben ein gutes Stück ab von der Wahrheit. Reingelegt worden. So ging es vermutlich jedem im Kino, der ungespoilert reinging und gewisse Erwartungshaltungen mitbrachte.

Die wichtigste Frage hier ist: Reagiert man erbost oder kriegt man einen etwas hysterischen Lachanfall? Ich gehöre zur zweiten Kategorie und das, obwohl ich ein mindestens ebenso hysterischer Fan des Franchises bin und missionarisch jedem halbwegs Interessierten die nicht mehr ganz aktuelle Serie von Fraction und Larrocca in die Hand drücke (Brace yourself, Marvel Now is coming), um zu zeigen, wie Superhelden in der Moderne geschrieben werden können.

Filmuniversen können und sollen neu interpretieren. Wir Comic-Leser sind an Multiversen, parallele Welten und Reboots ohnehin ausreichend gewöhnt. Wenn sich die Macher des Films einem schwierigen Thema oder Charakter aus den Comics so ungewöhnlich wie möglich nähern wollen: Sollen sie! So lange sie es gut machen. Und ich finde das tun sie, auch wenn dieser Film sich nicht nur von den Comics teilweise ein gutes Stück entfernt, sondern auch von den beiden vorhergehenden Kino-Versionen.

Das ist mit Sicherheit auch zu einem guten Teil Shane Black zuzuschreiben, der die Regie von Jon Favreau übernommen und auch das Drehbuch mitgeschrieben hat. Am Besten dürfte man seine Handschrift aus den ersten drei Lethal Weapon Filmen kennen – und auch ohne dass es hier irgendwelche direkten Zitate gibt, erinnert doch das Tempo und der etwas durchgedrehte Witz der Dialoge an dieses Erbe.

Dass es hier anders zugeht, erfährt man schon (etwas schmerzhaft) dank des ersten Musikstücks. Wie vermutlich jeder andere auch hatte ich AC/DC erwartet. Statt dessen dröhnt dann auf einmal Europop aus den Kinolautsprechern – denn wir beginnen unsere Story in der Schweiz 1999 und offenbar sagt nichts mehr ‚Neunziger in Europa‘ als Blue von Eiffel 65. *schauder* Die Nachricht dieses ersten Schocks: Hey, es könnte kurz ein bisschen wehtun, aber danach wird es spaßig. Nimmt man die Hürde, dass der Film in vielerlei Hinsicht so einiges anders macht als erwartet, wird man dann auch exzellent unterhalten.

Worum geht es? Umschiffen wir mal wieder die Klippen der Spoiler. Tony Stark kämpft mit den Nachwehen von Avengers, arbeitet wie ein Wahnsinniger, macht sich selbst ziemlich verrückt und würde gerne die Beziehung mit Ex-Sekretärin und Lebensorganisatorin Pepper Potts nicht in den Sand setzen. Da scheinen ungewöhnliche Bombenattentate, zu denen sich der mysteriöse Terrorist ‚Mandarin‘ bekennt, eine gute Ablenkung – wäre Tony nicht genau der Mensch, der nie lange genug nachdenkt, um nicht Kopf voran wütend in eine Vendetta zu springen, wenn ihn jemand persönlich trifft.

Und dann geht es darum, dass Tony Stark wiederentdeckt, was ihn eigentlich zu Iron Man macht. Nämlich all das, was er auch noch ist, wenn er seinen Anzug ablegt – und das ist nicht einfach nur mit ‚genius playboy billionaire philanthropist‘ zusammenzufassen. Es geht um Einfallsreichtum, Entschlossenheit, Integrität und nicht zuletzt auch einen gewissen Witz und Charme.

Daher bleibt es weiterhin dabei: Robert Downey Jr ist eine perfekte Besetzung für diese Version von Tony Stark oder besser, er hat sie nahezu im Alleingang so definiert und wäre jetzt nicht mehr ersetzbar. Er bringt den Swagger, den Humor und das perfekte ironische Timing mit und inzwischen auch eine überzeugende Fitness und Eleganz, die er sich durchaus auch wegen der Filme antrainiert hat. (Kleine Trivia am Rande: Für Film eins überlegte er, zu trainieren. Jon Favreau sagte damals, es wäre nicht nötig, Mr Downey tat es trotzdem. Als sie dann die Szene mit dem Schmieden der Maske schnitten – angeblich mit allen weiblichen Arbeitskräften des Studios im Raum – war Favreau sehr dankbar, dass sein Hauptdarsteller nicht auf ihn gehört hatte. Seither ist Rober Downey JR im Training geblieben und macht Kampfsport und dürfte davon auch für andere Rollen profitiert haben, siehe Sherlock Holmes.) Das und ein fließender Übergang zwischen dem Darsteller und sehr gut ausgewählten Stuntmen sorgt auch für sehr ansprechende Action, die irgendwie immer noch glaubwürdig bleibt, aber schön mit den Möglichkeiten des Charakters spielt, wie in einer Kampfszene unterstützt nur von einem Repulsorhandschuh und einem Stiefel. Schöne Choreographie!

Auch ansonsten habe ich an der Besetzung nichts zu meckern. Gwyneth Paltrow gibt erneut die entschlossene Powerfrau mit trockenem Humor, deren Superkraft in erster Linie die Fähigkeit ist, das Ego von Tony Stark zu ertragen – und die ihn in jeder Hinsicht positiv beeinflusst. Gerade in Comics neigen die Damen dazu, reiner Antriebsgrund für männliche Helden zu sein. Das ist schon eine ganze Weile nicht mehr so in der Iron Man Comicserie und im Film auch nicht. Klischeehafter Weise wird versucht,sie so zu benutzen, aber Pepper ist tough und auch wenn ich erst dachte ‚oh nö, Fräulein in Nöten‘ ist das Fazit in der Hinsicht doch positiv: Nicht jedes Fräulein in Nöten muss auch vom Helden gerettet werden.

Don Cheadle hat Warmachine inzwischen so souverän übernommen, dass es mir ein wenig schwerfällt, mich noch an den Vorgänger zu erinnern, ohne Bilder zu googlen. Er verkörpert die Antithesis zum sprunghaften, genialen Tony Stark – ein verantwortungsvoller, geradliniger Offizier mit soliden Fähigkeiten, aber auch mit seinem eigenen Humor.

Guy Pearce gibt einen unterhaltsamen, schleimigen Gegenspieler mit der richtigen Menge an Übertreibung und Bösewichtverhalten, die an das Klischee denken lässt, dabei aber nicht unfreiwillig komisch wird.

Und Mandarin Ben Kingsley – Argh! Ich war sehr skeptisch und ihr müsst mir einfach glauben – man muss den Film sehen um zu verstehen, warum Ben Kingsley auf jeder (Meta-)Ebene die perfekte Besetzung für die Rolle war.

Und zu guter Letzt: Jon Favreau. Der ist als Happy Hogan erneut ein unterhaltsamer Comic Relief und das durchaus auch aufgrund der Tatsache, dass er die Serie als Regisseur erschaffen hat und jetzt als Produzent fungiert. Das hat Stil.

Was den Plot angeht – er ist ganz klar darum gestrickt, die angepeilten Szenen mit Action und Humor zu liefern. Wirklich fette Plotlöcher gibt es dabei nicht, aber für manche Sachen wird auch tatsächlich nur kurz ein Satz als Erklärung fallen gelassen oder es wird einem selbst überlassen, sich das warum zu erklären. Das nimmt man dem Film aber nicht übel, weil er unglaublich viel Charme hat. Das funktioniert in vielerlei Hinsicht – auch mit den finsteren Themen wird eher leichtfüßig umgegangen. Das erinnert mich durchaus an Interviews zum ersten der Iron Man Filme. Darin sagte Jon Favreau sie hätten gewusst, dass sie im selben Jahr rauskommen würden wie The Dark Knight und dass sie den nie in Sachen Ernst und Düsternis würden schlagen können und sich deswegen für den leichten Tonfall entschieden hätte. Ich schätze, dass da dieses Jahr auch ein kommender Man of Steel mit reingespielt haben könnte …

Das muss man akzeptieren. Es wird nicht so düster, wie die Trailer angedeutet haben. Selbst die Dinge, die ganz offensichtlich finster sind – Attentate, Stress-Störungen und Terror – bekommen vielleicht auch nicht ganz passenderweise ein Augenzwinkern verpasst.

Mir hat der Film unglaublich Spaß gemacht. Ich nehme lieber etwas, bei dem Leute sich selber ihrer Komik bewusst sind und sie als Stärke ausspielen als ein Unterhaltungsprodukt – egal welcher Art – das sich in seiner Dramatik sehr ernst nimmt und dann unfreiwillig komisch wirkt oder sich nicht sicher ist, welcher Tonfall nun getroffen werden soll. Ich will von ‚Blockbuster-Kino‘ unterhalten werden und das wurde ich hier auch. Ich mag die Charaktere, ich mag den Humor und für’s Auge gab es auch was.

Zugegeben, man merkt hie und da, dass sehr viele verschiedene Firmen an den Tricks gearbeitet haben und ILM offenbar für Star Trek ausgebucht war, aber in der Regel ist das, was man sieht, überzeugend – und vor allen Dingen wurden die Ressourcen so verteilt, dass die starken Szenen auch stark wirken und vielleicht eher unwichtige Tricks entsprechend unten auf der Prioritätenliste gelandet sind. Das 3D ist dabei immer gut, wird nicht für aufdringliche Effekte genutzt, sondern nur für eine überzeugende Bildtiefe. Ich brauche es nicht, aber es war angenehm und keineswegs störend.

Fazit: Ein schönes, kurzweiliges Spektakel, tolle Darsteller und ein paar schöne Wendungen im Plot, ohne die Glaubwürdigkeit zu sehr zu strapazieren. Und ja, das ist ein Seitenhieb auf den Storywust von Star Trek, der so tut als wäre er schlau und überraschend, es aber nicht ist.

Also, sollte euch das Thema ansprechen, geht rein und habt Spaß. Bringt aber etwas Gelassenheit und Humor mit, der Film tut es ja auch.


Star Trek: Into Darkness – Review mit gemischten Gefühlen

Kurz vorab: Ich bin ein ziemlich kritischer Mensch und vermutlich stehe ich mit meiner nicht einhellig positiven Meinung ziemlich alleine da. Aber irgendwer muss eben immer nörgeln …

Mit einem ganzen Haufen Trekkies in einen Star Trek Film zu gehen ist schon ein Erlebnis für sich. Die Truppe lacht einfach noch an anderen Stellen und freut sich über andere Auftritte als der Standard-Kinobesucher. Insofern war der Ausflug in die Vorpremiere von Star Trek: Into Darkness extrem vergnüglich inklusive wilder Spekulationen im Anschluss. Der Film war es leider nicht so.

Vielleicht lag das auch daran, dass wir in der zweiten Vorstellung waren und die Besucher aus dem ersten Durchlauf mit strahlenden Mienen und Begeisterung strömten und Lobeshymnen von sich gaben. ‚Der ist besser als der erste!‘, wurde dem Film mehrfach attestiert. Ich ging rein und wollte mich tierisch freuen, wollte den Film, toll und umwerfend und lustig und tragisch und stimmig finden. Es geht ja auch durchaus gut los. Schauspieler und Regie beweisen, dass sie Timing drauf haben, Humor und Dramatik beherrschen und vor allem auch ohne viel Worte Handlung und Stimmung transportieren können. Aber dann knickt der Film irgendwann ein.

Darüber zu reden wie und wo und warum genau ist gar nicht so einfach, ohne zu spoilern – denn die Trailer und vorab erhältlichen Informationen verraten praktisch nichts über die eigentliche Handlung. Aber eines war ja klar: Benedict Cumberbatch spielt den Bösewicht. Dank Sherlock wurde dessen Karriere auf Warp 9 beschleunigt (was? Star Trek Review ohne einen echt blöden Warp-Witz geht nicht) und jetzt darf er Smaug im Hobbit und eben ‚Agent Harrison‘ spielen. Obwohl ich nach Sherlock Cumberbatch eigentlich für einen richtig guten Schauspieler halte, kam ich hier etwas zu zweifeln – aber nach etwas Grübeln bin ich mir sicher, dass auch niemand anderes mehr aus seinen Textzeilen und Szenen hätte rausholen können. Ca. nach einem Drittel des Films hat ihm jemand einen Monolog direkt aus der Hölle in den Mund gelegt, der so hölzerne und verworrene Exposition darstellt, dass es im Vergleich zu den wirklich gut gelungenen Szenen mit namenlosen Nebenfiguren nur eine halbe Stunde vorher fast beleidigend wirkt. Mann! Hat das keiner mehr gegengelesen, bevor die gedreht haben? Hat niemand am Set gesagt: Hey, das klingt alles irgendwie unlogisch. Und doof. Wollen wir den Benedict nicht einfach was Besseres hier stante pede improvisieren lassen?

Ja, es gibt also diesen Monolog des Grauens. Und mit dem nimmt der Film irgendwie eine seltsame Wendung. Ab hier schien es Abrams und Drehbuchschreiber Lindelof (danke nochmal für den geballten Unsinn zum Ende von Lost hin, den Wirrwarr in Prometheus und den mangelnden Humor in Cowboys and Aliens) vor allem darum zu gehen, parallel zu schon bekannten Stories zu arbeiten. Ob das logisch ist? Scheißegal. Relativ schnell weiß man nicht mehr, wer was warum macht – und das vor allem bei den Bösen. ‚Weil‘ als Begründung für Missetaten ist einfach ein bisschen dünn und es ein wenig mit ‚aber wenn wir nicht, dann‘ und ‚aber er hat!‘ zu garnieren, hilft auch nicht. Das Ergebnis ist eine Reihe von bescheuerten Plänen mehrerer Personen, die irgendwie zu einem Kuddelmuddel zusammengerührt werden, bei dem es am Ende auf jeden Fall einen Bösen zu viel gibt, um eine mitreißende Handlung zu ergeben.

Normalerweise bin ich auch ziemlich gelassen, was technologischen Unsinn angeht, und wären Telefonanrufe durch den halben Alpha-Quadranten und Sperenzchen wie nebensächliches Trans-Warp-Beamen Erscheinungen eines anderen Universums – wäre mir das alles egal. Aber Star Trek ist nun mal Science Fiction und nicht mystische Science Fantasy wie Star Wars. Was die Technik kann ist eigentlich mit entscheidend für das gesamte Franchise und daher stößt es mir irgendwie sauer auf, wenn mit Krams herumgetüddelt wird, den frühestens die nächste Generation anfassen sollte. Nörgelei am Rande.

Kurz ein paar Worte zu Aliens: Die waren an Bord eines Sternenflottenschiffes traditionell eigentlich immer etwas Besonderes. Ob der einzige unter Menschen aufgewachsene Klingone, logischer und hochbegabter Vulkanier, Empathin oder von mir aus auch Borg mit Individualbewusstsein – diese Figuren waren wichtig und hoben sich von einer eher langweiligen größtenteils menschlichen Menge von Restbesatzung ab. Auf dieser Enterprise allerdings wimmelt es nur so von seltsamen Figuren, die teils nur einen Satz sagen oder schlicht im Hintergrund stehen – so als habe jemand eine Star Wars Cantina in Uniformen gepackt und über der Brücke ausgekippt. Seltsam. Oh und man bekommt kurz einen Klingonen zu sehen und ich bin mir nicht sicher, ob ich das Redesign okay finde oder nicht. Oder ob ich es überhaupt gut finde, Klingonen neu zu designen. Immerhin haben sie die Stirnhöcker nicht wieder entfernt. (Worf: Wir sprechen nicht darüber.)

Okay. Was war gut an dem Film?

Ich mag das Bild, das von der Erde der Zukunft gezeichnet wird. Das Design der futuristischen Städte erinnert teils ein bisschen an Mass Effect, teils an Blade Runner allerdings ohne dessen Düsternis. Dank Budget und Technologie bekommen wir hier doch deutlich mehr zu sehen als die Akademiegärten und umfunktionierten Paramount-Kantinen vergangener Zeiten. Die Tricks sind generell hervorragend (ILM eben) und es ist schwer zu sagen, wo jeweils reales Set und Illusion ineinandergreifen könnten. Noch viel besser: Man denkt während des Films darüber gar nicht erst nach, weil alles stimmig wirkt.

Bis auf eine Sache: Die Dimensionen. Irgendwie muss die Enterprise eigentlich eine TARDIS sein, denn was da an Innenräumen gezeigt wird, da würde selbst Picard noch erstaunt die Backen aufblasen. Oder sie nur auf dem Holodeck rekonstruieren. Das INNERE eines Warp-Kerns (ja, das was normalerweise als leuchtende Säule irgendwo rumsteht und brummt) ist hier größer als jeder bisher gesehene Maschinenraum. Das ist alles schick, kratzt aber schon am suspension of disbelief.

Auch die Besetzung ist natürlich erneut sehr gut gelungen, wobei mir wieder einmal Karl Urbans Pille am besten gefallen hat (allein schon weil er eine so unglaublich gute todernste DeForest Kelley-Imitation drauf hat), Simon Pegg als Scotty hart am Slapstick vorbeischrammt, während der neue Chekov mitten drin landet, Quinto-Spock überzeugt und Kirk … naja Kirk ist. Vielleicht liegt es an der nicht so gelungenen Synchronisation des Charakters oder an dem etwas kantenlosen Blondschopf Chris Pine, aber ich kann mit diesem Kirk einfach nicht mitfühlen. Shatner hat immerhin extrem unterhaltsam Overacting betrieben und sich die Rolle lange und ausdauernd … erarbeitet nennen wir es mal und außerdem war er Kirk, als ich ihn mit staunenden Kinderaugen das erste Mal mit VHS-Schlingern im Einsatz sah, deswegen konnte ich mit seiner Figur immer mitfiebern. Aber bei Pine lässt es mich leider einfach kalt, was mit Neo-Kirk passiert, und da er diesmal ganz klar die Hauptfigur ist, leidet darunter schon irgendwie mein Filmgenuss.

Wer als Fan reingeht, hat natürlich die übliche Menge an Anspielungen, Easter Eggs und für Neulinge undurchsichtigen Verbindungen, über die man sich freuen kann. Auch wenn sie vielleicht einmal weniger auf Rote Hemden hätten anspielen können.

Fassen wir mal zusammen, am besten immer noch ohne zu spoilern:

Der Film ist technisch gut (3D überflüssig aber okay), durchaus gut besetzt und bietet genügend Parallelen und Anspielungen für die langjährigen Anhänger des Franchises. Allerdings darf man keine wirklich durchdachte Story erwarten, muss sich durch ein paar weniger tolle Szenen und Dialoge kämpfen und mutig über klaffende Logiklöcher springen, um ihn bei guter Laune zu Ende zu schauen. Es ist kein schlechter Film – aber er hätte ein sehr viel besserer sein können bei den gegebenen Voraussetzungen.

Immerhin, bei Star Wars wird Lindelof nicht mitschreiben. Um mich drauf freuen zu können, schiebe ich dem jetzt ohne wirkliche Beweisführung den schwarzen Peter für alles zu, was mich am Drehbuch gestört hat.

Die Horde Trekkies war übrigens höchst zufrieden. Es muss also wohl nicht jeder so ein Miesepeter sein wie ich, was den Film angeht. Ich allerdings würde sagen: Wenn ihr einen unterhaltsamen, schnellen und coolen Actionfilm sucht, Franchise egal, empfehle ich statt dessen Iron Man 3. Der hat auch praktisch nichts im Trailer verraten, nimmt sich technologische Freiheiten, ist aber in sich viel schlüssiger und hat eine deutlich charismatischere Hauptfigur.

P.S.: Ist es nicht seltsam, zu Star Trek ‚unterhaltsamer, schneller und cooler Actionfilm‘ zu schreiben? Von Gene Roddenberrys Vision einer gereifteren Menschheit der Zukunft merkt man wenig. Und Grundsätze wie die Erste Direktive taugen im Grunde nur noch als Aufhänger für eine bitch-session von Kirk und Spock. Pantha rei – und auch Star Trek ist heute natürlich nicht mehr das, was es früher einmal war. Zum Guten oder zum Schlechten.

 

Und jetzt für alle, die so lange durchgehalten haben und neugierig sind: Spoiler. Einfach markieren zum Lesen. Ihr seid gewarnt.

 

Es steht schon auf imdb und der Fascho-Scheitel weist drauf hin: Benedict Cumberbatch spielt Khan. DEN Khan. Khan Noonien Singh, auch bekannt als KHAAAAAAAAAAAAAAN! Supermensch und Erzfeind. Was ist das Problem daran? Man wollte es offenbar partout vorher nicht sagen und deswegen wird an der Story seltsam herumgedoktort, damit man es nicht sofort erfährt. Und für alle, die nicht wissen, wer Khan ist, wird eben der Dialog aus der Hölle als Exposition reingeworfen.

Mit diesem dann etablierten Bösen wird der Film ab der Mitte 1:1 Zorn des Khan auf Steroiden, nur dass als TWIST! Kirk im Reaktorraum verrecken darf und der Abschied von Spock George Takei sicher sehr gut gefallen hätte, wenn ihr wisst, was ich meine *nudge nudge*. Außerdem darf so diesmal Spock KHAAAAAAAAAAAN! brüllen, was aber als Gag besser funktioniert hätte als in einer Tränendrüsenszene.

Hinzu kommt, dass Robocop Peter Weller noch einen anderen Bösen spielt, der irgendwie einen Krieg mit den Klingonen vom Zaun brechen will. Bevor die noch auf die Idee kommen, das selber zu tun! Und Khan will sich an Robocop rächen, weil der … irgendwas mit seiner Crew gemacht hat … weswegen jetzt alle in Torpedos versteckt wurden … die aber bescheuerterweise immer noch scharfe Waffen sind … äh … Die Motivation der Beteiligten entzieht sich der Nachvollziehbarkeit. Vermutlich findet sie sich in einem anderen, parallelen Universum.

Und das Tollste: Wer Zorn des Khan kennt, weiß im Grund ab einer gewissen Stelle genau, was weiter passieren wird und kennt damit den Rest des Films schon. Spannend. Not.

 


Mama, ich bin mit Divinity im Fernsehen! … Internet … ach ist doch eh dasselbe …

Ich bin ein kleines Lichtchen im Verlag oder besser gesagt fühle ich mich meist so. Die Videomaus halt, die Sachen schneidet, Dinge in die Kamera sagt und die Monatsvorschau einspricht. Die muss aber nicht notwendig Ahnung von Games haben (dass sie sie hat schadet aber auch nicht) und Tests, Events, Weltreisen, cooles Zeugs halt machen die erwachsenen Redakteure. Die nicht alle wirklich älter sind als ich, aber vielleicht ein größeres Selbstbewusstsein mitbringen.

Fassen wir es kurz zusammen: Einen Livestream mit einem Studiochef eines noch nicht erschienenen Spiels mache ich für gewöhnlich nicht. Außer mit den Larian Studios. Die extrem entspannten netten Belgier von nebenan, die mit Divinity: Original Sin ein entschleunigtes Rollenspiel machen, mit Dialogen, Entscheidungen, großer Welt und rundenbasiertem Kampf. Und vor allem mit einem ausgesprochen schlau angelegten Koop-Modus, in dem ein zweiter Spieler jederzeit über LAN oder Internet ein- und wieder aussteigen kann.

Und genau das durfte ich machen. Reinhüpfen, einen der beiden Hauptcharaktere übernehmen und loslegen. Und es. Ist. Toll! Vermutlich sollte ich mich zurückhalten mit Fangirlismus als Person des verminderten öffentlichen Nischen-Gruppen-Unterabteil-links-in-der-Ecke-Interesses. Also als jemand, der nicht mehr nur ganz privat online unterwegs ist. Aber ich will!

Es ist schön. Hübsch. Es hat die Stimmung eines Frühlingstags in der Toskana (zumindest dort wo wir unterwegs waren aber es soll seeeeehr groß sein), es ist voll mit Kleinigkeiten und Krims und Krams und Humor. In der eben gezocken Pre-Alpha war vieles noch nicht fertig, Icons fehlten und es gab auch noch keine Vertonungen, aber irgendwie hat mich das nicht gestört. Es war … ja es war wie in der Guten Alten Zeit ™ aber flüssiger, moderner und satt was für’s Auge. Und dabei ein fortlaufender Kommentar mit Studio-Gründer Swen Vincke, mit dem ich über das Töten von Katzen-NPCs diskutieren konnte.

Man kann mit Tieren reden (und Antworten bekommen), wie im ersten Divinity Teleporterpyramiden benutzen, Haushaltsgegenstände zu Waffen und Rüstung umfunktionieren und sich mit dem Koop-Partner über Entscheidungen streiten. Es ist ein Spiel für Leute, die gerne ausprobieren – nicht nur wegen der Item-Bastelei, sondern auch wegen der unterschiedlichen Wege die jede Quest auf Basis der Dialoge einschlagen kann. Prügle ich mich mit den Wachen oder folge ich ihnen? Flirte ich mit der badenden Dame, in deren Zimmer ich gerade erschienen bin, fliehe ich oder gebe ich ihr (!) eine Backpfeife? Wah! Die Möglichkeiten! Es ist, als habe jemand eine Hirnprobe bei mir unternommen und versucht herauszufinden, welche Art von Spiel ich gerne hätte.

Nämlich genau dieses. Und ja, ich mag auch rundenbasierte Kämpfe, wo man mit Aktionspunkten hantieren und sich seine Handlungen überlegen muss, um nicht das Zeitliche zu segnen. Ich fühle mich gerne schlau beim Zocken und dazu braucht es entweder Rätsel (und wo gab es bitte das letzte Mal richtig Rätsel in einem Spiel, abgesehen von, naja, Rätselspielen wie Professor Layton?) oder ein Kampfsystem, bei dem ich mir nach geschickter Kombination von Aktionen selber auf die Schulter klopfen kann oder bei absolutem Versagen verschämt einen Blick in die Runde werfe, ob mir jemand zugesehen hat. Reaktionen und Kenntnis jeder Taste auf meiner Tastatur oder meinem Gamepad in allen Ehren, aber diese altmodische Art von Skill mag ich einfach.

Außerdem sollen im Alter die Reflexe nachlassen, also ist das vielleicht der Trend der Zukunft, während wir Gamer langsam dahinrunzeln und sich eine Kluft zwischen CoD-Kiddies und uns auftut.

Und ich durfte dabei sein. Ich habe die Pre-Alpha gezockt und mich wie eine von den Großen gefühlt, während die Zuschauer mit meinem Englisch kämpfen durften. Ich sag euch, das ist einer der Momente, wo der Job einfach nur unbegrenzt Spaß macht. Danke an Larian, nicht nur für ihr cooles Spiel, sondern auch für die Einladung. Und danke an den Kollegen Viktor Eippert, der mir als Dame den Vortritt gelassen hat, nachdem die Einladung nach seinem Studiobesuch als erstes auf seinem Tisch landete. Ich schwimme jetzt noch ein bisschen mit meinem Hype-Amphibienmobil auf der Welle der Begeisterung und lasse euch mit diesem wirren Statement zu oldschool-gaming, Rollenspielen und dem Videoredakteursleben im allgemeinen alleine.

Oh und by the way: Support the Divinity: Original Sin-Kickstarter 😉.

P.S.: Eine gekürzte Best-Of-Version der Session wird es wohl auch die nächsten Tage geben.


Und soviel zum Studium …

Ich habe heute meine Uni-Unterlagen weggeworfen. Obwohl ich erst vor drei Jahren abgebrochen habe, scheint das alles aus einem anderen Technologie-Zeitalter zu stammen – Berge und Berge von Papier! Und erst die Overhead-Projektor-Folien – ich habe mangels Laptop erst sehr spät auf Powerpoint umgestellt. Das heißt da finden sich noch massenhaft Kopien von Befunden, Funden, Verwandtschafts-Schemata und was sich sonst noch so angehäuft hat. Stellt euch vor man hätte mit Folien ein ähnliches Deppenschema wie mit Powerpoint betrieben und alles, was man sagt, nochmal in großer Schrift an die Wand geworfen. Ich hätte einen Container bestellen müssen.

Aber das ist nur eine kurze Abschweifung, denn eigentlich geht es mir darum, was für eine kuriose Bedeutung dieses Studium hatte und hat. Ich habe Sinologie und Ostasienkunde, Ethnologie und Ur- und Frühgeschichte studiert (der damalige Freundeskreis nannte es auch gerne ‚Hartz 4‘). Ich habe abgebrochen, als mir im Hauptfach angeboten wurde, im nächsten Semester auch ohne Magister schon zu unterrichten. Ich habe nicht abgebrochen, weil ich es nicht konnte: Ich war gut. Ich bin mit einem sehr guten Abi und einem Stipendium in die Sache gestartet und vielleicht war das überhaupt der Fehler. „Wenn du nicht studierst, wäre das eine Verschwendung“, habe ich des öfteren aus mehreren Quellen gehört.

Was meinem Studium das Genick gebrochen hat war eine chronische Krankheit – und meine Verpeiltheit und mein mieses Zeitmanagement. „Du setzt die falschen Prioritäten“, war auch ein schönes Zitat – darauf bezogen, dass ich lieber Zeit mit Hobbies und Freunden verbrachte als noch mehr zu lernen. Nicht, dass ich nicht gelernt hätte; vor Mandarin-Klausuren verfiel ich regelrecht in Vokabel-Trance. Aber ich Depp habe Comics gelesen, Rollenspiele gespielt, selber welche gemacht, bin auf LARPs gefahren und habe dafür Kram genäht, habe mit einer Freundin ohne große Ahnung davon zu haben Leinwand um Leinwand mit Farbe vollgekleistert. Ich nahm mir Freizeit und hatte auch immer ein bisschen ein schlechtes Gewissen deswegen. Man muss sich ja auf das Studium konzentrieren. Es soll ja etwas dabei rauskommen. Am besten jemand, der gut verdient und die Familie unterstützt und nach Möglichkeit dabei noch der Wissenschaft hilft, denn ‚praktischen‘ Nutzen hat ja ein Geisteswissenschaftler ohnehin nicht, wie jeder BWLer weiß.

Aber irgendwie, obwohl ich dann neben den Hobbies Nächte durchgemacht habe um Hortfunde Norddeutschlands für ein Referat zu sortieren oder Fibelformen der La-Tène-Zeit zu lernen, war auch das Studium an sich am Ende wohl doch eine rein egoistische Sache. Ich habe viel gelernt, über Menschen zu verschiedensten Zeitaltern und in verschiedensten Lebenswelten. Das macht mich um einiges reicher, aber nicht den Rest der Welt. Ich habe nichts erreicht außer fast sechs Jahre meines Lebens einen Sitzplatz in Vorlesungen und Seminaren zu besetzen, den doch sicher jemand Engagierteres hätte brauchen können. Ich habe niemandem etwas gebracht, außer mir selber, denn ein gebildeter und weltoffener Mensch hilft der Gesellschaft nicht so sehr wie ein gut ausgebildeter Ingenieur.

Ich besitze ein chronisch schlechtes Gewissen, und das ohne Katholik zu sein. Ich denke oft genug darüber nach, ob ich nicht mein Studium doch besser mti einem Abschluss hätte beenden sollen oder noch besser ganz etwas anderes machen. Ich gehe meistens selber davon aus, dass ich meine Zeit verschwendet habe – entweder mit dem Studium oder eben damit, es nicht ‚richtig‘ zu machen. Was wäre denn richtig gewesen? Hätte ich mich irgendwo anders entscheiden sollen?

Ich habe in einem unglaublich grässlichen, halb fertigen Fantasy-Science-Fiction-Romanzyklusdingsi mal eine Hauptfigur zu der Erkenntnis kommen lassen, dass man im eigenen Leben keine Fehler macht – es sei schließlich die eigene Geschichte und alle Entscheidungen und Handlungen gehörten zu dieser Geschichte dazu und seien richtig für ihren Ablauf.

Das ist Bullshit. Natürlich kann man eine Menge falsch machen. Indem man anderen schadet, in erster Linie. Kitschig ist es auch, denn viele schlauere Menschen als ich haben das schon mal sehr viel eleganter formuliert. Scheiß drauf, ich darf auch mal. Und wisst ihr was? Ich habe Jobs bekommen, deren Grundvoraussetzung meine Zeitverschwendungen waren – Zocken, Rollenspiel, Kreativ-Sein ™ und in die ich tatsächlich auch immer wieder mal mein humanistisches Nutzlos-Wissen einbringen kann. Da war eine Menge Glück mit im Spiel, aber auch Hartnäckigkeit, Begeisterung für das, was ich tue, und viel investierte Zeit – ohne jahrelang nebenher Projekte zu stemmen (danke an alle Mitstemmer wie Immer-noch-Anfeurer-Nico, hilfreiche Familienmenschen und meine Studienzeitfreunde) wäre das nie etwas geworden. Wenn man es so sieht, habe ich eine Art zweites, privates Studium nebenher betrieben, das sich unglaublich ausgezahlt hat, während mein eigentliches Studium inzwischen den Status des Hobbies hat.
Erkenntnisse des Tages?

– Bereue nichts, was dir nicht Schulden oder eine Vorstrafe eingehandelt hat oder jemand anderem geschadet.
– Wenn dir etwas wirklich am Herzen liegt, wird etwas draus werden.
– Teenager schreiben von Natur aus miese Literatur, das liegt an der mangelnden Erfahrung.

Und jetzt werfe ich den letzten Stapel Notizen in den Papiermüll und schaue noch einmal den zweiten Trailer für Iron Man 3. Vielleicht zahlt sich auch das irgendwann aus, wer weiß ;).


Die Sehnsucht nach Superhelden

„Sag mir bitte, dass du den Dreck nicht liest.“

Das war wortwörtlich die Reaktion einer Mitschülerin, nachdem sie einen Comicband aus meiner Hand geschnappt hatte. Danach habe ich die nächsten Jahre versteckt unter Tischen geschmökert und möglichst niemanden reinschauen lassen. Wer die gleiche natürlich unverträgliche Mischung aus Eitelkeit und Unsicherheit mitbringt wie ich, lässt sich eben immer nur einmal wegen etwas auslachen.

Und dann kam irgendwann der Moment, wo ich peinlich berührt jemandem zu erklären versuchte, was ich da so halbheimlich süchtle, und folgende Antwort erhielt: „Ach was, ist doch cool!“

Bizarr. Aber irgendwie haben Comics es generell in eine allgemeine Zone der Akzeptanz geschafft. Spätestens seit erfolgreichen und weniger erfolgreichen Verfilmungen von jedem letzten Daredevil und seiner Oma kennt ohnehin jeder mindestens ein, zwei Titel. Zitate aus Spider-, Super- oder Sonstwieman gehören zur Popkultur. Batmans Robin-Ohrfeige lacht mich jeden Tag auf Facebook an. Und mit dem etwas weniger vorbelasteten Begriff Graphic Novel kann man Comics auch als Kulturgut akzeptieren.

Was ich mich aus meiner Unter-dem-Tisch-Verstecker-Perspektive, als ehemaliger komischer Teenager mit komischen Hobbies heutzutage frage ist, was sieht jemand, der durch allgemeine Popkulturinfektion Comics kennt? Dasselbe wie ich? Etwas anderes?

Und deswegen hier eine kleine und vielleicht unnötige Auswalzung des Warums bezüglich des Lesens und des Was bezüglich der Wahrnehmung.

Kleine Anmerkung vorab jedoch: Als Kind der Achtziger habe ich erst in den Neunzigern angefangen, Comics zu lesen. Ich verbinde mit den überzogenen Figuren der Zeit eine gewisse Nostalgie, habe ältere Phasen aber mit demselben faszinierten Abstand kennen gelernt wie Schwarzweißfilme von Akira Kurosawa, Fred Astaires Coolness und alten Rock: Es ist nicht meine Primärgeneration des Mediums und ganz sicher kein Gebiet, auf dem ich mich mit absoluter Sicherheit bewege, aber das ändert nichts an meiner Wertschätzung.

Die Comics, mit denen ich die Sucht begonnen habe, meine X-Men, Batman aber auch The Darkness, Witchblade, Spawn und Einzelausflüge in andere Serien waren alle eine Auszeit für mich. Geschichten, die sich ausreichend Freiheit von der Realität nehmen können um ohne Ballast ihre Ideen zu spinnen. Was nie und nimmer heißt, dass sie fernab vom Zeitgeist der Realität wären. Sie greifen Rassismus, Ausgrenzung, Reaktionen auf Schwulenbewegungen und Angst vor dem Terror auf. Mal plumper, mal feinfühliger. Aber sie müssen sich dabei auch, vor allem in den fortlaufenden Serien mit Zeitdruck, nie wirklich zu sehr an etwas verheben, denn am Ende zählt es, den Leser zu unterhalten. Und so haben sie immer stärker als jedes andere Medium bei mir die Lust am Selber Ausprobieren entfacht. Einfach mal schauen, was man selber erzählen und machen kann. Und sie waren ansteckend!

In der Oberstufe gab es auf einmal eine ganze Bande von Mädels, die eine parallele Geheimidentität als Mutanten-Heldinnen hatten, Zeichnungen und einen nie fertigen kleinen Comic inklusive. Naheliegend, denn bombardiert mit Superfähigkeiten fragt sich doch jeder schnell, was er selber gerne könnte. (In meinem Fall Fliegen und Dinge explodieren lassen… klassisch und einfach. Allerdings konnte mein Alter Ego nur mit Mühe noch jemanden mitschleifen mangels Kraft und konnte sich der Insekten nur mit Fliegerbrille und Schal erwehren.)

Und ist es ein schlechtes Vorbild für Frauen in dem Alter, eine Badass-Superheldin zu sein, die jeden, der sich über ihr Oufit lustig macht, im Notfall unangespitzt in den Boden rammen kann? Die kein armes Mäuschen ist und kein Mauerblümchen und nicht brav, die blöde Frisuren selbstbewusst trägt und kein Problem mit anderen Hautfarben hat, denn die beste Freundin ist eh von Kopf bis Fuß blau? Und wenn sie nur fünf Streifen Stretch trägt!

Ja, Comics haben meine Fantasie und Begeisterung in sinnig sinnfreie Bahnen gelenkt. Soviel zu Eskapismus und Inspiration.

Es kommt aber auch noch Begeisterung für das Handwerk hinzu, sowohl erzählerisch als auch von der Bildgestaltung her. Ein Killing Joke (interessiert euch Batman auch nur am Rande: LESEN!!) hinterlässt den Leser emotional aufgewühlt. Meine traurigen und so wunderschön umgesetzten Wolverine: Origin-Hefte halte ich in großen Ehren. Verträumte Neil Gaiman-Comics haben ja ohnehin Berühmtheit erlangt.

Ich will nicht jedem Comic große künstlerische Bedeutung zusprechen, dafür habe ich auch zu viel Mist gelesen (und habe auch von einigen erfolgreich verfilmten ‚Klassikern‘ keine allzu hohe Meinung). Aber es gibt sie, die Bände nach denen man das Deckblatt durch die Finger streifen lässt und irgendwo zwischen betroffen und verzaubert ins Leere starrt. Bei denen man etwas Bedeutsames erzählt bekommen hat, idealerweise verpackt in Bilder, die schön, eindringlich, eloquent und auf ihre Bedeutung hin strukturiert sind. Wo jede Seite ein Kunstwerk ist. Wenige Medien funktionieren bei mir annähernd gut wie Comics, um etwas zu transportieren. Es ist die Mischung aus Lesen und visuellem Reiz, aus Erzähler und erzählenden Bildern, die irgendwie genau die richtigen Hirnregionen ankitzelt.

Und nun abschließend zur Sehnsucht.

Ich glaube am klarsten fasste ich diesen unterschwelligen Gedanken im Rahmen der aktuell laufenden Invincible Iron Man-Serie. Wo eine Episode mit Tony Stark im Weltall begann, gekleidet in einen Technologietraum und mit der Reparatur an einem Shuttle beschäftigt.

Hätte man einen Stark-in-the-Box wäre keine Raumfähre wegen Schäden an ihren Hitzekacheln beim Wiedereintritt verunglückt. Warum können diese Helden alle fliegen, warum sind sie stark, können durch Wände sehen oder sind geisteskranke übertrainierte Hightechstalker, die nachts Überfälle vereiteln?

In dem Moment, wo der Wagen von der Bahn abkommt und die Leitplanke der Brücke durchbricht, wenn das Flugzeug bei der Landung einen technischen Defekt hat, liegt nichts mehr in unserer Hand. Das ist das kalte, fühllose Universum, das uns in Filmen von Aliens fressen lässt – und professionelle Paniker und Hypochonder wie ich kennen sich sehr gut damit aus, wenn auch zum Glück in der Regel nur theoretisch.

Das einzige, was einen in einer solchen bitteren Situation noch retten KÖNNTE wäre ein Mann aus Stahl, der schnellste Mann der Welt oder zum Ausgleich auch die Frau… mit… dem Lasso der Wahrheit. Okay, vermutlich viel weniger Leuten bekannt aber die Idealbesetzung: Pepper Potts als Rescue.

Die Sehnsucht nach Superhelden ist die Sehnsucht danach, auch die letzten Schrecken irgendwie überwinden zu können und über alle Todesfallen im Leben eine Brücke zu bauen.

Gibt es nicht. Aber die Sehnsucht beweist, dass es diesen Schrecken noch gibt. Dass auch wenn alles noch so sauber und modern und technisch ausgereift ist, wir immer noch nur das sprichwörtliche Staubkorn im (unter Umständen) unendlichen All sind und sehr viel größere Mächte als wir jeden Tag am Werk sind.

Das ist per se ja nichts Schlechtes – und wenn wir irgendwann doch alles überwunden und kontrolliert haben, schadet es nicht, wenn der Held namens Menschheit seine Unterwäsche über der Leggins trägt und angesichts grüner Kristalle in Ohnmacht fällt. Ein bisschen Albernheit sollte die Perfektion dann doch brechen.

Oh und eines noch: Comics machen einfach Spaß. Punkt.

Und jetzt bitte ich darum, mir andere Sichtweisen zu schildern!


Die Legende von Heinz …

… oder warum Markus Heitz mir 7 Euro 50 schuldet.

 

So ein Blog ist eine Schlimme Sache. Haufenweise Themen habe ich verworfen, weil zu unwichtig, zu rechthaberisch dargestellt, zu profan und … egal. Blogs sind glaube ich ja dazu da, seine Meinung ins Internet zu brüllen und zu schauen, wer zuhört.

Heinz Uhrwerk Verlag

Heinz in seiner Funktion als Uhrwerk-Eule

Die heutige Geschichte ist allerdings durchaus wichtig (für mich) und ich erzähle sie immer mal wieder gerne, einfach wegen ihrer Abstrusität – aber aufgeschrieben habe ich sie noch nie. Ändern wir das doch einfach mal. Es geht um Heinz. Oder besser Prof. Dr. Dr. Dr. Dr. Heinz Featherly (einer der Doktortitel wurde posthum verliehen), Co-Moderator der Orkenspalter TV-Sendungen, kosmische Urentität, Ewige Eule, Fachvogel für Rollenspiel und inzwischen ein ausgesprochen abgegriffenes Plüschtier.

Heinz hat sich zu einem überlegen-boshaften Wesen entwickelt, das Bücher sarkastisch kommentiert und irgendwie auch als Maskottchen für den Uhrwerk-Verlag dient. Im Rahmen letzterer Funktion bekam er ein leicht abgewandeltes Portrait als Banner für die Heinz-Con spendiert und daraus wurde wiederum eine Miniatur entwickelt.  Ja es gibt eine Heinz-Con. Geht hin.

 

Miniatur zur Heinzcon

Heinz wird zum Bild wird zur Figur: Wer eine Miniatur haben will, muss zur Heinzcon kommen.

Es gibt eine Miniatur von meinem Plüschtier. Kopien von ihm werden auf Rollenspiel-Cons verkauft und mittlerweile muss es weit über hundert Besitzer anderer ‚Featherlies‘ geben. Es wurden schon Menschen beobachtet, die sich dem Uhrwerkstand mit den Worten „Was kostet der Heinz?“ nähern anstatt mit „Was kostet so eine Plüscheule?“.  Viele Personen aus meinem Umfeld fluchen unterbewusst auf Heinzisch, indem sie leise Näknäknäk vor sich hin nörgeln. Vollkommen bescheuert! Ich finde es großartig.

Denn in erster Linie ist Heinz doch mein Plüschtier. Er hat nur irgendwann (zur Rezension des Abenteuerbandes ‚Der Mondenkaiser‘) angefangen, Orkenspalter TV mit zu moderieren. Und da hat er sich direkt als Facheule für Das Schwarze Auge-Historie und genialer Imitator hervorgetan. Irgendwie wurde es dann immer abgefahrener, wo genau er seinen ersten Doktortitel und seine Professur her hat weiß ich gar nicht mehr – die nächsten zwei Doktortitel brachte er aus einem Urlaub in Bayreuth mit. Das war zur guten Guttenberg-Zeit. Und der vierte Doktor kam nach seinem scheinbaren Tod. Ja, es gab eine Menge und vor allem konfuse Story in den Formaten, in denen Heinz mitmischte, wie Verschollen im Limbus und die Late Nerd Show.

Heinz im Batman-Kostüm

Ein Meister der Tarnung: Heinz in seinem schnabelgefertigten Batman-Kostüm zu den Filmen von Tim Burton – ein unvergessener Late Nerd Show-Auftritt.

Aber wo kommt er her?

Es war an einem eher diesigen Samstag  2009. Ich war auf dem Weg von Hamburg nach Münster, wie des Öfteren an einem Wochenende, und nutzte dazu die erprobte Kombination aus meinem Semesterticket und dem Länderticket Niedersachsen. Allerdings war ich übereifrig zu früh aufgestanden und aus Versehen (tatsächlich aus Versehen! Ich bin noch nie in meinem Leben bewusst schwarz gefahren) in Osnabrück 10 Minuten zu früh in den Zug gen Bremen eingestiegen. Wie ein Schaffner bemerkte. Nachzahlen war dank frisch demagnetisierter Kreditkarte (Kinder, kauft euch keine billigen Portemonnaies mit zu starken Magneten) nicht möglich und so wurde ich Kulanz genau um neun Uhr, also zum Beginn der Gültigkeit meiner Karte, irgendwo in der Pampa mit meinem Gepäck ausgesetzt anstatt auch  noch wegen Schwarzfahren zu löhnen.

Das Wetter war scheiße.

Eine Stunde später kam der nächste Zug und ich war zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon fertig genug mit der Welt und spätestens in Bremen, nach der Freude des vollen Nahverkehrs, brauchte ich eine Pause.

Und deswegen stromerte ich mit meinen Taschen in den dortigen Bahnhofsbuchhandel und stellte mich vor das Fantasy-Regal. Gleichförmige Titel und Cover blickten mich dümmlich an. Schweren Herzens griff ich nach einem Band von Markus Heitz: Legenden der Albae. Kann man ja mal eine Chance geben und ansonsten sprach mich auch nichts anderes wirklich an.

Und in den wenigen Minuten, die ich die ersten paar Seiten las, war ich derart abgelenkt (leider nicht wegen meiner Begeisterung aber das steht auf einem anderen Blatt), dass jemand das Portemonnaie samt kaputter Kreditkarte, Kontokarte und all meinen Papieren aus meiner Schultertasche stibitzte. Und ganze 7 Euro 50 erbeutete.

Danke Markus Heitz. Ob der Taschendieb gezielt vor dem Fantasyregal wartet, um entsetzten Frauen mit kaputten Sneakern und abgewetzter Tasche das letzte Kleingeld zu klauen? Eine gute Masche wär’s.

Ich kam an dem Tag noch nach Hamburg. Aber die Laune war im Keller: Irgendwo in der gottverlassenen Einöde Niedersachsens hatte ich eine Stunde im Regen gestanden, die üblichen anstrengenden Faktoren eines Regionalzugs am Wochenende hinter mich gebracht und all meine Papiere und Zahlungsmöglichkeiten verloren. Hotline zum Sperren von Karten fragte übrigens nach der Kartennummer: Hand auf’s Herz, wer kann die auswendig? Ich bin ja froh, wenn ich Kontonummer und Bankleitzahl drauf hab.  (Und um all das abzurunden hatte ich auch noch ganze fünf Seiten Legenden der Albae gelesen.)

Und zur Aufheiterung zerrte mich der Besuchte Hamburger in einen Plüschtierladen am Bahnhof. Da gab es übermhairegroße Giraffen, lebensgroße Geier, Raubkatzen, Elefanten und was sonst alles irgendwo von Steiff und co. hergestellt wird. Und ich entschied mich ausgerechnet für eine kleine weiße Plüscheule mit krummem Schnabel  und taufte sie Heinz.

Fortan lebte sie immer in irgendeiner Tasche von mir, löste mindere Panikattacken aus wenn sie scheinbar verloren gegangen war und verlor Stück für Stück ihre jungfräuliche Flauschigkeit. Aber selbst wenn Heinz heutzutage wie ein biestiger bis boshafter Menschenhasser auftritt, weiß ich, irgendwo in seiner zerknautschten Bärchenwolle verbirgt sich ein noch nicht verfilzter, weicher Kern. Weil er an einem ansonsten echt beschissenen Tag für gute Laune sorgen konnte.

Im Grunde ist Markus Heitz der Grund, warum ich Heinz habe. Oder besser, warum Heinz auf etwas gruselige Art und Weise Teile meines Lebens übernommen hat und derzeit in der linken Jackentasche residiert. Da kann ich dann doch auch kulant auf die 7 Euro 50 verzichten, die mir wegen seines Buches geklaut wurden.

So. Jetzt ist sie vielleicht nicht auf ewig, aber doch mal in fester Form niedergelegt worden: Die Ursprungslegende von Heinz. Leider kommen keine Götter und Kämpfe gegen Dämonen darin vor, aber immerhin sehr wirksame Literatur, ein Meisterdieb und das Grauen des ÖPNV.

Und, war’s schlimm? Hat euch jemand was beim Lesen geklaut und wenn ja was? (Und sagt nicht: 5 Minuten Lebenszeit). Und worüber zur Hölle schreibe ich das nächste Mal …


Late Nerd Show: Der Nerd ist spät dran mit Geschenken? Wir helfen!

Nein, ich habe nicht vor, jetzt jedes einzelne Video, in dem ich mal mein Gesicht in die Kamera halte, hier auch noch unterzubringen. Nur, wenn es sich wirklich lohnt. Und in diesem Fall handelt es sich um einen regelrechten Marathon – ich schätze zwei Stunden saß ich schon da und habe Text zu Comics, Rollenspiel und Gadgets heruntergespult. Die vielen Versprecher und Hänger bekommt ihr natürlich nicht zu sehen, dank Nico (hinter der Kamera und am Schnittrechner und wichtiger Teil der Vorbereitung. Der Teil, der mir sehr viel Arbeit abnimmt und mich immer ermuntert bis in den Popo tritt, weiterzumachen.)

Es ist wirklich viel drin in dieser Weihnachts-Late-Nerd-Show. Kurze Erklärung: Die Late Nerd Show ist ein privates Steckenpferdchen, das zwar mit der Technik von meinem Arbeitgeber entstehen darf, aber eben in der Freizeit zusammengebaut wird. Hier geht es zu 100% um unsere eigene Begeisterung für die Themen, die da wären: Rollenspiel, Comics, Conventions und was man landläufig als lustigen Tinnef, Krimskrams, Kruscht oder Gadgets bezeichnet. Wir halten in die Kamera, was wir gerade aufgestöbert haben (ohje… kennt ihr das Ultra Comics in Nürnberg? Ich nenne es gerne ‚Nerdvana‘. Andere rauchen, ich kaufe Comics. Oder Actionfiguren. Oder Miniaturen. Oder oder oder…)

…und sagen eine Meinung dazu, die halbwegs objektiv ist. Da mein Kollege Nico und ich aber gemeinsam trotz natürlich blühender Jugend ein paar Jahrzehnte Erfahrung in allen zu besprechenden Bereichen mitbringen, sollte es auch einigermaßen fundiert sein, was da erzählt wird.

In dem Riesen-Rundumschlag ist diesmal unter anderem die Gareth-Box dabei. Das Schwarze Auge ist eigentlich immer irgendwie bei uns vertreten und diese Box dürfte uns mit ihrem enormen Umfang noch eine Weile beschäftigen. Eine andere Leidenschaft ist mit Batman: Noel vertreten… A Christmas Carol in Gotham, wunderschön illustriert. Unter meinen persönlichen Highlights und Überraschungen des Jahres finden sich Donjon, episch-abgefahrener Mehrebenen-Comic mit gewöhnungsbedürftigen Zeichnungen, FVZA mit Vampiren, knallharter Story und beeindruckend gutem Artwork, und der gezeichnete Reisebericht ‚Reise zum Kerguelen-Archipel‘.

Oh und verlost wird auch etwas. Einmal der Vampir-Comic-Wälzer 30 Days of Night, einmal der 90er-Jahre-Vorzeigecomic Battle Chasers zusammen mit einer Darksiders-Tasse (Joe Madureira war bei beidem Designschöpfer), eine Nobel-Kunstlederversion vom DSA-Myranor-Band Myranische Monstren und einmal das Contact-Regelwerk, in dem ihr mit gewiefter Taktik auf Alien-Jagd geht.

Viel geschrieben? Ja. Als Belohnung zur wall of text gibt es jetzt aber Video. Und wer was gewinnen will (wie sage ich im Video hoffentlich halbwegs verständlich) kann das auch auf dieser Seite tun. Jemand Fleißiges hat ja bereits jetzt schon bei der Hobbitrezension seinen Wunsch kundgetan ^^.

P.S.: Zur Sicherheit sollte man es dazu sagen aber – logischerweise hat niemand einen Anspruch auf Gewinn durch die Beteiligung am Spiel und ich werde auch keines der Bücher behalten und euch stattdessen Geld überweisen. Versteht sich ja von selbst. Wie bei allen Gewinnspielen also ;).

P.P.S.: Die automatischen Standbilder von Youtube hassen mich. Aber es dürfte auch schwer sein, mich mal mit geschlossenem Mund zu erwischen, wenn ich eigentlich die ganze Zeit labere während des Videos …


Der Hobbit – Rezension zum Mittelerde-Rollercoaster

Fangen wir doch mal mit diesem ‚Inhalt‘ an… Was bietet sich da besser an, als über Kino zu reden, über das ohnehin gerade alle reden?

Was habe ich nicht alles in Rezensionen zum Hobbit gelesen, bevor ich drin war. Andere meiden das ja eher, um unbefangen in einen Film zu gehen, aber schon jobtechnisch war das nicht drin.

Ein Meisterwerk! hieß es da. Ein ruhiges Tempo, wie sich das gehört für eine Tolkien Verfilmung. Ergänzt um Abschnitte aus dem Silmarillion sollte der Hobbit sein – da wurde ich hellhörig, denn was davon würde sich eignen und wie würde dieses sperrige, aber großartige Buch da hineingeflochten werden? Die Erwartungen waren entsprechend hoch und reichlich mit Kinospeisen bewaffnet klopfte das Herz schon freudig etwas schneller, als der Schriftzug zum Hobbit begleitet von Howard Shores Orchesteruntermalung erschien. Da fühlt man sich gleich 11 Jahre jünger und zurückversetzt in den verzauberten ersten ‚Herr der Ringe‘-Winter.

Und der Hobbit sieht dann ja auch aus wieder Herr der Ringe und startet sogar eng verschränkt mit dieser Verfilmung. Bilbo Baggins, zu diesem Zeitpunkt Ian Holme, beginnt mit dem Schreiben seines Roten Buches. Seiner Geschichte des ‚Hin und wieder zurück‘, wie er an Ring und Stich kam, woher er Gandalf kennt und eine Menge zwischendrin.
Diese Abschnitte sind ausgesprochen putzig und fügen sich sauber in den Herrn der Ringe ein – Bilbo versteckt Wertgegenstände vor seiner unliebsamen Verwandtschaft und lässt den geduldig für den schrulligen Alt-Hobbit arbeitenden Frodo das vertraute Schild an das Gartentürchen hämmern.

Es folgt ein erwartungsgemäß epischer Abschnitt zur Geschichte Erebors, des Zwergenkönigreichs unter dem Einsamen Berg, und wie es dem Drachen Smaug zum Opfer fiel. Schließlich wird der Rest der Trilogie sich ausführlich damit beschäftigen, den ganzen Ärger rückgängig zu machen. Ebenfalls erwartungsgemäß bekommt man hier Smaug noch gar nicht richtig zu Gesicht, nur die Folgen seines Überfalls, einzelne Blicke auf Krallen und Feueratem und eine sich ringelnde Schwanzspitze geben einen Eindruck von seiner Größe und entsprechenden Fürchterlichkeit. Man will ja auch den weißen Hai nicht sofort sehen, sondern sich noch ein bisschen gruseln können.

Und dann kommt der Abschnitt, über den einiges geschrieben wurde – langatmig, albern oder auch einfach nur ruhig und mit eigenem Tempo soll er sein. Eines ist er vor allem: Liebevoll nahe am Buch. Ein ganze Reihe Zeilen lang bekommen wir sogar ein direktes Zitat. Da geht einem doch das Herz auf.

Und eines merkt man sofort: Martin Freeman ist die einzig mögliche Besetzung für Bilbo. Mir fällt auch nach langem Überlegen niemand ein (also niemand halbwegs Bekanntes logischerweise) der diese perfekte British-ness verkörpern könnte, die zwischen Gemütlichkeit, Höflichkeit und stiller Empörung schwankt. Das Timing ist schlicht und einfach perfekt, wann immer Bilbo einen verwirrten Double-Take macht, versucht sich einzumischen, protestiert oder erschrocken ist. Allein um Martin Freeman in dieser Rolle zuzuschauen lohnt sich der Gang in den Film schon. Das war aber abzusehen – als Dr. Watson in ‚Sherlock‘ und als Arthur Dent im Anhalter war er der Vorzeigebrite mit trockenem Charme und hat so nun eine Art Trilogie des Englisch-seins vollendet. Als es zwischendrin in der Pre-Production hieß, er könne die Rolle nicht wahrnehmen, war meine Verwirrung groß – wer sollte den denn bitte ersetzen? Im wahrsten Sinne des Wortes also ganz großes Kino, Mr Freeman.

Die Zwerge allerdings sind etwas durchmischt. In der Vorlage entsteht auch leicht der Eindruck, dass es den Anführer Thorin gibt und dann ‚den Rest‘. Jackson und Co. versuchen irgendwie einen Mittelweg zu gehen und ein bisschen die Rollen zu verteilen, aber gehen dabei kurios ungerecht vor. Manche dürfen recht viel sagen, Exposition bieten, lustig rumalbern oder cool mit Waffen umgehen. Und dann gibt es andere wie Bombur, der den lieben langen Film nichts tut, außer dick zu sein. Er sagt kein einziges Wort! Auch Gimlis Papa Glóin darf gerade mal ein paar Elben anfahren, dann wird er wieder zum stummen Bartträger. So ist man schlussendlich schlicht verwirrt – wer war nochmal wer? Auch die Versuche, die Zwerge optisch voneinander abzuheben, sind teils etwas über das Ziel hinausgeschossen. Die Versammlung gigantischer Scherzartikelnasen, bescheuerter Hüte und noch bescheuerterer Frisuren ist schwer ernst zu nehmen (wenn auch erwartungsgemäß liebevoll gestaltet).

Generell ist das Ernst-Nehmen ein Problem den ganzen Film hindurch. Inszeniert wird der Hobbit mit Pathos, mit Zeitlupe, lodernden Flammen, geifernden Wargen und schmerzhaft schönen neuseeländischen Landschaften. Aber da der Film sich extrem eng an die episodenhafte Vorlage hält, verläuft die Handlung nach der Einstimmung auf das Thema wie eine Revuenummer nach der nächsten: Zwerge geraten in Bredouille, liegen oder sitzen herum und dann kommt ein Deus ex machina (meist Gandalf) der sie rettet.
Diese Schere zwischen ‚Bad Ass Dwarves‘ und Witzfiguren, die von Trollen in Tüten gepackt und gegrillt werden, ist einfach zu groß, um stimmig zu wirken. Einen Ausweg gibt es da für die Wahrnehmung: Der Hobbit ist ein Märchenfilm, kein Fantasyfilm. Dann darf man auch Figuren und Klischees und im wahrsten Sinne des Wortes magische Kaninchen aus dem Hut ziehen, denn Märchen haben nunmal ihre eigene Logik aus festen Erzählschemata und Archetypen. Wenn man das Hirn so von der suggerierten Verwandtschaft zum Herrn der Ringe wegbiegt, ist das alles okay. Nur wo da bitte Längen sein sollen, frage ich mich? Keine fünf Minuten kann man mal Luft holen, schon wird die nächsten Abhänge hinuntergepurzelt, in Schluchten gefallen und mit Orks gerungen. Das kontinuierliche Auf und Ab sträubt sich konsequent gegen eine filmische Dramaturgie. Wenn man alle zehn Minuten einen weiteren dramatischen Höhepunkt geliefert bekommt – natürlich mit Zeitlupe und tollen Kamerafahrten – ist der Effekt zum Ende hin etwas ausgelutscht.

Erzählerisch ist der Hobbit also eher kurios. Wie dies als Teil eines Meisterwerks gefeiert werden kann, frage ich mich – ich freue mich ja über schnuffige Details und all die kleinen Geschichten und Geschichtchen, aber das gesamte Gewurschtel fühlt sich dann eher an wie eine bunte Rundreise durch Mittelerdes Bedrohungen und Absonderlichkeiten. Mit Zwergen, irgendwer muss ja bedroht werden.

Abgesehen von den Zwergen gilt es aber noch ein paar Worte zur Darstellung der Figuren zu sagen – Gandalf, Saruman, Elrond und Co. kennt man ja bereits und die gesamten Elben überraschen wenig. Nur bitte Hohe Frau Galadriel, ihr weißer Dress hat durch die aufgeklebten Strasssteine zu viel an billiger Albernheit gewonnen.

Neu ist unter anderem Radagast der Braune. Wie Gandalf eigentlich so etwas wie ein Halbgott, eine mächtige Entität, die nur aussieht wie ein Mensch. Und auch wenn der Gute als schrullig angelegt ist, musste man ihn mit Vogelkacke im Gesicht herumlaufen lassen? Eklig und irgendwie unwürdig (aber wenigstens wissen wir jetzt, warum er ‚Der Braune‘ heißt. Okay, das war auch eklig). Und praktisch alle seine putzigen Tierchen waren reines CGI, was dank Uncanny Valley-Effekt eher irritierend wirkt.

Ähnlich geht es da mit den Bösewichten zu. Der Blasse Ork auf weißem Warg wobbelt mit seiner animierten vernarbten Gesichtsmasse herum. Das ist ungemein gut gemacht, aber wenn ich die ganze Zeit über nur bewundere, wie die Regeln des Dehnen und Stauchens aus dem Animateurs-Einmaleins angewendet werden, wie das Licht durch unterschiedliche Hautschichten gebrochen wird und wie die Feuchtigkeit in den Augen auf Licht reagiert… dann ist die Figur irgendwie doch nicht lebendig, sondern eine Fingerübung in technischer Trickserei.

Und die gesamten Goblins in ihrer Höhlenstadt sind eine Armee solcher ‚Oh, schau mal wie schön die Schatten sich auf seiner Haut verhalten!‘-Momente. Der König ist aber nicht nur deswegen eine Farce, sondern dank der zwar charmanten, aber unpassenden Performance von Kult-Transvestit Dame Edna als Gegner absolut unbeeindruckend. Überhaupt wirkt die gesamte Versammlung an Goblins durch ihre Albernheit unbedrohlich. Wo sind die denn bitte verwandt mit dem gruseligen Moria-Geschmeiß? Und, wenn wir schon dabei sind, warum sind sie in einem Moment so viel stärker als die eigentlich noch bewaffneten Zwerge und zwei Szenen später nur noch kreischendes Kanonenfutter, das massenweise von Holzstegen purzelt? Die armen Biester dürfen auch nichts machen, als einen weiteren Deus ex machina herbeizuzwingen.

Und nun aber zu der vermutlich besten Szene im ganzen Film. Bilbo und Gollum. Die schicksalsträchtige Begegnung tief im Fels und das Rätselraten. Ich weiß noch, wie ich mit zwölf von diesem Moment fasziniert war. Wie der Hobbit da verloren im Finsteren einen Wettkampf der Worte mit dieser gruseligen Figur ausficht. Andy Serkis, natürlich wieder überanimiert (aber noch mit deutlich mehr Sorgfalt als seine CGI-Kollegen) und Martin Freeman machen hieraus eine Show, einen Wettkampf, wer besser Bedrohung und Humor der Szene rüberbringen kann. Zwei Gestalten, begrenzter Raum und nur Rätsel und Worte, die ausgetauscht werden, aber hundertmal spannender und packender als alle Zeitlupenschwertschwingereien zusammen.

Absolute Stärken des Hobbits sind natürlich auch sein Design und sein Sound. Mein Gott ist Mittelerde wieder schön und voll beeindruckender Orte. Da gibt es einfach keine langweiligen Landschaften, keine durchschnittlichen Wanderwege, keine eher traurigen Mischwälder und keine harmlos aussehenden Berge. Alles ist toll, alles schreit einem zu, sofort, wenn nicht sogar schon gestern ein Ticket nach Neuseeland zu kaufen. Wie unfair, dass dieses harmlose Ländchen am anderen Ende der Welt so viel schöne Landschaft auf vergleichsweise wenig Raum bekommen hat! Und alles wird perfekt eingefangen. Im genau richtigen Licht erglühen die Berghänge, gegen den perfekten Sonnenuntergang stapfen fünfzehn Gestalten über einen makellos eleganten Hügelkamm. Das Auenland weckt die Sehnsucht nach dem eigenen Schrebergarten, alle Schreibfedern, Teller, Käseräder, Zäune und Blumentöpfe wurden liebevoll gefertigt. Selbst die hässlichen Dinge und Wesen wurden mit Bedacht designt und finden ihre richtige Größe, was bei all dem Hin und Her mit Menschen, Zwergen und noch kleineren Hobbits alles andere als selbstverständlich ist – wir erinnern uns aus dem Herrn der Ringe zum Beispiel noch an zu niedrige Geländer in Bruchtal.

Und der Klang – man fühlt sich nach 2001 zurückversetzt. Kein Wunder, abgesehen vom großartigen neuen Zwergenthema zur gesungenen Geschichte von Erebor wird hier fleißig wiederverwendet. Erneut sirren sich die Geigen einen, wenn Howard Shore Spannung aufbauen will, dröhnt der Ring mit vertrauten Klängen und das Auenland hat nur einige seiner Noten getauscht. Ein Klangteppich, der sauber sitzt, aber eben wenig Neues bietet.
Und ganz kurz noch zum Technischen: Ich war nicht in einem Kino mit der HFR-Technik. Aber bei der schon mehrfach erwähnten zahllose eingesetzten Zeitlupe sind mir schärfere Bilder bei schneller Bewegung jetzt nicht gerade als absolutes Muss für den Film aufgefallen. Das 3D war sauber, sorgte aber manchmal in Kombination mit dem vielen CGI für ein zusätzliches Gefühl der Falschheit, wenn weitere Tiefenebenen nicht nur nicht ganz echt aussahen, sondern auch nicht ganz korrekt weit weg vom Rest erschienen.
Und ja, am vielen CGI krankt der Film etwas. Der Herr der Ringe und seine Schlachten waren immer dann am besten, wenn echte Stuntmen sich mit echten Waffen zu Leibe gerückt sind. Wenn wirklich Schwert auf Schwert gehämmert wurde und reale Personen in den Schlamm sanken. Wegen der Größenprobleme zwischen Zwergen und manch anderen Kreaturen, wegen der Nichtexistenz von Wargen und wegen der Entscheidung, auch per Make-Up-Effekt darstellbaren Orks CGI zu verpassen, dürften zahlreiche Kampfszenen hier ohne Gegner und zu Teilen nur vor Greenscreen stattgefunden zu haben. Das nimmt die Wucht heraus und führt teils – vor allem bei den Goblins – zu einem sterilen Star Wars-Prequel Gefühl. Gerade bei einem Team und einem Franchise, das bisher stark auf ‚reale‘ Bestandteile, mehr auf Modelle als auf reine Animation und auf Make-up und Props gesetzt hat, ist das irgendwie schade. Die Weta Workshops haben doch bewiesen, wie großartig sie so etwas können. Warum durften jetzt soooo oft nur die Kollegen von Weta Digital ran?

Fassen wir also zusammen: Die Inszenierung mit ihren Epik-Elementen passt nicht so recht zum teils albernen und immer sprunghaften Inhalt und zu viel Mittelerde kommt mir aus dem Computer.

Ich mag den Film trotzdem. Es sind so viele schöne Anspielungen und Details darin, die gerade Tolkien-Freunde zu schätzen wissen werden (auch wenn das mit dem Silmarillion eine deutliche Fehlinformation war). Er sieht wunderschön aus, ist technisch einwandfrei und mein Gott ist es eine Freude, Bilbo zuzuschauen. Auch den alten Bekannten wie Ian McKellen, Christopher Lee, Hugo Weaving und Cate Blanchett schaut man gerne noch einmal zu (obwohl Christopher Lee, erbost über sein Fehlen in der Kinoversion von Rückkehr des Königs, sich kaum über die vielen Bestandteile seines Textes freuen wird, die zu Gunsten anderer Elemente in den Hintergrund gefaded werden). Es ist eine schöne, das Herz erquickende Reise durch Mittelerde. Aber ein Meisterwerk? Nein, dazu ist der Film in sich zu inkonsistent im Auftritt, zu wirr in seiner Dramaturgie. Was er ist, ist ein perfekter Reel von Szenen, die man im Hintergrund laufen lassen kann, während man an anderen Dingen arbeitet. Wann immer man aufschaut wird man etwas Schönes, Beeindruckendes oder Gruseliges sehen. Aber da es keine wirklich klare Struktur gibt, macht es auch nichts, Teile zu verpassen. Die Zwerge werden ja eh schon gerettet. Von jemand anderem, versteht sich, nicht aus eigenem Antrieb.

7,5 von 10 Punkten sind es abschließend, 8 weil es sich so schön angefühlt hat, nochmal Mittelerde auf der Leinwand zu sehen. Wer zu denen gehört, die für 40 Euro Extended Versions gekauft haben, um haufenweise herausgeschnittene Szenen zu bekommen: Ihr kriegt hier für den Preis einer (teuren) Kinokarte gleich 3 Stunden solcher schönen, aber nicht ganz zusammenhängenden Szenen.