LARP: Ein Hobby in weinrot und rosa

Wann hat sich das alles nur angesammelt?

Wann hat sich das alles nur angesammelt?

Das ist nicht der normale Inhalt meines Kleiderschranks. Der ist farblich eher nach der Prämisse zusammengestellt, dass sich schwarz mit allem kombinieren lässt, vor allem aber mit schwarz. Grund für diese Ansammlung von kurios gefärbtem Stoff ist ein Hobby, das ich mit 15 dank Sondererlaubnis der Erziehungsberechtigten begonnen habe.

LARP

Jaja, heute ist doch Star Wars Tag, May the 4th, warum nichts dazu – aber meine nerdliche Verpflichtung zu dem Thema habe ich schon mit der Holonet-Show erfüllt.

Zurück zu LARP (und es ist ja nicht so, als hätte ich nicht auch schon in einer weit, weit entfernten Galaxis gelarpt). Ich nehme an, die meisten Leser wissen, was das ist. Für alle anderen: Live Action RolePlaying ist eine Aktivität, bei der Menschen aus Industrienationen am Wochenende seltsame Sachen anziehen und beschließen, mal etwas Cooleres zu erleben als ihren Alltag. Also Monster zu kloppen, Intrigen zu spinnen, in beliebte Phantasiewelten abzutauchen oder von mir aus (ist ja immer noch Mode) vor Zombies davonzulaufen.

Eine Stunde früher aufstehen auf Con: Locken

Eine Stunde früher aufstehen auf Con: Locken

Bis auf die Zombies habe ich die meisten Spielarten des Hobbies schon durch. Ganz normale Standard-Fantasy-Cons (und damals in den Neunzigern noch mit mies verkleideten Kollegen und übelst selbst zusammengeschusterten Polsterwaffen), “epische” Großcons als Spieler oder NSC, kleine intime (und verdammt gute) Kampagnen, Vampire-Live (das eine ganz eigene Kategorie darstellt) und höchst unterhaltsame Oneshots wie ein Scheibenwelt-LARP oder ein Doctor Who-LARP. Man kann mit einem gut gefüllten Kleiderschrank und Bastelei nahezu alles in ein LARP verwandeln.

Das führt mich zu der etwas seltsamen geistigen Einstellung, die viele LARPer teilen und die zu ebensolchen Kleiderschränken und Sammlungen von burgunderrotem und rosa Stoff führen kann. Nämlich die LARP-Tauglichkeitsbrille. Oft genug steht man als Hobby-Held vor absolut grässlichen Schuhen und denkt sich: “Oh mein Gott sind die furchtbar, die könnte ich für XY gebrauchen!” Und so sammeln sich teils Zimmer voll mit Kram an, mit denen man im Alltag nicht tot gesehen werden will, die am Wochenende aber triumphierend vorgeführt werden. Wie die furchtbaren türkisfarbenen Wildlederstiefeletten aus den Siebzigern an den Füßen einer blauen Twi’lek-Tänzerin. Oder pottenhässliche Leggings und ebensolcher Lippenstift für ein Setting in den Achtzigern. Manchmal ist es echt schwer, Halt zu machen – ich erinnere mich an Freunde, die im Studium jeden Cent umgedreht, aber 500 Euro für beeindruckende Outfits ausgegeben haben. Das klingt ebenso bescheuert wie die meisten anderen Hobbies.

Warum aber rosa?

Dieser Blogeintrag ist auch sowas wie eine Aufforderung an mich, so einiges fertig zu machen und weiter durchzuhalten, was mit dem Stoffberg zu tun hat. Ziel ist es, im Juni auf eine kleine, aber sehr stilvolle Convention zu fahren und das Zeugs anzuhaben. In kleinen, durchsichtigen Stückchen.

Der rosa Stoff ist noch nicht fertig verarbeitet, aber auch in weinrot scheint's durch

Der rosa Stoff ist noch nicht fertig verarbeitet, aber auch in weinrot scheint’s durch

Das Setting ist Das Schwarze Auge, Aventurien, das Horasreich. Dargestellt wird eine Geweihte der Rahja. Für alle nicht DSA-ler: Wir bewegen uns in einer Art Fantasy-Renaissance, alles sehr fancy, und ich werde eine Priesterin einer Göttin spielen, die auf ihrer To-Do-Liste Wein, Rosen, Rausch, Spaß am Leben und guten Sex stehen hat. Aventurien hatte halt immer schon mehr Brüste, als die meisten anderen (und meist amerikanischen) Fantasy-Settings. Es ist eine Rolle, die ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nur auf solchen Cons spielen würde, denn dort wird der Charakter erkannt, respektiert und der Umgang mit der Frau in durchsichtigen Schleierstoffen (aber alles sorgfältig noch jugendfrei) wird in den seltensten Fällen von beschissenen Anmachsprüchen begleitet werden.

Warum genau die Rolle?

Erstens sieht jeder gerne gut aus und Rahjani dürfen sich mit tollem Schmuck behängen und schöne Fantasy-Kleider tragen. Zweitens ist es auch eine Herausforderung – was das Nähen und Basteln angeht, aber auch für das Spielen auf der Con. Den ganzen Tag würdevoll, fröhlich, harmonisch und auch noch philosophisch daherreden und -schreiten … (Zum Glück gilt im LARP ja meistens eine Philosophie des ‘close enough’ wenn man sich nicht wie der letzte Depp aufführt). Und es kommt hinzu, dass es ein guter Anreiz ist, um mal einiges anzugehen und zu verändern.

Was zu tun ist

Es sind schon einige Outfits und Teile von weiteren fertig und es hat sich eine verblüffende Menge an Accessoires angesammelt. Aber weitere Röcke wollen genäht und Mieder bestickt und Ergänzungen gefunden und eingesammelt werden. Vor allem aber schrumpfe ich noch.

Im Gedenken an einen tollen Song auch mal in Metall - statt Nähnadel die Zange geschwungen.

Auch mal in Metall – statt Nähnadel die Zange geschwungen.

Ideale Körperbilder verschiedenster Ausrichtungen in allen Ehren – und ich könnte mich sehr darüber aufregen, wie offenbar kaum jemand den Umfang oder Mangel desselben bei anderen nicht in Ruhe lassen kann –  meins liegt bei noch ein paar Kilo weniger (und dabei sind schon einige wieder runter).  Das ist nicht einfach, denn Zitat meines letzten Arztes auf die Frage hin, ob es mit der derzeitigen medikamentösen Behandlung zusammenhängen könne, dass es nicht bergab geht: “Nein, Sie sind einfach  nur der Typ Mensch, der schwer abnimmt.”

Na danke. Also zu Fitness-Studio auch noch eine sehr, sehr ausgewählte Ernährung dazu und Noch. Mehr. Ausdauertraining.

Und weil ich den ganzen Kram online packe, kann ich auch nicht mehr so tun, als wäre das gar nicht der Plan gewesen, und muss dranbleiben ;). Ich  halte dann mal in Zukunft euch (und natürlich mich offiziell) auf dem Laufenden, wie es mit dem Nähen und allem anderen voran geht. Schönen vierten Mai noch! Ich muss jetzt unter großen seelischen Schmerzen einen Sari zerschneiden, der ein Rock werden soll.